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Vereine gratulieren zum Stabwechsel

Thomas Collmann, Ehefrau Nina und ihre Söhne Moritz und Luis beim Empfang. Fotos: Rolf Ruppenthal
Thomas Collmann, Ehefrau Nina und ihre Söhne Moritz und Luis beim Empfang. Fotos: Rolf Ruppenthal
Beckingen. Am Montagabend wurde Beckingens Bürgermeister Erhard Seger in den Ruhestand verabschiedet, Thomas Collmanm ins Amt eingeführt. Barbara Scherer,Margit Stark

Wie ein Profi schnappt sich der süße Blondschopf das Mikro, um dem Opa den Rat zu geben: "Mach' dir deine Welt, so wie sie dir gefällt! Gib den Träumen Raum, gib deiner Sehnsucht Flügel." Das Lied von Udo Jürgens, vorgetragen von Enkelin Clara, rührt Erhard Seger fast zu Tränen. "Es gibt nicht Schöneres für einen Musiker, als wenn alle Kinder singen können", gesteht Beckingens langjähriger Bürgermeister in der proppenvollen Deutschherrenhalle. "Und dat können sie", bekräftigt er und hat den Beifall - wie so oft an diesem Abend - auf seiner Seite.


Aus Segers (CDU) Verabschiedung als Verwaltungschef und der Vereidigung seines Nachfolgers Thomas Collmann (SPD) machen die Beckinger am Montagabend ein Fest. Herzlich drückt Seger seine siebenjährige Enkelin an sich, küsst Tochter Anne, Ehefrau Brunhilde, Schwiegertochter Daniela und die drei Enkel Amelie, Franziska und Konstantin, die ihm zuvor Blumensträuße auf die Bühne gebracht haben. Für Sohn Jan und Schwiegersohn Michael Arweiler gibt's eine Umarmung.

Der Song des populären Unterhaltungsmusikers sollte nicht der einzige an diesem Abend bleiben. Auch Solist Franz Josef Johann, Mitglied im Düppenweiler Männerchor, stimmt auf Wunsch seines Sangesbruders Seger "Das ist Dein Tag" sowie "Ich würd' es wieder tun" von Udo Jürgens an. Natürlich lässt es sich der künftige Ruheständler nicht nehmen, sich in den Chor einzureihen und mitzusingen. Dass er das Dirigieren längst nicht verlernt hat, beweist er bei dem Lied "Im Feuersturm der Reben" aus der Fledermaus.



Stolz macht ihn auch der Auftritt des Schülerorchesters unter Leitung von Sarah Biewer. Wie Moderator Gerd Günther Heck verrät, war der Verwaltungschef vor einem Jahr an der Gründung des Ensembles maßgeblich beteiligt. Auch am Aufbau der Bergsänger hat er entscheidenden Anteil, wie Werner Kockler, Vorsitzender des Vereins "Historisches Kupferbergwerk Düppenweiler - Verein für Geschichte und Kultur" sagt. Eine kleine Aufgabe erspart Kockler Seger nicht, bevor er ihn zum Ehrensteiger ernennt. "Es ist so heiß, deshalb verkürzen wir die Prozedur", sagt er und lässt das Gründungsmitglied auf einen Stuhl steigen, zieht sein Arschleder aus, überreicht es zwei Bergleuten, die es halten, damit Seger drüberspringen kann - Aufgabe bestanden. Für seinen Nachfolger Collmann, den Seger zuvor auf die Bühne geholt hat, gibt es von Kockler eine Froschlampe, ein Öllicht, "dass dich immer ein Licht begleitet".

"Wer wird in den Bürgermeister-Dienstbesprechungen die Rolle des Moderators übernahmen?", lautet die Frage, die Losheims Bürgermeister Lothar Christ umtreibt. Seger hat es nach seinen Worten durch seine ausgleichende Art immer geschafft, die Gemüter zu beruhigen. Laut Christ hält mittlerweile eine neue Generation von Verwaltungschefs Einzug in die Rathäuser. "Mettlachs Bürgermeister Daniel Kiefer, den wir vergangenes Jahr ins Amt eingeführt haben, ist so alt wie meine älteste Tochter", verrät er. Hauptamtsleiter Volkmar Schommer lobt das gute Betriebsklima im Rathaus, das durch seinen Chef entstanden sei. "Eine motivierte Belegschaft wird den neuen Bürgermeister unterstützen", versichert er Collmann. Für Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich ist Seger "ein Mann der klaren Worte", der mit der Kreisverwaltung immer "ein gutes Miteinander gehabt hat". Seinem Nachfolger bietet sie "eine gute Partnerschaft" an. Dass beide die Verabschiedung und die Amtseinführung zusammenfeiern, ist nach ihrer Meinung ein Zeichen des guten Verstehens und im Sinne der Bürger.

Beim Gang zum Mikrofon auf der Bühne schäkert Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger mit Sängern des Düppenweiler Männerchores. Nach ihrem Bekunden hat Seger seinen Weg immer gekannt, auch wenn dieser einmal holprig war und er sich Blasen gelaufen hat. "Doch das hat er gerne in Kauf genommen." Der Wunsch der SPD-Kreisparteichefin an ihren Parteifreund: "Ich habe die Hoffnung, dass Thomas Collmann am Ende seiner Amtszeit wie in dem Jürgens-Song sagt: Ich würd' es wieder tun." Die Gemeinde steht laut Rehlinger gut da - eine Aussage, die Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer bestätigt. "Die 13,5 Jahre Amtszeit waren gute Jahre für Beckingen", sagt sie. Die gute Basis für die Arbeit hat laut Kramp-Karrenbauer Segers Engagement als Ortsvorsteher von Düppenweiler gelegt. "Sie erhalten ein gut bestelltes Haus", sagt sie zu Collmann gewandt. Mit Blick auf seinen Beruf bedauert sie scherzhaft, "dass es schon wieder einen Polizisten gekostet hat". Das reiße eine weitere Lücke ins Sicherheitssystem. Ins Reich der Märchen verweist sie die Gespräche im Koalitionsvertrag, dass keine Polizisten mehr kandidieren dürfen. Ihr Hinweis, dass die Halle eine Klimaanlage braucht, greift Collmann prompt auf: "Kriegen wir dafür Zuschüsse?", fragt er Kramp-Karrenbauer, während seine Söhne Moritz und Luis bei Mama Nina brav auf ihren Plätzen ausharren. "Ich bin stolz auf euch", sagt er. "Ihr braucht nicht unter euch zu gucken", schmunzelt er und bedankt sich bei seiner Ehefrau für deren Unterstützung. Die Erfüllung seines Wunsches, dass bei seiner Vereidigung das Polizeiorchester spielt, macht ihn glücklich, zumal es neben der Nationalhymne das Steigerlied spielt, das die Bergsänger anstimmen. "Die Polizei ist eine zweite Familie geworden." Er hoffe, nach seiner Amtszeit über die Mitarbeiter im Rathaus sagen zu können: "meine dritte Familie."

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Spenden statt Geschenke Die Urkunden Bürgermeister Erhard Seger und seinem Nachfolger Thomas Collmann zu überreichen, bleibt Beckingens Beigeordnetem Thomas Ackermann überlassen. Das Dokument, das Seger den Ruhestand bescheinigt, bezeichnet Ackermann "die Mutter aller Urkunden". Er nimmt dem neuen Verwaltungschef den Amtseid ab. Wegen der Hitze verzichten Seger und Collmann auf weite Teile ihrer Reden. Und beide genießen sichtlich die Standing Ovations der Gäste. Statt Geschenke bitten sie um Spenden: Seger für die Orgelpatenschaft von St. Leodegar Düppenweiler, Collmann für die Grundschulen und Kindergärten der Gemeinde.