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Serie: Merzig-Wadern rockt
Ohne Auftritt bleibt man klein und unbekannt

Indecent Behavior sind Floh Heinz, Jonas Jungmann, Henrick Bergmann, Moritz Schwarz und Matz Ruppenthal (von links).
Indecent Behavior sind Floh Heinz, Jonas Jungmann, Henrick Bergmann, Moritz Schwarz und Matz Ruppenthal (von links). FOTO: Indecent Behavior
Reimsbach. Die Band Indecent Behavior kommt aus Reimsbach. Ihre Mitglieder wollen besonders die regionale Musikszene unterstützen.

An der linken Wand über dem Verstärker hängt ein großes Banner. „Indecent Behavior – seit 2012“, steht darauf. Es ist 17 Uhr: Der Vater des 23-jährigen Henrick Bergmann, des Sängers der Band, spielt gerade lautstark Schlagzeug. An den Wänden hängen schwarze Vorhänge und Liegestuhl-Polster gibt’s als Schalldämpfer. Gerade trifft das dritte Mitglied und wirklicher Schlagzeuger der Band, Floh Heinz aus Bietzen, 24 Jahre alt, bei der Probe in Reimsbach ein. Der Sänger und Jonas Jungmann, der 19-jährige Gitarrist aus Reimsbach, warten schon. 17.03 Uhr: Floh löst Henricks Papa ab und schlägt ein wenig auf der Trommel herum. Langsam werden die Jungs ungeduldig, denn der 22-jährige zweite Gitarrist, Moritz Schwarz aus Rehlingen, fehlt noch. 17.10 Uhr: „Sollen wir schon mal anfangen?“, fragt Jonas. „Nein, er kommt sicher gleich“, meint Floh. 17.15 Uhr: „Moritz hat gerade eine Whatsapp-Nachricht geschickt. Er ist gleich da.“ wirft Jonas ein. 17.20 Uhr: Endlich! Moritz trifft im Proberaum mit einem deutlich ernst gemeinten „Tschuldigung“ ein. Diese Band bewegt etwas. Lokal engagiert, starteten Indecent Behavior mit dem Sozialarbeiter André Piro vor einem Jahr eine selbst organisierte Konzertreihe namens „Support Your Local Scene“, was soviel heißt wie „unterstütze deine Szene“ (die SZ berichtete). Bei den Konzerten, die alle zwei Monate stattfinden, sind immer zwei junge Bands von außerhalb sowie zwei lokale Bands und sie selbst. Der Grund für ihren Einsatz sei die offensichtliche Trendveränderung im Musikverhalten der Jugend, meint Sänger Henrick, der bei dem Thema begeistert drauf los redet: „Wir selbst hatten einfach Glück, dass wir den Kontakt von einer Band aus Belgien bekommen haben.“


Darüber haben sie dann weitere Bands kennengelernt, die sie nach Paderborn führten. „Dort haben wir andere Bands getroffen, und das Ganze hat sich verselbstständigt.“ Andere hätten nicht so viel Glück, denn oft schreibe man als neue Band Clubs an und bekomme keine Antwort oder eine Absage, weil erst mal die Bands dran seien, die sich einen Namen gemacht haben. „Aber wenn man als Band niemanden kennt, bekommt man keine Auftritte, ohne Auftritte bleibt die Band immer klein und unbekannt, bis sie irgendwann keine Lust mehr hat“, sagt Henrick.

Das mache die ganze Szene kaputt, denn der Punk lebe von kleinen Bands, die ihre Meinung sagen. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, diese Neulinge zu fördern, denn Bands haben viel Einfluss auf ihre Zuhörer. Da ist jede Stimme wichtig.“ Eine lokale Band mache bei den Konzerten die Eröffnung, die zweite lokale Band mache den Schluss. So sei sichergestellt, dass die Zuschauer nicht nur für die bekannteren Bands kommen. Darüber hinaus sei jedes Konzert in einem anderen Genre gehalten, wie beispielsweise Indie, Grunge, Pop-Punk, oder Singer Songwriter. Damit ist garantiert, dass die Besucher die Musikrichtung mögen und jedes Genre eine Chance bekommt. Ihre erste EP haben sie im April 2016 veröffentlicht. Diese war mit „Support Your Local Scene“ der Wendepunkt in der Bandgeschichte und Startschuss für die gleichnamige Konzertreihe. Nur ein halbes Jahr später hatten sie das erste Konzert im Jugendzentrum (Juz) Utopia in Saarlouis auf die Beine gestellt. Dazu ist im kommenden Sommer  ein Sommer-Festival geplant.



Floh gibt jetzt den Takt auf seinem Schlagzeug an und lacht Henrick entgegen. Die Beiden verstehen sich. Floh legt richtig los. Unmittelbar sind auch die beiden Gitarristen Moritz und Jonas zu hören, die laut los spielen und sofort mitten im Song sind. Henrick hämmert sich auf die Schenkel und ist im Takt. Seine Stimme setzt ein und komplettiert das Lied mit harten und lauten Tönen. „Slaves To The Rules“, ihr bekanntestes Lied, spielen sie zu Anfang jeder Probe. Mittendrin gibt es ein kurzes Lob von Floh für Henrick, jedoch ohne das Lied zu unterbrechen. Spätestens beim zweiten Refrain bleibt kein Zweifel mehr: Hier wird Punk-Rock gemacht.

(asg)