Honzrather Herzschlag-Finale

Beim 30. internationalen Honzrather Pferderennen herrschte am Sonntag der Ausnahmezustand. Mehr als 8000 Zuschauer auf der Heiderennbahn jubelten den Vollblütern und Jockeys in acht hochklassigen Konkurrenzen zu. Die Entscheidung im Jagdrennen um den „Großen Hindernispreis des Saarlandes“ fiel erst auf den letzten Metern.

Andreas Gratz hatte am Sonntag einen guten Riecher. Oder wie es im Nachbericht über das 30. internationale Pferdrennen in Honzrath treffender formuliert wäre: Der Ehrenvorsitzende des ausrichtenden Reit- und Rennvereins Honzrath setzte im Hauptrennen um den "Großen Hindernispreis des Saarlandes" auf das richtige Pferd. "War das spannend, mein Herz", sagte Gratz, stöhnte und griff sich nach einem Herzschlag-Finale an die Brust. Sein Favorit "Stromberg " mit Jockey Oliver Schnakenberg war gerade nach einem Wahnsinnsritt mit einer halben Länge Vorsprung ins Ziel galoppiert und hatte auf der Heiderennbahn Begeisterungsstürme entfacht.

"Stromberg " begeistert

Mehr als 8000 Zuschauer waren aus dem Häuschen, als der sechs Jahre alte Wallach seine Zurückhaltung an den Hürden aufgab, einen großen Rückstand aufholte und auf dem ansteigenden Schluss-Stück des 3400 Meter langen Naturkurses noch einmal alles gab. Erst auf den letzten Metern schob sich "Stromberg " an die Spitze und schnappte "Sekundant" mit Jockey Vlastislav Korytar, der immer vorne lag, den sicher geglaubten Sieg weg - quasi vor den Nüstern. Damit hatte keiner mehr gerechnet. "Ich wollte von hinten reiten, aber hatte in der Mitte des Rennens den Faden verloren, weil mein Pferd in den Ecken Probleme hatte. Aber es reichte ja noch", sagte Schnakenberg, der gleichzeitig der Trainer ist. Die drittplatzierte Stute "Desroches" gehört seiner Lebensgefährtin Eva Herresthal, die Mitglied des Reit- und Rennvereins Honzrath ist. Aber für Beziehungsstress sorgten die Platzierungen nicht. Im Gegenteil. "Wir wussten, dass einer von uns im Geld sein wird. Wer es dann macht, ist doch egal", sagte der Sieger grinsend - und heimste von seiner Partnerin ein Küsschen ein.

Schnakenbergs Taktik lobte Michael Rosport, der den "Großen Hindernispreis" 2005 für den Ausrichter gewonnen hatte und am Sonntag am Mikrofon mitfieberte. "Die anderen an den Hindernissen machen lassen und später vorbeiziehen. Das hat er clever gelöst", fand der Rennsprecher, der die acht Rennen kommentierte.

Vollblüter statt Maiskolben

Wo vor zwei Wochen noch Maiskolben wuchsen, donnerten am Sonntag die Vollblüter über das abgeerntete Feld. Beim Pony-Rennen und dem Lauf zum Junior-Cup präsentierten sich die Stars von morgen. Internationale Top-Pferde und Spitzen-Jockeys lieferten sich dann in den Flachrennen zwischen 1100 bis 1950 Metern Länge packende Duelle. Der "Große Hindernispreis des Saarlandes" toppte aber alles.

Die Rennen in Honzrath leben von der Volksfeststimmung und den ungewohnten Bedingungen, sagte Klaus Wilhelm. "Wir haben hier eine Sandbahn, die bergauf und bergab führt und somit besondere Anforderungen an Pferd und Reiter stellt. Aber dies macht ja gerade den Reiz aus. Honzrath ist einzigartig", schwärmte der Vorsitzende des Verbandes Südwestdeutscher Rennvereine.