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Wie eine Apothekerin aus Honzrath die Corona-Krise erlebt

Kostenpflichtiger Inhalt: Apothekerin aus Honzrath spricht über Corona-Krise : „Die Leute suchen das Gespräch“

Plexiglas und mehr Lieferdienst: In der Tal-Apotheke Honzrath hat sich mit Beginn der Corona-Krise einiges verändert.

Es sind arbeitsreiche Wochen für Martina Schwarzenberger-Schmitt: „Das ist fast schon ein bisschen wie Akkordarbeit“, sagt die 39-Jährige, die die Tal-Apotheke in Honzrath betreibt. Wie viele ihrer Apotheker-Kollegen in der Region auch muss sie sich in ihrem Betrieb, zu dem auch eine Zweigstelle in Nennig gehört, mit den Folgen der Corona-Epidemie auseinandersetzen.

Dazu gehört unter anderem, dass sie und ihre Mitarbeiter in ihrer Apotheke Abstandsmarkierungen auf dem Boden angebracht haben, um den Kunden aufzuzeigen, welche Distanz sie am besten zueinander wahren sollen. „Das klappt aber gut, die Kunden halten sich in der Regel auch dran“, sagt Schwarzenberger-Schmitt.

Ihr Personal arbeitet versetzt in mehreren Schichten, um mögliche krankheitsbedingte Ausfälle rasch kompensieren zu können. An den Bedientheken hat sie zudem gleich mit dem Bekanntwerden der ersten Corona-Fälle in der Region Plexiglasscheiben zum Schutz von Mitarbeitern und Kunden installieren lassen. Daher könne sie auch bislang darauf verzichten, nur noch einer eingeschränkten Kundenzahl Zutritt zu gewähren. „Und ich möchte auch ungern die Leute nur über die Notdienst-Klappe bedienen, da fehlt mir dann doch der persönliche Kontakt zu sehr“, sagt die gebürtige Reimsbacherin.

Überhaupt, der persönliche Kontakt zum Kunden: Der werde in diesen Tagen der Krise wieder enorm wichtig, hat Schwarzenberger-Schmitt festgestellt: „Die Leute suchen das Gespräch.“ Wobei nach ihrem Eindruck der Grund dafür weniger Verunsicherung ist: „Das stelle ich eher selten fest, die meisten Leute wirken gut informiert.“ Aber die direkte, persönliche Beratung würde dennoch vermehrt wieder als wichtig empfunden. Und hier sieht die 39-Jährige einen großen Vorteil der „klassischen“ Apotheken gegenüber der Online-Konkurrenz, den diese zurzeit auch für sich nutzen könnten.

Wobei Martina Schwarzenberger-Schmitt nach ihren Worten schon vor der Corona-Krise bereit war, neue Wege im Kontakt zu den Kunden zu gehen: So ist der Betrieb sehr aktiv auf Facebook, informiere über das soziale Netzwerk kontinuierlich seine Kunden. Und neben der Möglichkeit, Bestellungen per Mail oder Whatsapp (mit angehängtem Foto vom Rezept) aufzugeben, nutzt sie mit ihrer Apotheke ein Chat-Portal, über das Kunden die gewünschten Medikamente ordern können – anschließend wird die Bestellung entweder vom Kunden abgeholt oder ihm per Lieferdienst nach Hause gebracht.

Der Lieferdienst der Apotheke werde noch stärker in Anspruch genommen als ohnehin schon, sagt Schwarzenberger-Schmitt: „Ich musste noch zwei Fahrer einstellen.“ Gerade hier könnten stationäre Apotheken einen weiteren Vorteil gegenüber der Online-Konkurrenz ins Spiel bringen, nämlich die Schnelligkeit: „Wir liefern als Apotheke vor Ort meistens am gleichen Tag, das schafft keine Versandapotheke“, sagt sie. Die Kombination der Stärken von stationärem und mobilem Vertrieb stelle eine große Chance dar, ist sie sich sicher: „Wenn man sich als Apotheke modern aufstellt, bringt einem das schon etwas.“

Im Angesicht der Corona-Krise würden manche Menschen auch damit beginnen, Arzneimittel zu horten, hat die Apothekerin beobachtet – und zwar insbesondere solche, die häufig oder regelmäßig gebraucht würden: „Hintergrund sind meist Befürchtungen, dass es Lieferengpässe geben könnte, weil viele Medikamente in China hergestellt werden.“

Desinfektionsmittel allerdings hat es bis zuletzt in ihrem Betrieb noch gegeben – weil das in der Tal-Apotheke noch selbst hergestellt werde. Schwarzenberger-Schmitt erzählt: „Das ist hier historisch gewachsen, das hat schon der frühere Inhaber sehr umfassend gemacht.“ Allerdings habe sie mittlerweile auch vermehrt mit Lieferengpässen bei den Rohstoffen zu tun – „bis hin zu den Flaschen“, sagt sie.

In wenigen Tagen wird Schwarzenberger-Schmitt nun den nächsten Schritt tun, um ihren Betrieb trotz der Versand-Konkurrenz zukunftssicher auch für die Zeit nach Corona zu rüsten: „Dann starten wir unseren eigenen Online-Shop“, verrät sie.