Oppenerin wird für Mitarbeit an Koch-Lehrbuch ausgezeichnet auf Buchmesse

Kostenpflichtiger Inhalt: Auszeichnung für Autorin aus Oppen : Mit einem Lehrbuch zur Goldmedaille

Die gebürtige Oppenerin Heike Harten wurde als Co-Autorin eines Standard-Lehrwerkes für angehende Köche ausgezeichnet.

Sie hat es zur Goldmedaille gebracht, und das in einem ganz besonderen Teamwettbewerb: Heike Harten, deren familiäre Wurzeln in der Gemeinde Beckingen liegen, wurde in der vergangenen Woche auf der Frankfurter Buchmesse mit einer Goldmedaille ausgezeichnet – und zwar als Co-Autorin des Fach-Lehrbuchs „Der junge Koch, die junge Köchin“.

Die 47-Jährige, die aus Oppen stammt, aber seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Neuss im Rheinland lebt und arbeitet, hat mit ihren Mit-Autorin zusammen einem echten Bestseller frischen Wind eingehaucht: Das Lehrbuch, das als das Standardwerk schlechthin für angehende Köche gilt, erschien erstmals vor stolzen 82 Jahren und wurde bis heute nach Angaben des Fachverlags Pfanneberg, in dem es erscheint, mehr als 500 000 Mal verkauft. Als „Must-Have für unsere Branche“ bezeichnete es auf der Preisverleihung in Frankfurt Laudator Daniel Schade, Vizepräsident des Verbandes der Köche Deutschlands (VKD). Und er blickte auf seine eigenen beruflichen Anfänge zurück: „Für mich persönlich war es auch stets ein sehr wichtiger Begleiter an meinem jeweiligen Arbeitsplatz, immer in Griffnähe und verfügbar, wenn ich es brauchte.“ Egal, wie alt man sei und wie lange man schon am Herd stehe: „Der junge Koch, die junge Köchin“ sei ideal zum Nachschlagen, zum Rückversichern und zum Besser-Verstehen.

Dass das auch in der 37. Auflage des Fachbuch-Dauerbrenners weiterhin so bleibt, daran hat Heike Harten gewichtigen Anteil. Die studierte Ernährungswissenschaftlerin und Lebensmitteltechnologin, die seit über 20 Jahren im Schuldienst unterrichtet, ist mehr oder weniger zufällig in den Autorenpool für dieses Standardwerk geraten, wie sie erzählt. „Ich wurde irgendwann einmal darauf aufmerksam gemacht, dass einige meine Schüler angefangen haben, meine Unterrichtsmaterialien über soziale Medien zu veröffentlichen. Und da habe ich mir gedacht: Bevor andere mein geistiges Eigentum verbreiten, mache ich es doch besser selber und habe mich an den Verlag gewandt“, erzählt die Mutter zweier Kinder im Alter von sieben und acht Jahren, die mit Mädchennamen Schwinn heißt.

Heike Harten heißt mit Mädchennamen Schwinn. Foto: Foto Bathe. Foto: Foto Bathe/foto Bathe

Einige Gespräche und Schriftwechsel später gehörte sie tatsächlich zu dem vierköpfigen Autorenteam (neben Frank Brandes, Marco Voll und Thomas Wolffgang) , das die aktuelle Auflage des Buches, die 2018 erschien, überarbeiten sollte – und zwar als erste Frau überhaupt. Und die Überarbeitung war sehr gründlich,  sagt Heike Harten: „Wir haben das Buch nahezu komplett umgekrempelt.“ Nach ihrer Überzeugung ist auch diesem Umstand die jetzige Auszeichnung durch die Gastronomische Akademie Deutschlands (GAD, siehe Infokasten) geschuldet. Neben der Goldmedaille verlieh die GAD dem Verlag auch einen Sonderpreis, um das Engagement zur Schaffung und laufenden Weiterentwicklung dieses Standardwerks zu würdigen. Denn trotz seines stolzen Alters sei „Der junge Koch, die junge Köchin“ stets auf der Höhe der Zeit geblieben. das merke man auch am Umfang, sagte in Frankfurt auch Laudator Daniel Schade: Von 137 Seiten in der Erstauflage sei das Lehrwerk auf mittlerweile über 900 Seiten angewachsen.

Heike Harten hat zu dem Buch unter anderem ein Kapitel über „Concenience Food (also vorgefertigte Gerichte zur schnellen Zubereitung, Anm. der Red.) aus eigener Herstellung“ sowie das von ihr selbst entwickelte „Gästetypen-Farbmodell“. „Darüber gebe ich auch Seminare bei der Dehoga und anderen Verbänden“, sagt die gebürtige Saarländerin, die an einer Berufsschule in Düsseldorf unterrichtet. Sie unterscheidet darin den Gast in einem Restaurant in vier Typen, denen sie bestimmte Farben zuordnet. So sei etwa der „rote“ Gasttyp anspruchsvoll, aber auch freigiebig. Der „gelbe“ Gasttyp sei kreativ und experimentierfreudig, den könne der Gastronom mit ungewohnten Kreationen überraschen und für sich gewinnen. Im Gegensatz dazu bevorzuge der „gelbe“ Gasttyp „Essen wie bei Oma und Mutter“, wie Heike Harten es ausdrückt. „Der will ein erwartbares Angebot“, sagt sie. Ganz andere Prioritäten habe wiederum der „blaue“ Gasttyp: „Der ist sehr preisorientiert.“

Über diese Typologie können künftige Köche also in der aktuellen Ausgabe ihres Standard-Lehrbuches mehr erfahren. Für die Ernährungs- und Lebensmittelexpertin bedeutete die Co-Autorschaft vor allem wenig Schlaf, denn neben der Arbeit an dem Buch war auch die Arbeit an der Berufsschule und der Alltag in der Familie zu bewältigen. „Ich bin die vergangenen zwei Jahren fast jeden Morgen um fünf Uhr aufgestanden“, erinnert sich Heike Harten. Um ihr im Studium angeeignetes Wissen auch in der Praxis zu vertiefen, nutzt Heike Harten nach eigenen Worten auch regelmäßig die Ferienzeit, um in Gastronomie-Betrieben zu hospitieren. „Für mich als Lehrender ist es wichtig, die Abläufe in einem Küchenbetrieb auch aus der Nähe kennen zu lernen.“ Und so hat sie schon bei einigen Sterneköchen hinein geschnuppert, unter anderem auch bei Christian Bau im Schloss Berg in Nennig. „Damals habe ich mich mit den Worten von ihm verabschiedet: ‚Herr Bau, zu meinem Fünfzigsten sehen wir uns wieder.’ Das wird dann jetzt langsam Zeit“, meint sie lachend. Und eigentlich hatte sie bei der Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse schon mit einer Begegnung gerechnet, denn auch der Starkoch aus Nennig hatte eine Goldmedaille von der GAD bekommen – für sein neues Buch „bau.steine“. Doch bei der Preisverleihung im Radisson-Inn-Hotel nahe dem Messegelände war Bau dann nicht zugegen gewesen.

Das prämierte Fachbuch mit der Goldmeaille der Gastronomischen Akademie Deutschlands (GAD). Foto: GAD / Fachbuchverlag Pfanneberg

Bei aller Freude über die Auszeichnung, die sie als Anerkennung der eigenen Arbeit und der ihrer Mitautoren sieht, vergisst Heike Harten aber auch nicht, jenen zu danken, die in all den Jahren schon an dem prämierten Werk gearbeitet haben: „Den früheren Autoren gebührt ganz besondere Ehre, sie haben das Fundament dafür gelegt, worauf wir dann aufbauen konnten.“ Zwei der früheren Autoren waren bei der Preisverleihung in Frankfurt auch dabei, nämlich Reinhold Metz, mehr als 25 Jahre Mitautor, und Hermann Grüner. Es sei für alle Beteiligten ein sehr besonderer Moment gewesen, erinnert sich Heike Harten: „Unser Verleger hat fast geheult“

Für sie und ihre Autorenkollegen steht demnächst die Arbeit an der nächsten, der 38. Ausgabe an, verrät die Exil-Saarländerin. Und es kommt noch mehr: „Unser nächstes Projekt ist das entsprechende Rezeptbuch“, sagt Heike Harten. Ihre nächste, diesmal eigene Publikation ist schon so gut wie fertig, sagt sie: „Ich bin im Endspurt für mein erstes Methodenbuch.“ Das werde den Titel tragen „Agiles Lernen – Unterrichten wie ein Indianer“. Was das bedeutet, umschreibt Heike Harten so: „Mit der Weisheit, Umsicht, Voraussicht, aber auch mit der Kraft eines Indianers.“

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