Mit Becki auf Stimmenfang

Wie steht Beckingen da, was würden Sie tun. Was würden Sie anders machen? Mit dem SPD-Kandidaten Thomas Collmann hat sich SZ-Redakteurin Margit Stark unterhalten

Blau-weiß leuchtet die Badehose, die Becki bei seiner Tour durch Honzrath trägt. Das knuffige Ferkelchen ist längst zum Talisman von Thomas Collmann geworden - und zum nimmersatten Tierchen. "Für jedes Haus, an dem Tür geöffnet wird, spende ich zehn Cent. Der Erlös wird am Ende der Rundreise zu gleichen Teilen unter allen Kindertageseinrichtungen aufgeteilt - jeweils ein Neuntel", verrät der SPD-Kandidat, der Bürgermeister der Gemeinde Beckingen werden will. "Ich habe schon viele Spenden erhalten." Da das Maskottchen auf seiner Tour durch die Gemeinde zu schwer wird, führt der Beckinger nach seinem Bekunden Strichlisten, um das Schweinchen abends mit Münzen zu füttern. Die Buchführung überlässt der 54-Jährige an dem Nachmittag Parteifreundin Christina Scherrmann. "Becki hat schon mal unterm Regenschirm gesessen", verrät die Lehrerin und zeichnet den ersten Strich aufs Papier.

Die Richtung gibt derweil Wolfgang Ortmanns vor. Als langjähriger Ortsvorsteher von Honzrath kennt er sich bestens aus, weiß, wer alteingesessen ist, wer zugezogen, wer zu Hause ist, wer arbeiten ist, kennt die Leute beim Namen. "Ich bin derjenige, dessen Konterfei an vielen Laternenmasten hängt", schmunzelt er nach der Begrüßung durch Marion Valentin. "Ich möchte mich aber mal persönlich vorstellen" - eine Aussage, die der Honzratherin gefällt. Collmann überreicht Schokolade, einen Kuli und einen Flyer, auf dem ein Bild mit seiner Familie prangt. "Ich bin im hohen Alter noch Vater geworden", meint er mit Blick auf die beiden Söhne Moritz (sechs Jahre) und Luis (fünf). "Am Tag der Podiumsdiskussion wurde er eingeschult, am Montag, 29. August." Nach einem kurzen Gespräch treibt es das Toco-Team weiter.

"Toco ist mein Spitzname, auch bei der Polizei ", verrät der Dienstgruppenleiter bei der Polizeiinspektion Saarlouis. Für Erna Müller, mit 95 Jahren die älteste Honzratherin, gibt es was Süßes - ein Geschenk, über das sich die Seniorin freut. Für einen kurzen Plausch stoppt Röschen Weber ihre Arbeit im Vorgarten und vor dem Haus. "Das ist ja picobello", lobt der Kandidat die sympathische Frau, die das Unkraut am Bordstein der Straße An Milessen entfernt hat. Ein Gespräch über die Gartenpflege folgt. "Gruß an Alois", ruft Ortmanns ihr zu, bevor es an die nächste Haustüre geht. "Die Resonanz auf meine Vorstellung an den Haustüren ist durchweg positiv, auch meine Bauwagensprechstunden kommen gut an", freut sich Collmann - "ein Treffpunkt für Bürger in seinem Probedienstzimmer", ergänzt Ortmanns. "Inge und Dietmar sind sicherlich auf dem Minigolfplatz. Sie haben dessen Pflege übernommen", meint er, als die Tür von Hausnummer 6 verschlossen bleibt. Dagegen haben die Wahlkämpfer bei Bernd Schwarz mehr Glück. Schnell hat er das Thema auf sein Stadtrad gebracht. "In den vergangenen drei Wochen bin ich über 1000 Kilometer geradelt", sagt er. Und Christina Scherrmann notiert einen weiteren Strich für die Fütterung von Becki, für den guten Zweck.Welche Probleme sind Ihrer Meinung nach die größten in Beckingen?

Thomas Collmann: Beckingen ist eine einzigartige Gemeinde. Aber sie bleibt leider unter ihren Möglichkeiten. Es ist nicht klar, wohin sich die Gemeinde bei der schwierigen Haushaltslage entwickelt. Wir haben neun Ortsteile, und alle stehen für sich allein. Es gibt aus meiner Sicht keine übergreifende Ausrichtung. Das ist der falsche Weg. Wir brauchen Zusammengehörigkeit, Zusammenhalt. Wir brauchen eine Beckingen-Strategie! Auch bei der Infrastruktur sieht es nicht gut aus. Es gibt Probleme bei der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Bei letzterer etwa müssten jedes Jahr mindestens 1,5 Kilometer Kanalnetz erneuert werden. Tatsächlich werden nur rund 500 Meter erneuert. Unsere Hauptverkehrsachsen durch die Gemeinde beweisen, dass Verkehrssicherheit anders geht. Lärm und Geschwindigkeitsübertretungen sind ein Problem. Als Polizist weiß ich, was wir dagegen tun müssen: Schluss mit Raserei, Lärmbelastung und unnötiger Gefahr.

Welche Stärken hat Ihrer Meinung nach die Gemeinde?

Collmann: Die Gemeinde hat so viele Trümpfe - etwa unsere Vereine und Feste. Wir haben eine ideale Lage zwischen Dillingen, Merzig und Hochwald mit guter Anbindung. Auch unsere Natur und unsere Kultureinrichtungen sind toll. Es gibt Schulen, Kindergärten und ein Schwimmbad. Genau das Richtige für Familien. Stimmt das Umfeld, können wir mit unserem Beckinger Flair die Menschen zum Kommen und Bleiben überzeugen. Ich werde Lebensqualität mit Wirtschaftswachstum in einer Beckingen-Strategie verbinden. Das Fischerberghaus ist der schönste Aussichtspunkt des Saarlandes. Aber es liegt im Dornröschenschlaf. Warum wecken wir es nicht auf? Es hat unglaubliche Qualität mit dem Wolferskopf für sanften Tourismus. Andere Beispiele sind das Kupferbergwerk, der Saargarten oder unserer Bahnhof - Tourismusmagneten. Mit unseren Ausflugszielen können wir überregional punkten. Da wurde bisher zu viel im Klein-Klein gedacht. Als Bürgermeister sorge ich dafür, dass sich die Gemeinde für einen naturverbundenen und nachhaltigen Tourismus einen Namen macht. Das bringt Tourismusbetriebe und Gewerbesteuer! Was gab den Ausschlag, sich gegen den geplanten Windpark Primsbogen zu wehren?

Collmann: Mit der aktuellen Planung bin ich ganz und gar nicht zufrieden. Herr Seger hat mangelhaft informiert. Ähnlich wie bei der geplanten Photovoltaikanlagen zwischen Saargarten und Altem Bahnhof wurde nur zwischen Rathausspitze und den Projektträgern verhandelt. Ortsräte und Gemeinderat wurden verspätet informiert und die Bürger außen vor gelassen. Das darf einfach nicht passieren. Auch EnBW hat schlecht informiert. Was Nutzungsvertrag, konkrete Standorte der Anlagen, Höhe der Anlagen, Schallimmissionen betrifft, wurden wir im Dunkeln gelassen. Dabei entscheiden darüber doch die Räte im Genehmigungsverfahren. Ich stehe zur Energiewende und zum einstimmig im Gemeinderat gefassten Beschluss. Aber so, wie alles gelaufen ist, ist das Verfahren noch nicht aufgearbeitet. Als Bürgermeister werde ich da für viel Transparenz für die Bürger sorgen!

Wie wollen Sie den Haushalt der Gemeinde im Griff behalten? Der Ergebnishaushalt weist für 2016 ein Defizit von rund 1,659 Millionen Euro aus, für 2017 wird mit einer Lücke von etwa 1,639 Millionen Euro gerechnet.

Collmann: Der Haushalt ist alles andere als ausgeglichen. Der Schuldenstand verlangt, dass endlich alle Leistungen der Gemeinde vorbehaltslos auf den Prüfstand kommen. Nur mit enormer Gebührenerhöhung sind wir an der Haushaltssicherung vorbeigeschrammt. Aber der Griff ins Portemonnaie der Bürger kann nicht die Lösung des Problems sein. Von Steuer- und Gebührenerhöhung halte ich wenig. Stattdessen müssen wir mehr Gewerbe und Unternehmen in die Gemeinde bringen. Ich habe da eine klare Vorstellung. Mit der richtigen Strategie können wir Beckingen aus dem Dornröschenschlaf wecken. Ich stehe für eine Haushaltskonsolidierung, die wirklich die Einnahmeseite der Gemeinde verbessert. Dazu gehört das gezielte und vernünftige Zusammenarbeiten mit anderen Kommunen, ohne auch nur ein Stück rechtliche und wirtschaftliche Selbstständigkeit aufzugeben.

Was würden Sie anders als Ihr Vorgänger machen, wenn Sie Bürgermeister wären?

Collmann: Ich ändere den Stil im Rathaus. Die Menschen erwarten heute, dass die Verwaltung für die Menschen da ist - gerade in den Kommunen. Bürgernähe, freundliches und nachvollziehbares Handeln und Ansprechbarkeit müssen gelebte Werte im Rathaus werden. Das muss bei der Verwaltungsspitze beginnen. Deswegen werde ich das Bürgermeisteramt nicht als Einzelgänger oder als kühlen Manager füllen. Ich binde Menschen ein. Ich will für die Politik im Dorf begeistern. Politik und Kommunikation auf Augenhöhe - das ist für mich ein Muss! Ich will Impulse setzen, die Menschen von meinen Ideen begeistern und im Dialog das Mögliche möglich machen.

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Zur Person Thomas Collmann, am 20. Dezember 1961 in Beckingen geboren, ist verheiratet und hat zwei Söhne . Nach seinem Hauptschulabschluss 1977 absolvierte er eine Ausbildung zum Bürokaufmann bei der Firma Werding. 1978 startete er an der Abendschule seinen mittleren Bildungsabschluss. 1982 wechselte er zur Polizei . Von 1992 bis 1998 besuchte er die Fachhochschule für Verwaltung und schloss diese als Verwaltungswirt ab. Der Hauptkommissar, zurzeit Dienstgruppenleiter in der Polizeiinspektion Saarlouis, trat 1989 der SPD bei und engagiert sich in vielen Vereinen. Zehn Jahre lang war er Ortsvorsteher von Beckingen. mst

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Hintergrund Als seinen Lieblingsort nennt der SPD-Kandidat Thomas Collmann den Fischerberg und dessen herrliches Panorama, über das er ins Schwärmen gerät. Sein Favorit unter den Büchern stammt aus der Feder eines der ganz großen Personen der Politikgeschichte : Ex-Bundeskanzler Helmut Schmitt. In seinem letzten Werk "Was ich noch sagen wollte" gibt der Sozialdemokrat Einblicke in die Hintergründe seines Handelns und legt er dar, welche Menschen und Ereignisse einen Einfluss auf ihn ausübten. Als Lieblingsmusik nennt Thomas Collmann "Die Beckinger Jungs von Kuchenclub" und deutsche Musik über Adel Tawil und Annett Louisan bis hin zu Xavier Naidoo . "Ich stehe selbst am Herd und koche, wenn es die Zeit zulässt, für die ganze Familie", verrät er. Sein Lieblingsgericht ist Wiener Schnitzel.mst