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Privatfriedhof der Familie Karcher in Beckingen jetzt zugänglich

Beckingen : Karcher-Friedhof ist wieder hergerichtet

Lange lag das Kulturdenkmal in Beckingen verwildert da. Doch jetzt hat ein Team die Anlage wieder aufgehübscht.

Wenn vom Beckinger Friedhof die Rede ist, denkt jeder an das steile, in mehreren Stufen angelegte Areal neben der weithin sichtbaren Pfarrkirche St. Johannes und Paulus. Dass es aber noch eine weitere Begräbnisstätte in dem Dorf gibt, weiß längst nicht jeder. Es handelt sich dabei um den privaten Friedhof der Familie Karcher, deren Name eng mit ihrem Schraubenwerk (heute Firma Nedschroef) als Arbeit- und Brotgeber für Beckingen und Umgebung verbunden ist.

Zum 150-jährigen Bestehen der Fabrik, das im September ansteht, gibt es dann noch einiges zu berichten. Der gegenüber dem Werk in dessen Privatwald hoch auf dem gegenüberliegenden Reihersberg im Jahre 1918 errichtete kleine Gottesacker war bis zum Inkrafttreten des saarländischen Waldgesetzes, das auch freien Zugang in privaten Wäldern ermöglichte, für Besucher nicht zugänglich. Die Gräberanlage schlummerte viele Jahre vor sich hin und verwilderte zusehends.

Für Willi Ehrl, engagiertes Mitglied des Kultur- und Heimatvereins Beckingen, war das ein bedauerliches Bild, das so nicht weiter bleiben sollte. In ihm reifte die Idee, den erhaltenswerten Privatfriedhof in die Liste der Kulturdenkmäler des Saarlandes aufnehmen zu lassen. „Dieser Friedhof der Familie Karcher ist ein Kulturgut der Gemeinde Beckingen und sollte auch in Zukunft erhalten bleiben“, sagte sich Ehrl.

Er bat im Dezember 2017 seinen Vereinskollegen Michael Speicher, der beim Ministerium für Inneres und Sport beschäftigt ist, sich mit dem Denkmalamt in Verbindung zu setzen, um zu erfahren, wer hierfür zuständig ist. „Mit Rainer Meiers, der als ehemaliger langjähriger Mitarbeiter und Geschichtskenner ein mehr als 600-seitiges, sehr interessantes, nur in einer Auflage von drei Stück gedrucktes Buch über die Familie Karcher und das Schraubenwerk geschrieben hat, stellte ich dann die notwendigen Daten zusammen, die Michael Speicher im Februar 2018 an Dr. Kristine Marschall vom Landesdenkmalamt weiterleitete“, berichtet Ehrl.

Daraufhin fand binnen kurzer Zeit ein Ortstermin mit deren Kollegen Dr. Rainer Knauf statt, der sich eingehend über den Friedhof informierte. Im Juni des vergangenen Jahres traf Willi Ehrl den Autor Dr. Henning Karcher, einen Nachkommen der ehemaligen Beckinger Unternehmerfamilie, bei dessen Buchvorstellung „Glücklich durch das Meistern der zwölf spirituellen Gesetze des Universums“ im Alten Bahnhof und informierte ihn über den weiteren Werdegang des Friedhofs, dass dieser unter Denkmalschutz gestellt werden soll.  Karcher reagierte sehr positiv darauf.

Im November des vergangenen Jahres fand dann ein Treffen mit ihm, Willi Ehrl und Heiko Rimbach, Chef einer heimischen Gartenbaufirma, auf dem Friedhof statt, um die weiteren Maßnahmen zu erörtern. „Es wurde vereinbart, dass unter Anleitung von Dr. Gregor Scherf vom Denkmalamt die Gartenbaufirma Rimbach und ein daran interessiertes Team von Mitgliedern des Kultur- und Heimatvereins den kleinen, idyllischen Friedhof wieder in einen würdevollen und geheimnisvollen Zustand versetzen werden“, schildert Organisator Ehrl, der sich bereits auch um den Erhalt ehemaliger Westwallbunker als Mahnmal einen guten Namen gemacht hat. Nachdem der Landesdenkmalrat im Februar 2019 die Unterschutzstellung des Friedhofs beschlossen und die Anhörung der Eigentümer sowie der Gemeinde erfolgte und die drei Gesamtberechtigten informiert waren, erfolgte die Eintragung in die Denkmalliste.

Beckingens Bürgermeister Thomas Collmann informierte sich bei einem Ortstermin über den Zustand der Anlage, ehe Initiator Willi Ehrl und sein Team mit Rainer Meiers, Peter Detzen, Thorsten Huè sowie den Brüdern Michael und Martin mit dem heimischen Gartenbauunternehmer Heiko Rimbach kürzlich einen größeren Arbeitseinsatz ausführten.

 Das Arbeitsteam bei einer Ruhepause am Friedhofskreuz (von links): Michael Speicher, Thorsten Huè, Martin Speicher, Gartenbauchef Heiko Rimbach, Peter Detzen, Initiator Willi Ehrl und Rainer Meier.
Das Arbeitsteam bei einer Ruhepause am Friedhofskreuz (von links): Michael Speicher, Thorsten Huè, Martin Speicher, Gartenbauchef Heiko Rimbach, Peter Detzen, Initiator Willi Ehrl und Rainer Meier. Foto: nb

Der Friedhof der Familie Karcher ist seitdem wieder in einem ordentlichen Zustand und ein lohnenswertes Ziel für Spaziergänger, für die wir auch in den vorliegenden Akten geblättert haben, um ihnen die mit dem Friedhof verbundene Geschichte etwas näherzubringen. Eine kleine Brücke über den Bach im Bereich des Parks soll einen kürzeren Weg erschließen.