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Sonntagsfrühstück – einmal anders

Sonntagsfrühstück – einmal anders

In der Erwringer Scheier fand am Sonntag ein veganer Brunch statt. Das Büfett ohne Fleisch, Milch und Ei traf auf überraschend großen Anklang. Auch einen Vortrag gab es – und einen Film, bei dem Fleischessern der Appetit vergeht.

Auf Nummer sicher wollten die Veranstalter gehen, keine zu große Lokalität für ihren veganen Brunch anmieten, damit am Ende nicht der halbe Saal leer bleibt. Denn ein veganes Büfett, also ohne Fleisch und Wurst sowie ohne Milch- und Eiprodukte, in einem kleinen Ort wie Erbringen , das könnte ja durchaus schiefgehen. Also fand die Benefiz-Aktion des Vereins Go for Climate - die Erlöse gingen an Flüchtlingskinder im Nordirak - am Sonntagvormittag in der Erwringer Scheier statt, ausgelegt für etwa 50 Personen. Es kamen dann aber mehr als 80. Wer hätte das gedacht.

Aufgetisch wurde denn auch reichlich, mit vielen Salaten und Kuchen, Aufstrichen, veganem "Käse" und veganer "Wurst", sogar vegane Burger und Gulasch gab es, so dass die Mischung aus Frühstück und Mittagessen, die typisch für einen Brunch ist, perfekt war. Es gab freilich kein Rührei mit Speck, was sonst bei keinem Brunch fehlen darf, aber das vermisste auch keiner. Wobei es sogar möglich wäre, veganes Rührei mit Speck zu machen, so weit ist die vegane "Ersatzküche" schon längst. Inzwischen gibt es ja in fast jedem Supermarkt fleischfreie Schnitzel und Milch ohne Kuh, wodurch auch so ein veganer Brunch ohne viel Mehraufwand zu stemmen ist - einige der Lebensmittel hatte Globus gespendet.

Bevor in der Erwringer Scheier das Büfett regelrecht gestürmt wurde, bekamen die Gäste aber erst einen zum Thema passenden Vortrag zu hören. Jeff Mannes, ein Tierschutz- und Umweltaktivist, referierte zum Thema "Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen".
Lücke im Bewusstsein

Der Vortrag basiert auf dem gleichnamigen Buch der Amerikanerin Melanie Joy und handelt von den Mechanismen, die uns dazu bringen, die einen Tiere zu essen und die anderen nicht. Was wir als essbar einstufen und was nicht, ist natürlich kulturell geprägt, so ist die fleischliche Speiseplatte ja auch von Kultur zu Kultur verschieden. Vor dem Essen von Insekten würden sich die meisten hier wohl ekeln - interessant sei aber nicht, so Mannes, dass wir uns vor dem einen ekeln, sondern vielmehr, dass wir uns vor dem anderen nicht ekeln. Das komme daher, dass wir eine Lücke in unserer Wahrnehmung, unserem Bewusstsein hätten, dass wir das Fleisch nicht mit dem Tier in Verbindung brächten. Zusätzlich zu dieser verzerrten Wahrnehmung würden wir den Fleischkonsum auch vor uns selbst und anderen rechtfertigen, uns einreden, dass Tiere zu essen normal, natürlich und notwendig sei. Stattdessen könne man aber auch beispielsweise sagen: Sklaverei ist natürlich, normal und notwendig. "Tiere essen", schloss Mannes daraus, "ist eine Angelegenheit von sozialer Gerechtigkeit."

Dafür setzt sich Mannes ein, und neben dem Vortrag tat er das in der Erwringer Scheier auch mit einem mitgebrachten Film, der all das Elend und die Tierquälerei in der Massentierhaltung plakativ offenbarte. So richtig gerechnet hatte niemand mit so etwas als Einstimmung fürs Sonntagsfrühstück, aber, immerhin: Der Appetit verging keinem. War ja auch alles fleischfrei in der Scheier.

Meinung:
Bärendienst für die gute Sache

Von SZ-RedaktionsmitgliedLars Reusch

Als Vegetarier freue ich mich grundsätzlich sehr über Veranstaltungen wie den veganen Brunch, die das Potenzial haben, den Leuten ins Bewusstsein zu rufen, dass man sich gesund und lecker ohne Tierprodukte ernähren kann und dass man der Tierwelt dadurch viel Leid und Qual erspart. Aber die Art und Weise, wie manche Veganer und Vegetarier ihre omnivoren Mitmenschen mit dem Dampfhammer zu bekehren versuchen, ist alles andere als zielführend. Sonntagvormittags in einem Raum voller kleiner Kinder ein Video zu zeigen, in dem Kühen und Schweinen bei Bewusstsein die Kehle durchgeschnitten wird, ist nicht zielführend. Einem Fleisch essenden Gast, der gerade dabei ist zu reflektieren, dass es sinnvoll sein könnte, mehr auf hochwertiges Fleisch denn auf Discounter-Billigfleisch zu setzen, einzureden, dass das gar keinen Unterschied mache, ist nicht zielführend. Diese Missionierung mit Schwarz-Weiß-Schablonen ist nicht zielführend. Sie ist abschreckend. Und erweist der eigentlich guten Sache einen Bärendienst.