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100 Tage: „Ich komme jeden Tag mehr in dem Amt an“

100 Tage : „Ich komme jeden Tag mehr in dem Amt an“

Die ersten 100 Tage seiner Amtszeit, eine Art „magische Grenze“, hat der Beckinger Bürgermeister Thomas Collmann (SPD) hinter sich.

Haben Sie sich Ihr Amt so vorgestellt?

Thomas Collmann: In der Anfangszeit kamen natürlich viele neue Dinge auf mich zu. Das Schöne am Bürgermeisteramt ist, dass ich nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitze. Ich habe viel mit den Bürgern zu tun, bin aber auch in der Gemeinde unterwegs und vertrete die Interessen der Gemeinde in verschiedensten Gremien. Ich komme jeden Tag „mehr in diesem Amt“ an.

Vom Ratsmitglied zum Bürgermeister: Gibt es Ihrer Meinung nach Unterschiede, auf der anderen Seite des Tisches zu sitzen?

Collmann: Den Gemeinderat kannte ich ja schon. Ja, und auf einmal ist man Chef und sitzt vor den Ratsmitgliedern statt mittendrin. Ich verstehe das Ganze als eine kooperative Angelegenheit. Ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam die anstehenden Herausforderungen in der Gemeinde Beckingen gut meistern werden.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und der Verwaltung?

Collmann: Die Verwaltung ist sehr gut aufgestellt und ich habe bei der Einarbeitung in die unterschiedlichsten Themenbereiche viel Unterstützung erfahren. Ich muss sagen, ich bin sehr herzlich aufgenommen worden. Die Mitarbeiter sind gut ausgebildet und motiviert. Mir ist wichtig, dass man respektvoll miteinander umgeht und auch offen ist für Neues, auch im Gemeinderat. Mir ist auch wichtig, dass sich jeder Mitarbeiter wiederfindet, dass man ihn mit seinen Stärken, die er hat, einsetzt. Im Gemeinderat geht es um Sachpolitik und mir obliegt dabei die Aufgabe, Richtung und Ziele vorzugeben. Natürlich steckt in der Anfangszeit jeder sein Revier ab, das ist wohl ganz normal.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, die die Gemeinde Beckingen in Zukunft zu bewältigen hat?

Collmann: Die Bürgerinnen und Bürger sind interessiert an einer Weiterentwicklung der Gemeinde und ihren Ortsteilen. Ich setze dabei auf ein breites Engagement und will gemeinsam mit der Bürgerschaft daran arbeiten. Eine der größten Herausforderungen dabei ist es, die finanzielle Situation zu verbessern, denn auch in der Gemeinde Beckingen werden die finanziellen Spielräume immer enger.

Wie werden Sie dies bewältigen?

Collmann: Wir müssen daran arbeiten, die finanzielle Einnahmesituation der Gemeinde zu optimieren, die Ausgaben zu verringern und die Haushaltssouveränität zu erhalten. Hier muss sicher einiges auf den Prüfstand und die Wirtschaftlichkeit überprüft werden. Hier möchte ich auf das Leitbild 2020 hinweisen: Verantwortungsvoller Umgang mit den kommunalen Finanzen, Profilierung der Gemeinde als leistungsfähiger Wirtschaftsstandort, Betriebe erhalten und für Neuansiedlung von Gewerbe sorgen, Kaufkraft binden, qualifizierte Wirtschaftsförderung, Beckingen als Geschäfts- und Verwaltungszentrum weiter aufwerten, Industrie- und Gewerbeflächen bereit halten, die örtliche Grundversorgung sichern, die Lebensqualität in der Gemeinde erhalten. Die Gemeinde muss „nach innen“ stark werden, damit die Menschen hier bleiben.

Was zeichnet denn Ihrer Meinung nach einen guten Verwaltungschef aus?

Collmann: Den Takt angeben, viele Einzelstimmen zu einem Ergebnis bringen. Man hat mit Menschen zu tun, muss sie begeistern, mitnehmen und führen können. Mir sind Ehrlichkeit und Vertrauen wichtig. Ich bin anfangs im Rathaus herumgegangen und habe mit den meisten Mitarbeitern gesprochen. Ich möchte sie „kennen“ und ihre Fachkompetenz nutzen. Ich glaube, dass es wichtig ist, als Chef fair zu sein. Als Bürgermeister ist man auch sicherlich gefragt, wenn die Mitarbeiter fachlich oder persönlich angegangen werden.

Welche Eigenschaften sind noch wichtig?

Collmann: Ich verstehe mich als Teamplayer. Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit sind mir wichtig.

Haben Sie in den ersten 100 Tagen Ihrer Amtszeit Überraschungen erlebt?

Collmann: Nein, mehr oder weniger sind alle meine Erwartungen erfüllt worden. Ich wünsche mir auch, dass das so weiter geht.

Was war Ihr schönstes Erlebnis?

Collmann: Meine erste Trauung im Historischen Bahnhof Beckingen, vor allem, weil es zwei Mitarbeiter der Verwaltung waren, die sich das Ja-Wort gegeben haben.

Worüber haben Sie sich am meisten geärgert?

Collmann: Mein Ärger hat sich in Grenzen gehalten. Es gab nichts, was mir den Schlaf geraubt hätte.

Gibt es noch Spuren von Ihrem Vorgänger im Beckinger Rathaus?

Collmann: Nach 13,5-jähriger Amtszeit hat Bürgermeister Seger sicherlich die Verwaltungsarbeit nachhaltig geprägt. Von daher traf ich bei meinem Amtsantritt auf ein geordnetes Haus.

Wie groß ist der Schatten, den Ihr Vorgänger Erhard Seger mit gut 13,5 Jahren Amtszeit wirft?

Collmann: Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass ich Herrn Seger sehr schätze und dies auch in meiner Antrittsrede zum Ausdruck gebracht habe. Es versteht sich aber von selbst, dass ich auch eigene Ideen einbringen und eigene Akzente setzen will. Ich denke, dass ich in Zukunft mein Licht nicht „unter den Scheffel“ zu stellen brauche.

Was wollen Sie anders machen als Ihr Vorgänger?

Collmann: Ich werde andere Prioritäten setzen. Ich möchte noch intensiver aktive Akzente in den Bereichen Kindergärten und Schulen setzen, um das Profil der Gemeinde weiter zu entwickeln. Dies bedeutet aber keineswegs, dass ich alle anderen Aufgabengebiete vernachlässigen will.

Im Wahlkampf haben Sie ein Verkehrssicherheitskonzept in der Gemeinde, sichere Schulwege und verkehrsberuhigende Maßnahmen, ein Radwegekonzept sowie eine radfahrerfreundliche Gemeinde versprochen. Konnten Sie bereits etwas durchsetzen?

Collmann: Von meiner vorherigen beruflichen Tätigkeit her war ich schon immer mit Verkehrsthemen befasst. Ein Verkehrssicherheitskonzept ist zurzeit in Bearbeitung. Ein Arbeitskreis und die kommunalen Beschlussgremien sind mit der Thematik befasst. Es ist ein Konzept bearbeitet worden, das nun die entsprechenden Gremien durchlaufen und auch der Bürgerschaft vorgestellt werden wird. Ich gehe davon aus, dass in Kürze erste Ergebnisse vorliegen werden.

In diesem Jahr hat der Beckinger Haushalt rote Zahlen geschrieben, wie in vielen anderen Kommunen auch. Wie wollen Sie dies in den Griff kriegen, dass es wieder schwarze Zahlen gibt?

Collmann: Die Gemeinde Beckingen steht im Verhältnis zu anderen Kommunen im Saarland noch gut da. Die Verschuldung wie in anderen Städten und Gemeinden durch Kassenkredite ist in Beckingen nur geringfügig gegeben. Das bedeutet aber nicht, dass wir ohne finanzielle Sorgen dastehen. Trotzdem bin ich der Ansicht, dass die kommunale Kassenlage nicht von den Kommunen alleine aus eigener Kraft wesentlich verbessert werden kann. Dabei sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass die Steuerkraft und finanzielle Ausstattung der saarländischen Kommunen weit unter dem Bundesdurchschnitt liegen. Darin liegt auch ein Grund für die Finanzmisere der Kommunen. Da sich bislang jedoch in dieser Hinsicht nicht viel bewegt hat, werden wir wie immer in Zusammenarbeit mit den politischen Gremien versuchen, durch Einnahmeverbesserungen und Ausgabenreduzierungen das Schiff auf Kurs zu halten. Wichtig für mich ist auch, dass das Konnexitätsprinzip in Zukunft stringent eingehalten wird (Wer bestellt, der bezahlt).

Es gibt immer wieder Vorstöße, Kommunen zusammen zu schließen. Können Sie sich das für die Gemeinde Beckingen vorstellen?

Collmann: In der Theorie ja, in der Praxis nein. Dies ist in der Praxis schwer zu bewerkstelligen, da der Landkreis Merzig-Wadern flächenmäßig sehr groß ist und dadurch eine eventuell angestrebte kommunale Zusammenlegung zwischen Merzig, Mettlach, Perl, Beckingen und eventuell Dillingen aufgrund der großen Entfernungen schwer zu realisieren ist. Die Erfahrungen von Gebietsreformen aus anderen Ländern (z. B. Thüringen) zeigen uns, dass hier große Probleme und Dissonanzen auftreten die später über Jahre nur schwer zu kitten sind.

Mit wem könnten Sie sich eine solche „Ehe“ von Kommunen am ehesten vorstellen?

Collmann: Hier möchte ich bemerken, dass eine Fusion der Gemeinde mit einer anderen für mich zurzeit nur sehr schwer vorstellbar ist. Seit der Gebiets- und Verwaltungsreform haben die kommunalpolitisch Tätigen in der Gemeinde immer ein solides Augenmerk auf die kommunalen Finanzen gelegt. Beckingen steht noch gut da. Ein unmittelbarer Zwang zur Zusammenlegung steht für die Gemeinde Beckingen nicht an. Wir haben keinen „Fusionsdruck“.