Restaurierte Obstkelter ziert künftig den Dorfplatz in Erbringen

Erbringen : Restaurierte Kelter steht fürs Fest bereit

Zum Apfel- und Kartoffelfest am Sonntag in Erbringen bietet der Heimatverein Most-Kostproben aus der eigenen Obstkelter an.

Der Erbringer Heimatverein beteiligt sich am Apfel- und Kartoffelfest des Obst- und Gartenbauvereins, das am Sonntag, 20. Oktober, ab 11 Uhr, rund um die Erwringer Scheier (siehe Texteende) gefeiert wird. „Dann wird auch die neue Obstkelter, die der Heimatverein restauriert und inmitten der Obstwiese aufgestellt hat, erstmals in Aktion zu sehen sein und für Most-Kostproben sorgen“, sagt Siegfried Seger vom Heimatverein, der sich neben dessen ersten Vorsitzenden Bertram Minas und Ortsvorsteher Hubert Schwinn als Initiator und treibende Kraft bei der Wiederherstellung des historischen Gerätes an frühere bäuerliche Zeiten des Dorfes mit voller Kraft engagierte.

In dem 80-jährigen rührigen Mitbürger und Vereins-Mitglied, der sich sehr um die Erhaltung der örtlichen Kultur und ihrer Denkmäler wie die Luzia-Kapelle einbringt, wurden in Zusammenhang mit der Kelter auch wieder diesbezügliche Erinnerungen an die Nachkriegszeit geweckt. „Der Stellenwert der Obstbäume in früheren Zeiten ist damit zu erklären, dass deren Früchte für die Menschen überlebenswichtig waren. Hier in der unmittelbaren Umgebung standen bis zum Bach hin Obstbäume, deren Früchte von uns Kindern sehr begehrt waren, besonders in der Nachkriegszeit mit dem Verlangen nach Essbarem“, erzählt Seger. Er erinnert auch an das verbotene Überklettern von Zäunen, das auch Winkelhaken an der Kleidung hinterließ, und was geschah, wenn man vom Eigentümer oder Feldschütz ertappt wurde.

In den Haushalten war es üblich,  Obst für den Direktverbrauch aufzuarbeiten oder für den Winter haltbar zumachen. Zu den schmackhaften Möglichkeiten gehörten Apfelkompott als Brotaufstrich („Äppelschmier“), Apfelkompott oder geschnittene Äpfel als Kuchenauflage, Apfelpfannkuchen, Äpfel im Backofen oder auf dem Ofen gegart, Apfelschnitten in der Sonne getrocknet und auch Apfelgelee in Gläsern für den Winter und vieles mehr. Wenn genügend Äpfel vorhanden waren, wurden diese nicht nur entsprechend als Vorrat für die kalte Jahreszeit gelagert, sondern auch mit den sogenannten Viezäpfeln zu frischem Most oder dem später nach Gärung entstehenden Viez.

Aus der verbleibenden Kelterrestmasse, im Volksmund Bellich genannt, ließ man ebenfalls nach dem Gären in frostsicheren Erdsilos oder Fässern in der einheimischen Brennerei Wilbois Schnaps brennen oder mischte diese dem Viehfutter bei. Seger erinnert sich noch an fünf Kelteranlagen im Dorf. „In Anbetracht dieser ehemaligen, jedoch fast in Vergessenheit geratenen Keltern und angeregt durch das Anpflanzen von Obstbäumen durch den OGV kam mir der Gedanke, hier nach dem historischen Vorbild wieder ein Kelter zu installieren, was die Vorstandskollegen des EHV für gut befanden“, berichtet Seger. Im Internet sei schließlich eine geeignete Kelter in Bad Bergzabern gefunden worden, die dann samt einer Apfelmühle vom ersten Vorsitzenden Minas auf dessen Anhänger, Ortsvorsteher Schwinn und Seger nach Erbringen transportiert wurde. Der 80-Jährige sagt stolz:  „Nach erfolgreichen Restaurierungsarbeiten können wir nun im Rahmen des Apfel- und Kartoffelfestes diese beiden alten Geräte in neuem Glanz vorstellen, ebenso einen Messerhäcksler, einen Schleifbock, eine Membranpumpe, eine Stoßkarre, eine Kartoffelmaschine, einen Pflug, einen Häufelpflug und ein Abschürfgerät.“ Sein Dank gilt allen, die zum Gelingen des Vorhabens beigetragen haben (siehe Info).

Beim Apfel- und Kartoffelfest in Erbringen werden den Besuchern am Sonntag, 20. Oktober, unter anderem folgende Erzeugnisse angeboten: frische Äpfel, Lagerkartoffeln und weitere bäuerliche Produkte wie Ziegenkäse, Hausmacher Wurstwaren, Honig, Viez verschiedener Art, Saft, Obstbrände, Obstessig, Marlelade, Blumenarrangements, selbst zubereitete Kartoffelsuppe mit Einlagen, Kartoffelpuffer mit Apfelkompott, selbstgemachter Apfel- und Zwetschgen-Kuchen.