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| 19:27 Uhr

Schlimme Arbeitsbedingungen in der „Villa Knebel“

Beckingen. Kein Thema bewegt seit längerer Zeit die Gemüter im Land so sehr wie die durch die Flüchtlingskrise bedingte Masseneinwanderung nach Deutschland. In unserer Serie wird die Zuwanderung in die Merziger Region während der vergangenen 200 Jahre auch als Geschichte der auf vielfache Weise stattgefundenen Begegnung mit dem Fremden dargestellt. Volkmar Schommer

Eine Augenzeugin aus Beckingen arbeitete als Köchin im Frauenlager der "Villa Knebel". Über die Bedingungen, unter denen die Frauen dort leben mussten, gab sie später Folgendes zu Protokoll: "Arbeitsbeginn für die Frauen war um 4 Uhr, die Arbeitszeit betrug 12 Stunden. Um 12 Uhr war eine kurze Mittagspause und Abendbrot gab es um 18 Uhr. Des Nachts waren die Frauen in dreistöckigen Bretterverschlägen (‚Betten') in den einzelnen Räumen der Villa untergebracht. Die täglichen Essensrationen bestanden aus ‘Kaffee' und einem Brot für acht Frauen. Der weitere Speiseplan sah abwechselnd ‘Kohl mit Kartoffeln und Kartoffeln mit Kohl' vor. Selten war die geringe Zugabe von Pferdefleisch. Häufig kam es zur Verweigerung des Essens. Bei den Männern ging dies oft, auch aus anderen Gründen, bis zur Arbeitsverweigerung. Die einzige ‘Vergünstigung': Bei Fliegeralarm durften die Russen mit den Werksangehörigen in den Luftschutzbunker." Gestraft worden sei mit Stockschlägen. Am Eingang der Villa habe es ein kleines Lokal für die Wachmänner gegeben, wo den "Delinquenten" jeweils 25 Stockschläge verabreicht worden seien.

Tote aufgrund der schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen hat es in den Lagern der Firma Karcher allem Anschein nach nicht gegeben. In den Sterbebüchern des Standesamts Beckingen sind jedenfalls keine diesbezüglichen Beurkundungen vorgenommen worden. Allerdings ist im Melderegister der Tod einer russischen Fremdarbeiterin dokumentiert. Die 17-jährige Maria Lob starb am 31. Januar 1944 in einem Krankenhaus in Metz. Die junge Frau war am 9. Dezember 1942 nach Beckingen zu Karcher gekommen. Aus welchem Grund sie in ein Metzer Krankenhaus eingeliefert wurde, geht aus den vorhandenen Unterlagen nicht hervor. Wenn auch nicht durch betriebliche Ursachen oder aufgrund der schlechten Lebensbedingungen, so kam dennoch eine ganze Reihe von Fremdarbeitern innerhalb der Bürgermeisterei Haustadt ums Leben. Am 2. Oktober 1944 starben allein bei einem alliierten Luftangriff auf Beckingen insgesamt 14 russische und französische Arbeiter.

Im Herbst 1944 rückte die Front immer näher auf die deutsche Westgrenze zu. Hier setzte man alle Hoffnungen auf den Westwall, wo der Feind zum Stehen gebracht werden sollte. Da der Westwall 1942/43 jedoch zugunsten des Atlantikwalls abgerüstet worden war, sollte nun in aller Eile versucht werden, die Befestigungslinie wieder verteidigungsfähig zu machen. Männer zwischen 15 und 65 sowie Frauen zwischen 16 und 40 Jahren wurden daher zu entsprechenden Notdienstarbeiten, das heißt in erster Linie zu Schanzarbeiten, verpflichtet, also Panzergräben, Kampfgräben und Deckungslöcher auszuheben. Trotz Mobilisierung aller Mittel reichten die beim Schanzen eingesetzten einheimischen Kräfte allerdings nicht aus, die notwendigen Arbeiten zügig durchführen zu können. Um dem abzuhelfen, wurde eine entsprechende Verordnung erlassen, die auch Hilfskräfte aus weiter entfernteren Gebieten zum Schanzen am Westwall verpflichtete.

Aufgrund dieser Verordnung wurden im Oktober 1944 zunächst dienstverpflichtete Männer aus dem Gau Hessen-Nassau und anschließend im Austausch 3000 Mann aus dem Gau Main-Franken im Bereich der mittleren Saar eingesetzt. Seitens der Westwall-Bauleitung wurde jedoch Klage über den Gesundheitszustand und das Alter der eingesetzten Männer geführt. Deshalb reichte auch dieses Aufgebot an Arbeitskräften nicht aus, um die vorgegebenen Arbeitsleistungen zu bewältigen. Daher wurden zusätzlich noch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, in erster Linie ebenfalls aus dem Gau Hessen-Nassau, in das Saarland und auch nach Lothringen verbracht.

< Wird fortgesetzt.