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SPD kritisiert „krasse Managementfehler“

Beckingen. Wie bei einer Betriebsversammlung am vergangenen Mittwoch bekannt wurde, steht bei Whitesell in Beckingen offenbar ein massiver Stellenabbau bevor. Die SPD sieht nun auch die Politik in der Pflicht, um das Werk in Beckingen zu erhalten. red

Mit harscher Kritik an den früheren Eigentümern und einem Solidaritätsappell der stellvertretenden Regierungschefin Anke Rehlinger hat die SPD-Landtagsfraktion auf die Ankündigung eines massiven Stellenabbaus beim Beckinger Schraubenhersteller Whitesell reagiert (die SZ berichtete).

In einer gemeinsamen Erklärung äußern sich der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Krutten und die Generalsekretärin der SPD Saar, Petra Berg aus Dillingen, so: "Die Gesamtsituation im Beckinger Schraubenwerk ist weiterhin äußerst unbefriedigend. Wie auf einer Betriebsversammlung am Mittwoch bekannt wurde, steht offenbar ein massiver Stellen-Abbau kurz bevor." Zahlreiche Beschäftigte werden somit wohl ihre Arbeitsplätze verlieren, sagte Stefan Krutten , der zusammen mit Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger bei der Versammlung zugegen war.

"Diese Nachricht schockiert uns, aber sie darf uns nicht in einen Schock versetzen. Wir müssen nun schauen, dass alles in die Wege geleitet wird, um den Standort zu erhalten. Nur dann haben die Menschen auch künftig eine Chance, in Beckingen Schrauben produzieren zu dürfen", heißt es in der Erklärung. Eines sei in der jetzigen Situation deutlich zu betonen: "Die dort beschäftigen Frauen und Männer sind nicht für die derzeitige Lage verantwortlich. Sie haben sich zum Teil seit Jahrzehnten zum Vorteil des Werks und zum Vorteil der Gemeinde Beckingen auf ihren Arbeitsplätzen bewährt. Und sie haben frühzeitig darauf aufmerksam gemacht, dass Whitesell keine Zukunftsoption für das Schraubenwerk hat und es daher in seiner Existenz gefährdet." Binnen eines Jahres habe die amerikanische Whitesell-Gruppe nach Übernahme des Beckinger Werkes fast alle Kunden vergrault und somit die beruflichen Existenzen seiner Angestellten in Gefahr gebracht. "Die Belegschaft hat alles in ihrer Macht stehende getan, um das Unheil noch abzuwenden. Leider bislang ohne nachhaltigen Erfolg", bedauern die SPD-Politiker. Daher sei es richtig, dass die Landespolitik sie nun nicht alleine lasse und Ministerin Rehlinger das direkte Gespräch mit der Belegschaft in Beckingen gesucht habe. "Denn es ist schlichtweg ungerecht, wenn die an den Werkbänken schaffenden Menschen mit ihren Arbeitsplätzen für diese krassen Management-Fehler bezahlen müssen."



Zum Thema:

HintergrundZum 1. Januar 2014 hatte die US-Firmengruppe von Neil Whitesell das Beckinger Schraubenwerk aus der Insolvenz übernommen. Mit drastischen Preiserhöhungen sorgte Whitesell dafür, dass dem Unternehmen schon kurz nach der Übernahme Großkunden wie Volkswagen, Ford und BMW verloren gingen. Ende Januar meldete Whitesell für seine deutschen Werke, zu denen neben Beckingen drei weitere Standorte mit insgesamt rund 1350 Beschäftigten gehören, erneut Insolvenz an. red