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Verkehrskonzept
Sensibilisierung zur Rücksicht statt Abzocke

Iris Kastler-Ehl, Leiterin des Ordnungsamtes (links), Bürgermeister Thomas Collmann und Kulturamtsleiter Armin Buchheit (rechts), auch zuständig für den ÖPNV, bringen das Verkehrssicherheitskonzept auf den Weg.
Iris Kastler-Ehl, Leiterin des Ordnungsamtes (links), Bürgermeister Thomas Collmann und Kulturamtsleiter Armin Buchheit (rechts), auch zuständig für den ÖPNV, bringen das Verkehrssicherheitskonzept auf den Weg. FOTO: Norbert Becker
An dem Verkehrssicherheitskonzept für Beckingen haben nicht nur Mandatsträger, sondern auch Bürger mitgestrickt.

Wie lange ist an dem Verkehrssicherheitskonzept gearbeitet worden?


THOMAS COLLMANN: Bei der  Hauptausschusssitzung, die am 22. Juni 2016 stattfand, wurde der Beschluss zur Bildung eines Arbeitskreises „Verkehr“ gefasst. Ziel dieses Arbeitskreises war die Erstellung eines Verkehrskonzeptes für die Gesamtgemeinde Beckingen. Die erste konstituierende Sitzung dieses Arbeitskreises erfolgte am 6. Oktober 2016. In der Sitzung des Gemeinderates  am 25. April 2018 wurde bereits der Beschluss über das Verkehrssicherheitskonzept gefasst.

Wer hat an dem Papier mitgewirkt?



COLLMANN: An dem Verkehrssicherheitskonzept für die Gesamtgemeinde Beckingen hat der Arbeitskreis „Verkehr“ zusammen mit den Ortsräten und den Bürgern mitgewirkt. Von den Gemeindebeschäftigten waren Iris Kastler-Ehl und Manuel Beck im Arbeitskreis vertreten. Aus dem Gemeinderat waren Ulrich André, Hermann Josef Lang(CDU), Sebastian Schmitt, Christian Marx (SPD), Elmar Seiwert (Die LINKE), Christoph Scholl (Grüne) sowie der Seniorenbeauftragte der Gemeinde Beckingen, Helmut Krebel vertreten. Von Anfang an war mir eine breite Beteiligung der Bürger und der Ortsräte und auch des Seniorenbeirates sowie des Behindertenbeauftragten der Gemeinde Beckingen, Frank Conrad,  wichtig. Aber auch weitere Akteure und Institutionen waren bei der Erstellung des Konzeptes beteiligt, zum Beispiel durch ihre Stellungnahmen, unter  anderem die Polizei, die Straßenverkehrsbehörde Merzig-Wadern, der Landesbetrieb für Straßenbau und der Behindertenbeauftragte der Gemeinde Beckingen.

Im Wahlkampf hatten Sie versprochen, mehr für die Verkehrssicherheit zu tun und gesagt, dass sie als Polizist wissen, was gegen Lärm und Raserei zu tun ist. Trägt das Konzept  auch Ihre Handschrift?

COLLMANN: Davon können Sie ausgehen. Ich habe es auch nicht für möglich gehalten, dass so viele Probleme im Verkehrsbereich liegen, was ich aber jetzt an meinem Terminkalender merke. Meine persönliche Handschrift soll darin liegen, dass das Fahrverhalten in der Gemeinde Beckingen insgesamt angepasster wird und dass einfach rücksichtsvoller gefahren wird, besonders im Bereich von Kindergärten, Schulen und auch Seniorenheimen. Dabei geht es mir aber nicht um „Abzocke“. Mir geht es eher um eine bessere verinnerlichte Fahrweise, um eine gewisse Sensibilisierung, damit es zu mehr Vorsicht und Rücksicht im Straßenverkehr kommt.

Warum werden an der Oppener Straße in Oppen, in der Brotdorfer Straße in Hargarten und in der Dillinger Straße erste Blitzer aufgestellt?

COLLMANN: Es handelt sich hierbei um besonders beschwerdeträchtige Stellen. Die Geschwindigkeitsmessungen zeigten dementsprechende Zahlen. Diese Standorte wurden in der Gemeinde Beckingen konkret als Stellen identifiziert, an denen die Verbesserung der Verkehrssicherheit mittels einer stationären Geschwindigkeitsüberwachung erfolgen sollte.  Bei der Auswahl dieser Standorte wurden auch bereits vorliegende sowie für diesen Zweck eigens erstellte anonyme Geschwindigkeitsprofile und Geschwindigkeitsauswertungen berücksichtigt. Ebenso erfolgte hier eine Ortsbegehung mit dem Landesbetrieb für Straßenbau. Auch Ergebnisse der Beteiligungsverfahren  wurden berücksichtigt. Es zeigte sich dabei, dass hier „Brennpunkte“ sind.

Warum folgt die Waldstraße erst in einem weiteren Schritt? Dort gab es doch in der Vergangenheit viele Beschwerden?

COLLMANN: In der Waldstraße in Beckingen befindet sich ja schon ein Geschwindigkeitsdisplay, das die Geschwindigkeit anzeigt und so die Verkehrsteilnehmer sensibilisiert. Es hat sich als sehr wirkungsvoll erwiesen, ebenso wie an anderen Stellen, an denen schon solche Geschwindigkeitsdisplays installiert wurden. Allerdings gibt es Überlegungen, in Zukunft in einem nächsten Schritt weitere Geschwindigkeitsdisplays an besonderen Standpunkten zu errichten, auch in der Waldstraße Beckingen könnte noch ein Gerät ergänzt werden. In der Waldstraße sind allerdings zunächst in erster Linie bauliche Maßnahmen, Stichwort Verkehrsraumgestaltung, als weitere Schritte angedacht. So könnte im Zuge des barrierefreien Ausbaus der Bushaltestelle eine wechselseitige Fahrbahnverengung am Orteingang eingerichtet werden. Bis dahin soll hilfsweise eine aufgeschraubte Überquerungshilfe für Fußgänger in Höhe der Bushaltestelle angebracht werden. In der Waldstraße wäre es auch als Pilotprojekt denkbar, die Vorfahrtsregel „Rechts-vor-Links“ einzuführen und entsprechenden Haltelinien auf der Fahrbahn zu markieren. Auch so eine Maßnahme trägt zur Geschwindigkeitsregulierung bei. Die Waldstraße ist schnurgerade und breit, das verleitet zum Schnellfahren und das wäre mit so einer Reglung gut zu unterbinden.

Die Umsetzung der von der Gemeindeverwaltung vorgeschlagenen Maßnahme zur Reduzierung der Einfahrtgeschwindigkeiten in Verbindung mit der Anlegung eines Parkstreifens entlang den Sportanlagen sehe ich allerdings hier als effektiven Lösungsansatz vorrangig vor anderen diskutierten Maßnahmen. Hier können die Konfliktpunkte hohe Geschwindigkeit, ungeordnetes Parken und ungesicherter Fußgänger- und Radfahrerverkehr durch eine einzige Maßnahme entschärft werden.

Werden auch mobile Blitzer angeschafft?

COLLMANN: Es ist eine Kombination von stationären mit mobilen Blitzer angedacht.

Wie viele Blitzer werden angeschafft?

COLLMANN: Eine konkrete Anzahl ist noch nicht festgelegt worden.

Die Gemeinde Beckingen wird bei der Überwachung mit der Gemeinde Losheim am See zusammenarbeiten. Wie ist diese Kooperation geplant?

COLLMANN: Die Kooperation besteht bereits im ruhenden und fließenden Verkehr. Eine Ausweitung ist vorgesehen. Über den Umfang und mit welchem Kooperationspartner zukünftig zusammengearbeitet wird, muss noch abgestimmt werden.

Wird das Verkehrssicherheitskonzept auf seinen Erfolg kontrolliert?

COLLMANN: Ja, es erfolgt eine jährliche Berichterstattung über umgesetzte Maßnahmen an den Gemeinderat.

Wie ist dies geplant?

COLLMANN: Durch Berichterstattung im Gemeinderat.

Ist geplant, das Konzept fortzuschreiben?

COLLMANN: Ja, das Konzept ist nicht abschließend. Das Verkehrssicherheitskonzept bildet die Grundlage für die weitere Verkehrssicherheitsarbeit der Gemeinde. Es soll kontinuierlich fortgeschrieben und weiter konkretisiert werden.

Auf welche Weise geschieht das?

COLLMANN: Es können jederzeit Änderungsvorschläge eingebracht und Vorstellungen ergänzt werden. Wer daran mitarbeiten will, dass der motorisierte Straßenverkehr sich verringert und die Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer sich reduziert, ist gerne eingeladen, sich mit seinem Ideen einzubringen.

Haben auch Bürger ein Mitsprachrecht?

COLLMANN: Ja, natürlich, das hatte ich ja eingangs schon erwähnt.

Auf welche Weise?

COLLMANN: Die Bürger, aber auch andere Behörden, auch die Ortsräte und natürlich auch der Arbeitskreis können ihre Vorstellungen oder Änderungsvorschläge gerne mitteilen. Allerdings bedarf die Fortschreibung des Verkehrssicherheitskonzeptes einer erneuten Befassung des Arbeitskreises „Verkehr“ oder eines mit der Thematik befassten Ausschusses sowie der Beteiligung von Experten und Bürgerschaft. Zunächst einmal aber möchte ich festhalten, dass über das Verskehrsicherheitskonzept ja erst im April diesen Jahres Beschluss gefasst wurde. Es ist ein sehr gutes Konzept mit vielen Anregungen und interessanten Vorschlägen entstanden, eine Grundlage, auf der weiter gearbeitet werden kann. Dafür möchte ich mich bei allen Mitwirkenden bedanken. Wie verschiedene Dinge dann in der Umsetzungsphase realisiert werden, dies wird nach weiteren Beratungen mit den in der Thematik involvierten  Gremien und Behörden entschieden.

Die Fragen stellte Margit Stark