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Illegale Schatzsuche

Sie kämpfen gemeinsam gegen illegales Geocaching an einer als Naturdenkmal ausgewiesenen Felswand in Beckingen: Dieter Staniszewska (rechts) und Hauseigentümer Jürgen Barth, hinter dessen Anwesen das Ganze stattfindet. Foto: Dieter Lorig
Sie kämpfen gemeinsam gegen illegales Geocaching an einer als Naturdenkmal ausgewiesenen Felswand in Beckingen: Dieter Staniszewska (rechts) und Hauseigentümer Jürgen Barth, hinter dessen Anwesen das Ganze stattfindet. Foto: Dieter Lorig FOTO: Dieter Lorig
Beckingen. Durch die Kletterpartien an der Felswand hinter ihrem Haus fühlen sich die Besitzer belästigt, die Schatzsucher rufen auch die Naturschützer auf den Plan. Handelt es sich bei der Wand doch um ein ausgewiesenes Naturdenkmal. Dieter Lorig

Das Beckinger Ehepaar Jürgen und Christel Barth ist sauer: Nur wenige Meter hinter ihrem Hausgrundstück in der Dillinger Straße seilten sich in den letzten Jahren immer wieder Kletterer an einer 30 Meter hohen Felswand ab, um in eine 16 Quadratmeter große Höhle zu gelangen. Darin soll sich eine Schatzbox ("Geocache", siehe Infokasten) befunden haben, auf die es die Kletterer abgesehen hatten. Die waghalsigen Kletterpartien waren für die unterhalb der Felswand wohnenden Hauseigentümer meist mit Staub- und Lärmbelästigungen verbunden.



Gesteinsabbrüche

Zudem kam es zu gefährlichen Gesteinsabbrüchen in der langgezogenen Buntsandsteinwand am Kondeler Bach. Diese ist seit 1952 als geologisches Naturdenkmal ausgewiesen. So fühlte sich das Beckinger Ehepaar durch die Kletterer auch in seiner Privatsphäre beeinträchtigt. "Es gab Fälle, in denen die Kletterer den Rückweg nach oben über die Felswand nicht mehr schafften und sich, ohne zu fragen, über unser eingezäuntes Grundstück einen Weg zur öffentlichen Straße suchten", klagte Barth. Angelockt wurden die Kletterer durch eine amerikanische Internet-Geocaching-Plattform. Auf deren Karten war die Fundstelle der Schatzbox präzise ausgewiesen.

Ein besonderer Reiz für das beliebte Geocaching als moderne Form der Schatzsuche mittels GPS-Empfängern scheint darin zu liegen, dieses Hobby an ungewöhnlichen Stellen zu betreiben. "Geocaching an der Beckinger Felswand ist nicht nur höchst gefährlich, sondern auch illegal und bedroht dort die Flora, Fauna sowie Tierwelt", erläuterte Dieter Staniszewska im Gespräch mit der SZ. Der 52-jährige Dillinger ist Vorsitzender eines Arbeitskreises, deren Mitglieder sich im Saarland und Rheinland-Pfalz um Natur- und Artenschutz kümmern. Er vermutet, dass die in der Beckinger Felswand vorhandenen Spalten auch Rückzugsorte für Fledermäuse sind.

Nachdem die Betreiber der Geocaching-Seite die Reklamationen des Dillinger Naturschützers zunächst ignoriert hatten, informierte dieser das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA).

Auf Nachfrage der SZ bestätigte das Umweltministerium, dass laut Naturdenkmalverordnung das unrechtmäßige Betreten der Felsen nicht erlaubt und somit Geocaching in diesem Bereich illegal sei. Jedoch lägen dem LUA Informationen vor, wonach der Geocache als auch die Infos hierüber auf der Internet-Plattform vor einigen Wochen gelöscht worden seien. "Damit ist mit einem Andauern des Konflikts zwischen Anwohnern, Geocachern und Naturschützern nicht weiter zu rechnen", teilte Sabine Schorr, Pressesprecherin des Umweltministeriums mit.

Eine Mitarbeiterin des Beckinger Rathauses bestätigte auf Nachfrage, in den vergangegen Jahren nur von vereinzelten Konfliktfällen zu diesem Thema gehört, jedoch nichts Weiteres unternommen zu haben. Naturschützer Staniszewska bleibt nach wie vor skeptisch. Er hält die Aufstellung eines Sperrzauns und von Verbotsschildern für Geocaching am Zugangspfad zu der Felswand durch die Gemeinde für unverzichtbar.

Zum Thema:

stichwort Ein Geocache ist in der Regel ein wasserdichter Behälter, in dem sich ein Logbuch sowie häufig auch verschiedene kleine Tauschgegenstände befinden. Der Besucher kann sich in ein Logbuch eintragen, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren. Anschließend wird der Geocache wieder an der Stelle versteckt, an der er zuvor gefunden wurde. Der Fund kann im Internet auf der zugehörigen Seite vermerkt und gegebenenfalls durch Fotos ergänzt werden. So können auch andere Personen - besonders der Verstecker oder Owner (englisch: Eigentümer) - die Geschehnisse um den Geocache verfolgen. red

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