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Widerstand gegen Sonnenenergie

Beckingen. Vehement wehren sich SPD und Linke im Beckinger Gemeinderat gegen den Bau einer Fotovoltaikanlage zwischen dem historischen Bahnhof und der alten B 51. Sie befürchten, dass der Ortseingang verschandelt wird. Margit Stark

Die Sonne anzapfen will die Firma ecoparc energy aus Haustadt auf dem Gelände zwischen dem Historischen Bahnhof von Beckingen und der L 174 (früher B 51). Doch die Fotovoltaikanlage auf dem Gewerbegebiet Großwies/Hahnenloch, per Mehrheitsbeschluss von der CDU-Fraktion im Gemeinderat an das Unternehmen aus Haustadt verpachtet, lehnen Linke und Sozialdemokraten kategorisch ab. Als einen Grund für das Nein seiner Fraktion nennt SPD-Fraktionschef Stefan Krutten die Eile, mit der die Nutzung dieser Fläche vorangetrieben worden ist. "Diese ist wohl einzig der Tatsache geschuldet, dass die garantierte Einspeisevergütung im August ausläuft. Wenn die Anlage bis dahin nicht am Netz ist, muss der erzeugte Strom für ein niedrigeres Entgelt an der Strombörse verkauft werden", mutmaßt er. Die Folge: Die Anlage könne wohl nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden.

Das Tempo, das nach Kruttens Worten an den Tag gelegt wurde, verhinderte, über eine bessere Nutzung des Terrains nachzudenken. "So wird diese Fläche auf mindestens 25 Jahre für eine sinnvollere und bessere Nutzung blockiert." Was Krutten ebenfalls moniert: das Fehlen eines "ordentliches Planungsverfahrens mit der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit". Dies wäre seiner Ansicht nach bei der Größe der Fläche von fast 70 Hektar notwendig gewesen. Auch fürchtet er, dass der Ortseingang mit Saargarten und renoviertem Bahnhof durch diese Anlage verschandelt wird, "auch wenn sicher noch schlimmere Bebauungen denkbar wären". Von der Saarbrücke. aus, so fürchtet er, werde man die komplette Anlage sehen. Für Krutten steht fest: "Es hängt nun im Wesentlichen vom Engagement der Bürger ab, ob es noch zu einem Überdenken der Planung und alternativen Nutzungsvorschlägen kommt."

Auch die Linksfraktion im Gemeinderat lehnt den Bau einer industriellen Fotovoltaikanlage am Ortseingang von Beckingen ab. "Hierbei geht es rein um den Standort der Anlage," sagt Elmar Seiwert, Beckingens stellvertretender Ortsvorsteher und Gemeinderatsmitglied. Er verweist auf das Leitbild der Gemeinde mit dem Titel "Beckingen auf dem Weg ins Jahr 2020", in dem laut Seiwert explizit auf ein touristisches Gesamtkonzept verwiesen wird und die Restaurierung des Bahnhofs und die Neugestaltung des Umfeldes angekündigt wird. "Von dem Bau einer Fotovoltaikanlage auf dem als Industriegebiet ausgewiesenem Gelände war nie die Rede." Derweil ärgert Gemeinderatsmitglied Dagmar Ensch-Engel, dass diese Entscheidung schnellstmöglich am Bürger vorbei in einem beschleunigten Verfahren "abgewickelt werden soll." Dadurch entfällt nach Worten der Landtagsabgeordneten unter anderem ein Umweltverträglichkeitsgutachten. Mit Blick auf Biber, Eisvogel und andere Tiere, die an diesem Bachlauf lebten, nennt dies Ensch-Engel verwerflich. Sie verwehrt sich gegen die "Nacht- und Nebelaktion", mit der bei dem Gelände vorgegangen worden sei. Transparenz und echte Bürgerbeteiligung gehen nach ihrer Ansicht anders.

"Als stellvertretender Ortsvorsteher bedauere ich es sehr, dass der Ortsrat Beckingen nicht in die Beratungen eingebunden wurde", moniert Seiwert. "Wir fordern für unsere Heimatgemeinde ein ansprechendes Ortsbild eine harmonische Einbettung des alten Bahnhofs in eine optisch passend gestaltete Umgebung." Mittlerweile hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. > Weiterer Bericht folgt.

Dass Sozialdemokraten und Linke den Saargarten als Argument heranziehen, ist für Bürgermeister Erhard Seger ein Zeichen, dass beide Fraktionen diese Anlage als Schmuckstück ansehen. "Ich kann mich noch an die Prügel erinnern, die ich für dieses Projekt eingesteckt habe." Er nennt Fotovoltaik eine friedliche Technik, die einen Beitrag zur Versorgung mit erneuerbaren Energien leistet - und das auf einem Gelände, das über Jahrzehnte nicht zu vermarkten war. "Seit 1975 ist das Gelände im Eigentum der Gemeinde." Seit dieser Zeit sei viel versucht worden, doch alle Projekte seien bislang gescheitert. Als eine Ursache nennt er Probleme mit der Erschließung. "In dieser Fläche war beim Neubau der Rehlinger Brücke ein Großteil der alten Saarbrücke deponiert worden." Erst kürzlich habe ein Unternehmen, das Interesse für das Terrain gezeigt habe, sich die Erschließungskosten errechnen lassen. "Allein die Erschließung hätte über 400 000 Euro gekostet, da auch kein Kanal und keine Verbindungsstraße auf das Gelände führen."

Geschützt durch Hecke


Auf dem Terrain eine Fotovoltaikanlage zu installieren, nennt der Verwaltungschef die richtige Lösung. "Da wird auf dem Gelände, das der Optik wegen mit einer Hecke umgrenzt wird, ein bis zweimal im Jahr gemäht." Und noch ein Argument führt Seger ins Feld: "Der Bund hat vorgeschrieben, dass wir nur entlang von Bundesstraßen und Bahnstrecken mit solchen Anlagen die Sonne anzapfen dürfen."

Zum Thema:

Auf einen BlickBei einer Fotovoltaikanlage, auch PV- oder Solarstromanlage genannt, wandeln Solarzellen einen Teil der Sonnenstrahlung in elektrische Energie um: den Solarstrom . Je stärker die Sonne scheint, desto höher ist die Stromausbeute der Fotovoltaikanlage. Jedoch ist die Solarstromproduktion aufgrund der technischen Leistungsgrenze der Module begrenzt. Solarstrom gilt als umweltfreundliche Technologie ohne direkte CO2-Emissionen.Quelle: RWE