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Kontroverse um Beckinger Pastor: Bischof äußert sich zur Amtsenthebung

Kontroverse um Beckinger Pastor: Bischof äußert sich zur Amtsenthebung

Für viel Aufruhr sorgt die Amtsenthebung des Beckinger Pfarrers Christoph Eckert durch den Trierer Bischof Stephan Ackermann. Ackermann hatte den Geistlichen vor einer Woche per Dekret von seiner Aufgabe als Pfarrer der Pfarreien Beckingen, Haustadt und Reimsbach entbunden. In einem Brief an die Katholiken in der Pfarreiengemeinschaft, der am Wochenende in den Gottesdiensten der Gemeinde verlesen worden war, hat der Bischof sich zu seinem Vorgehen, das in dieser Form im Bistum bislang einmalig ist, geäußert.

"Dass es zu diesem Schritt kommen musste, schmerzt mich sehr", heißt es in dem Schreiben, das auch im Amtsblatt der Gemeinde Beckingen veröffentlicht wurde. Ackermann spricht von einer "schwierigen Situation", betont zugleich, dass das Bistum sich bemühe, "eine geordnete Seelsorge sicherzustellen". Eckert habe ihm gegenüber angekündigt, gegen die Entscheidung bei den zuständigen Stellen im Vatikan Einspruch einzulegen. "Dieses Recht steht ihm zu", so der Bischof. Bis dort über den Einspruch entschieden sei, könne es mehrere Monate dauern. "Bis dahin darf Pfarrer Eckert sein Amt in der Pfarreiengemeinschaft Beckingen nicht ausüben." Solange das Verfahren in Rom laufe, könne der Bischof keinen neuen Pfarrer für die Pfarreiengemeinschaft ernennen. Zum vorläufigen Pfarrverwalter für Beckingen , Haustadt und Reimsbach habe er Pfarrer Christian Zonker aus Schwalbach berufen.

Zu den Umständen und Hintergründen der Amtsenthebung äußert sich der Bischof ebenfalls. "Zunächst möchte ich noch einmal klarstellen, dass es bei dem gesamten Vorgang (…) nicht um eine Enthebung aus dem Priesteramt, sondern lediglich um die Versetzung auf eine andere Stelle geht." Solche Versetzungen seien im Bistum ein "üblicher und notwendiger Vorgang". So würden jedes Jahr 50 bis 60 Priester versetzt - oft auf eigene Initiative des jeweiligen Geistlichen, mitunter aber auch auf Bitten des Bischofs hin - wie im Falle von Eckert. "In den vergangenen Jahrzehnten ist es noch nie dazu gekommen, dass ein Priester der Bitte seines Bischofs nicht Folge geleistet hat." Daher habe er bei der an Eckert herangetragenen Bitte nicht mit einer solchen Weigerung gerechnet. "Er aber hat sich anders entschieden." Er habe seine Bitte nach einem Wechsel auf eine andere Stelle trotz der Weigerung aber nicht zurücknehmen wollen, so Ackermann, "weil mir die Gründe nach wie vor gewichtig erscheinen". Der Bischof betont, dass Eckert sich im Rahmen seiner rechtlichen Möglichkeiten bewege. "Das Kirchenrecht räumt einem Pfarrer trotz seines Gehorsamsversprechens die Möglichkeit ein, sich gegen die Aufforderung seines Bischofs, die Stelle zu wechseln, zu wenden." Dies respektiere er.

Die weiteren Schritte, die sich aus dieser Situation ergeben, seien in einem kirchenrechtlichen Verfahren genau beschrieben. "So habe ich mich nach den regulären Beratungen mit den Herren Weihbischöfen, dem Generalvikar und den übrigen Verantwortlichen in der Bischöflichen Personalkommission unter anderem zweimal mit zwei vom Priesterrat gewählten Pfarrern beraten." Die von Vertretern der Pfarreiengemeinschaft kritisierte Nichteinbindung der Laiengremien begründet der Bischof so: "Das kirchenrechtliche Verfahren sieht keine Beteiligung der Gremien vor Ort vor, da dies in Personalangelegenheiten grundsätzlich nicht üblich ist." Es gehe bei solchen Verfahren in der Regel um vertrauliche Infos, die zum Schutz der Persönlichkeit nicht in der Öffentlichkeit eines Gremiums verhandelt werden könnten. Dennoch habe er auf Wunsch des Pfarreienrates im September mit weiteren Vertretern des Bistums ein Gespräch mit den Ehrenamtlichen des Gremiums geführt, zu dem es eine gemeinsame Erklärung gegeben habe.
"Problematische Entwicklungen"



Der Bischof räumt ein, dass sich Gläubige in vielfältiger Form, durch Briefe , Unterschriftensammlungen oder Videoclips im Internet für den Verbleib des Pastors in Beckingen stark gemacht hätten. "Insbesondere die Stimmen der jungen Menschen und der Messdiener haben mich dabei sehr bewegt. Ich kann die Gefühlslage all dieser Gläubigen gut verstehen." Dennoch, so der Bischof, dürfe er nicht "die problematischen Entwicklungen, vor allem die Parteiungen, die sich in den letzten Wochen und Monaten gezeigt haben", übersehen. Die Heftigkeit und Zwiespältigkeit der Reaktionen, die seit Bekanntwerden des Amtsenthebungsverfahrens laut geworden seien, bestätigen aus seiner Sicht eine Entwicklung, die er in der Pfarreiengemeinschaft schon seit längerer Zeit mit Sorge betrachtet habe: "Eben diese Beobachtungen haben in mir zunehmend Zweifel aufkommen lassen, ob Pfarrer Eckert seiner Aufgabe in dieser Pfarreiengemeinschaft wirklich gewachsen ist." Eine wesentliche Aufgabe eines Pfarrers sei der Dienst an der Einheit der Gemeinde. "Diesen Dienst sehe ich durch Pfarrer Eckert nicht gewährleistet." Das stehe nicht im Widerspruch dazu, " dass Ihr Pfarrer in seiner Zeit in Beckingen auch viel Segensreiches gewirkt hat, das ich sehe und anerkenne". Er setze aber auf einen personellen Neuanfang "als Ausdruck meiner Hirtensorge", für den er die Katholiken um Akzeptanz bitte.

Der Brief des Bischofs ist über folgenden Link abrufbar:

beckingen.de/content/beckingen/Rathaus/mitteilungsblatt/2014/KW47.pdf