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Minas sucht Entspannung am Wilden Kaiser

Minas sucht Entspannung am Wilden Kaiser

Hängt für Thomas Collmann, SPD, den künftigen Bürgermeister von Beckingen, nach seinem Wahlsieg der Himmel voller Geigen, muss Daniel Minas von der CDU eine bittere Niederlage verkraften. Beide, ausgelaugt vom Wahlkampf und den Strapazen der beiden Wahlen, sehnen sich nach Urlaub.

Die Genossen nehmen auf ihren Gewinner Rücksicht. So kann Thomas Collmann, künftiger Bürgermeister der Gemeinde Beckingen , nach der Feier in der alten Schule in Haustadt erst mal ausschlafen, bevor er die Gratulationen von der SPD-Landtagsfraktion entgegennimmt. "Wir haben ihn für 10.30 Uhr eingeladen", sagt der stellvertretende Kreisparteichef Stefan Krutten . "Das machen wir mit allen künftigen Verwaltungschefs unserer Partei so, damit wir uns gegenseitig kennen lernen."

Mit 55,9 Prozent (4189 Stimmen) hatte Collmann die Stichwahl am Sonntagabend für sich entschieden, abgeschlagen Daniel Minas von CDU , der 44,1 Prozent (3305 Stimmen) eingefahren hatte. Auch bei der Landespressekonferenz ist Collmann vor Ort. Erst danach kann er, wie gewünscht, mal die Seele baumeln lassen - wenn auch nur eineinhalb Tage. "Bis Mittwoch habe ich frei, bevor ich wieder in den Dienst gehe", verriet der Hauptkommissar bei der Polizei Saarlouis am Sonntagabend. Nach dem anstrengenden Wahlkampf und der Anspannung, die die beiden Wahlen mit sich gebracht haben, wäre der 54-Jährige nach seinem Bekunden gerne sofort in Urlaub gefahren. "Aber meine Frau ist Lehrerin, da müssen wir warten bis zu den Herbstferien."

Die Auszählung der Stimmen im Sitzungssaal des Rathauses hatte er sich erspart. "Ich bin ein emotionaler Typ", nennt er den Grund, warum er vorzog, mit Ehefrau Nina vor der Tür zu warten. "Ich wurde über Handy auf dem Laufenden gehalten und habe die Jubelschreie meiner Parteifreunde mitbekommen." Als er wenige Minuten vor halb sieben mit Ehefrau Nina den Sitzungssaal betrat, wurde er frenetisch gefeiert. Wie viele Hände er schütteln musste, wie viele Freunde und Sympathisanten er umarmt hatte, wie oft er das Motiv für Erinnerungsfotos wurde, vermochte er am Ende des Abends nicht mehr zu sagen. "Schenk mir ein Lächeln", forderte Mathilde Heinrich Collmann auf, während er die Glückwunsche von Neffe Benjamin, Nichte Nadine und deren Söhnchen Jakob (eineinhalb Jahre) entgegennahm. "Mein Wahlkampf ist bei den Leuten angekommen, ebenso wie meine Themen Lust auf Sicherheit, Familie, Gemeinschaft und auf die Gemeinde", kommentierte er seinen Erfolg. Seine innovativen Ideen wie etwa die Bauwagengespräche oder den Spendenmarathon mit Schweinchen Becki, mit dem er während seiner Hausbesuche für die Kindergärten in der Gemeinde gesammelt hat, will er nach seinen Worten mit ins Amt einbringen. Am 1. Juni kommenden Jahres wird er Bürgermeister Erhard Seger beerben. Die Gratulationscour, die nicht abriss, forderte von dem Sieger seinen Tribut - einen trockenen Hals. "Gib mir bitte einen Schluck Sprudel", forderte Collmann Josef Bernardi auf - ein Wunsch, den der SPD-Fraktionschef im Beckinger Gemeinderat seinem Parteifreund nur zu gerne erfüllte. "Er hat einen hervorragenden und fairen Wahlkampf geführt", kommentierte Bernardi. "Und der ist bei den Menschen angekommen."

Eine ruhige Sekunde nutzte Ehefrau Nina aus, um ihren Eltern und ihren Söhnen den Sieg via Handy mitzuteilen. "Für Luis mit seinen vier Jahren und Moritz mit seinen sechs Jahren ist das alles zu stressig. Deshalb haben wir sie zu ihren Großeltern gebracht. Da sind sie gerne", sagte die Grundschullehrin. "Ich werde meinen Mann in seinem künftigen Amt unterstützen, wo ich nur kann. Aber ich habe auch einen Beruf, den ich sehr, sehr gerne ausübe."

"Es war der Abend von Thomas Collmann", nannte Mitbewerber Daniel Minas von der CDU gestern Morgen den Grund, warum er sich unmittelbar nach der Auszählung der Stimmen verabschiedet hatte. "Ich habe Thomas den Sieg gegönnt, den ich auch mir gewünscht hätte." Anders als Collmann hatte der 35-Jährige die Auszählung beobachtet - seine deprimierte Miene sprach Bände. "Natürlich war ich über das Ergebnis enttäuscht, obwohl es eines mit Ansage war", sagte der Bürokaufmann mit Blick auf die erste Wahl am 11. September, bei der Collmann bereits die Nase vorn hatte.

"Wir haben in den beiden letzten Wochen noch versucht, das Blatt zu wenden - leider ohne Erfolg." Nach dem Treffen mit seinen Parteifreunden in der Erwringer Scheier sei er mit der Gewissheit ins Bett gegangen, dass trotz der Niederlage am nächsten Morgen die Sonne aufgehe.

Auch wenn das Bürgermeisteramt für ihn das i-Tüpfelchen gewesen wäre, habe er nie nur deshalb Politik gemacht. "Politik macht mir einfach Spaß." Jetzt will er nach seinen Worten in die zweite Reihe zurücktreten. "Wir werden uns aber zuvor in der Fraktion beraten." Doch zunächst gönnt er sich eine Auszeit am Wilden Kaiser in Tirol. "Am Mittwoch geht es für eine Woche in die Berge. Nicht mit dabei: Enzo, sein putziger Jack Russell. "Er bleibt zu Hause, da ich mir Wanderungen und Wellness verschrieben habe."

Ganz genau 7575 Wahlberechtigte haben am Sonntag bei der Bürgermeister-Stichwahl in Beckingen ihre Stimme abgegeben. Das waren nur 243 (oder 1,9 Prozent) weniger als beim ersten Wahlgang am 11. September. Für eine Stichwahl war die Wahlbeteiligung von 59,4 Prozent recht ordentlich - zum Vergleich: Bei der Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Mettlach im Juli lag die Wahlbeteiligung bei nur knapp über 49 Prozent. Auch eine andere Zahl zeigt, dass die Bürger in Beckingen großes Interesse an der Stichwahl hatten: Gegenüber dem ersten Wahlgang stieg die Zahl derer, die Briefwahl-Unterlagen beantragt haben, um 536 auf 2287 Personen - ein Plus von 30 Prozent. Offensichtlich sind doch viele der knapp 1000 Wähler in Beckingen , die im ersten Wahlgang ihre Stimme für den unabhängigen Kandidaten Michael Petto abgegeben hatten, wieder zur Wahl gegangen. Denn im zweiten Durchgang konnten sowohl Wahlsieger Thomas Collmann (SPD ) als auch sein unterlegener CDU-Kontrahent Daniel Minas Stimmen hinzugewinnen. Collmann steigerte sich um 469 Stimmen, Minas verbuchte ein Plus von 273 Stimmen.

Wie im ersten Wahlgang legte Thomas Collmann den Grundstein für seinen Wahlsieg in seinem Heimatort Beckingen : 749 Stimmen betrug dort sein Vorsprung zum CDU-Kandidaten. Diese Lücke konnte Minas nicht mehr schließen, auch weil Collmann in dem einwohnerstarken Ortsteil Reimsbach klar siegte und dort 117 Stimmen mehr holte, ebenso in Honzrath, wo er 125 Stimmen mehr einfuhr als der CDU-Kandidat.

Nahezu gleichauf lagen die beiden Kandidaten in Hargarten, wo Minas (145) und Collmann (142) gerade mal drei Stimmen trennten, sowie in Haustadt, wo Thomas Collmann ganz genau eine Stimme mehr bekam als Minas - 375 zu 374. Dass Daniel Minas in seinem Heimatort Erbringen, wo er seit 2008 Ortsvorsteher ist, die Nase vorn haben würde, war zu erwarten gewesen. Das sehr deutliche Ergebnis (fast 70 Prozent für Minas) schlug sich in absoluten Zahlen aber nur mit einem Plus von 197 Stimmen nieder. Erbringen war im übrigen auch der Ort mit der höchsten Wahlbeteiligung in der ganzen Gemeinde: Mehr als 67 Prozent der Wahlberechtigten gaben dort ihre Stimme ab.

Bürgermeister Erhard Seger (r.) gratuliert Thomas Collmann.
Verlierer Daniel Minas (r.) beglückwünscht Collman zum Sieg.

Auffällig war, dass die Wahlbeteiligung in zwei Ortsteilen mit vielen Einwohnern eher mäßig war, nämlich in Düppenweiler (55,4 Prozent) und Haustadt (52,2 Prozent - der niedrigste Wert). Dass in Düppenweiler, dem Heimatort von Noch-Bürgermeister Erhard Seger und CDU-Gemeindeverbandschef Frank Finkler, der CDU-Kandidat Minas zudem zwar gewinnen konnte, der Vorsprung mit 44 Stimmen jedoch vergleichsweise knapp war, hat auch einen nicht unerheblichen Einfluss aufs Wahlergebnis gehabt. Thomas Collmann hatte am Ende der Auszählung in fünf Ortsteilen die Nase vorn, Daniel Minas hingegen in vier Ortschaften. So war der Erfolg des SPD-Kandidaten durch sein sehr gutes Abschneiden in Beckingen begünstigt, aber insgesamt auch ein Sieg Collmanns auf breiter Front.