Wenn Monster um die Kurve driften

Schaurig schönes Lauf-Spektakel: 736 Gruselmonster joggten beim 12. Halloween-Lauf durch die angsterregend zurechtgemachten Straßen von Oppen. Das Wohngebiet Schlädt verwandelte sich am Montag in eine Geister-Rennbahn.

Furcht einflößende Spuk- und Schreckgestalten sind am Abend vor Allerheiligen überall unterwegs. Und wie es scheint, suchen die meisten Monster nach Einbruch der Dunkelheit heute den Beckinger Ortsteil Oppen heim und treiben ihr Unwesen. Genauer gesagt: 736 Skelette, Werwölfe, Zombies oder Hexen drehen beim 12. Halloween-Lauf der LG Reimsbach-Oppen ihre Runden. Das ist für den Ausrichter ein riesiger Erfolg. "Der absolute Rekord nach 666 Läufern im Vorjahr", jubelt Stefan Speicher vom Organisations-Team und schüttelt ungläubig den Kopf. Unter den Teilnehmern sind auch Volker Eiden von den LTF Selbach, der den Jedermannlauf über 5100 Meter in der Altersklasse Senioren 60 gewinnt, Giovanni de Giorgi (LTF Marpingen), der Zweiter in der Altersklasse Senioren 55 wird, und Elea Mege von den Speedies des VfR Otzenhausen, die nach 1100 Metern Zweite bei den Kindern W10 wird.

Der 800 Meter lange Rundkurs ähnelt einer Geister-Rennbahn, die Anwohner haben die Vorgärten wieder in gruselige Horror-Schauplätze verwandelt. Vor einem Eckhaus wackelt das Fallbeil einer Guillotine, der elektrische Stuhl zischt, ein Hexenkessel brodelt. "Da hinten haben wir noch offene Gräber mit reichlich Knochen drin", sagt Uwe Mertes und betrachtet stolz sein unheimliches Kunstwerk. Davor driften gerade Mini-Vampire durch die Kurve, schneller als ihr Meister fliegen kann. Graf Dracula ist verhindert, aber er hätte an Spitzzahn David seine Freude gehabt und wäre wohl sofort in Rente gegangen. "Das hat echt Spaß gemacht", sagt der acht Jahre alte Leichtathlet vom LC Rehlingen und klatscht sich mit einem Knochengerüst ab. Blutsauger und Skelette vertragen sich nicht - dieses Vorurteil wäre schon mal widerlegt. "Wir kennen uns seit dem Kindergarten - kein Problem", sagt Kumpel Michel und grinst.

Der kleinen Finja wäre das Grinsen eben fast vergangen. Nach kurzem Zögern nahm das sieben Jahre alte "Spinnenwesen" aber allen Mut zusammen und stürmte durch den Grusel-Tunnel. "Davor war so viel Rauch. Wir haben gar nichts gesehen und mussten uns durchtasten. Danach hatte ich keine Angst mehr", sagt die Elmerin.

Fledermaus Namira hat den Lauf-Spaß längst hinter sich, aber beim 350 Meter langen Wichtellauf richtig auf die Tube gedrückt. "Ich bin einmal um den Spielplatz gelaufen. Das war nicht weit, aber im nächsten Jahr darf ich die längere Strecke laufen", erzählt die Fünfjährige und freut sich schon auf den vollen Gruselspaß.

"Grabsteine im Vorgarten - das hat was", sagt Dunja Fuhrmann und lacht. Im Rennen der Rollstuhl-Fahrer war sie die schnellste Frau und nahm sich trotzdem "viel Zeit zum Gucken". "Verrückt, was sich die Leute einfallen lassen", schwärmt sie. Wenn über 700 Monster durch den Ort hecheln, bleiben die Menschen zu Hause, so könnte man meinen. Das Gegenteil ist der Fall. Weit über 1000 Zuschauer säumen die Strecke oder klatschen den Läufern Beifall. Sieger gab es natürlich, aber Ergebnisse spielten eigentlich keine Rolle, wie Fünf-Kilometer-Jedermann-Lauf-Zombie Joana Schnubel und Horror-Puppe Sarah Böhm unisono betonen: "Alle haben Spaß, und das ist bei einem Spaß-Lauf das Wichtigste."