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Immer für den Verein da

Beckingen. Im Kleinen etwas bewegen. Jahrelang kontinuierlich für die Gesellschaft tätig sein. Und das alles ohne Lohn. Für diese Verdienste verleiht die saarländische Landesregierung seit 2008 die Ehrenamtsnadel: Sie ist die niedrigste Stufe staatlicher Auszeichnungen im Saarland und wird von der Regierung als Ergänzung zu den bestehenden Ehrenabzeichen gesehen Von SZ-Mitarbeiter Benjamin Rannenberg

Beckingen. Im Kleinen etwas bewegen. Jahrelang kontinuierlich für die Gesellschaft tätig sein. Und das alles ohne Lohn. Für diese Verdienste verleiht die saarländische Landesregierung seit 2008 die Ehrenamtsnadel: Sie ist die niedrigste Stufe staatlicher Auszeichnungen im Saarland und wird von der Regierung als Ergänzung zu den bestehenden Ehrenabzeichen gesehen. Albrecht Koch ist einer von 104 engagierten Bürgern, an die bislang die saarländische Ehrenamtsnadel vergeben wurde. Täglich fährt der 60-jährige Albrecht Koch zur Anlage des Reit- und Fahrvereins Beckingen. Mehr als 30 Jahre ist er dort Vereinschef. Auch als Koch noch seinen Beruf ausübte, war er mindestens ein Mal pro Tag auf der Anlage. Ein Ehrenamt - eine zeitaufwendige Lebensaufgabe. "In jeder freien Minute habe ich etwas für den Verein gemacht", sagt er. Ein Ehrenamt - auch ein Wagnis. Anfang der 90er Jahre musste der Verein seinen Turnier- und Reitplatz aufgeben. Auf dem damaligen Gelände sollte ein Industriepark aus dem Boden gestampft werden. Ein provisorischer Platz zum Reiten musste her. Albrecht Koch stellte dem Verein seinen eigenen Reitplatz und die Reiterklause, ein kleines Lokal, zur Verfügung. "Ansonsten wäre der Verein kaputt gegangen", sagt Koch. Danach verhandelte er zweieinhalb Jahre mit 15 Grundstückseigentümern - mit Erfolg: 1995 war das neue Reitgelände fertig. Die Ursprünge von Kochs Ehrenamt reichen zurück bis in seine Kindheit. "Ich bin mit Pferden groß geworden. Mein Vater betrieb eine Pferdezucht", erzählt er. Seit seinem neunten Lebensjahr, erinnert sich Koch, habe er auf Pferden gesessen. Albrecht Koch hat heute zwei eigene Pferde, hinter seinem Haus eine Koppel und einen Reitplatz. In seiner Garage steht eine dunkelgrüne Landauer-Reisekutsche. Noch bis vor sechs Jahren habe er mit dem Landauer frisch getraute Hochzeitspaare kutschiert. Er selbst reitet in der Herbstzeit Schleppjagden. Ein Ehrenamt ist auch für eine Überraschung gut. Vor rund zwei Wochen wurde Albrecht Koch die saarländische Ehrenamtsnadel verliehen. Sie steckt noch in der Schachtel. Fingernagelgroß, vergoldet. Die Umrisse des Saarlandes auf einer Nadel. Als er dieses Jahr seinen 60. Geburtstag feierte, wurde sie ihm von einem Ministerialdirigent aus dem Umweltministerium überreicht. In einer schmalen Schachtel. Darin befand sich der Ehrenamts-Anstecker. Anerkennung erfährt Koch auch von den Leuten im Ort. "Das, was du machst, ist gar nicht zu bezahlen", sagte man ihm etwa neulich.




HintergrundHeutiges SR-Programm zur ARD-Themenwoche "Ist doch Ehrensache!"SR1: 5.03 Uhr Porträts von Saarländern, die für ihr Engagement ausgezeichnet wurden. 9.04 Uhr Gespräche mit Vertretern von Pro Ehrenamt. SR2: 9.05 Uhr Lückenbüßer oder Kitt für die humane Gesellschaft? Ehrenamtliche in Deutschland. red