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Hoffnung für Beckinger Whitesell-Mitarbeiter

Beckingen. Ende Januar hatte der Konzern Whitesell für seine vier deutschen Werke Insolvenz angemeldet. Eine Transfergesellschaft fängt nun 100 Mitarbeiter der insolventen Schraubenfabrik in Beckingen auf. Margit Stark

"Die Belegschaft leistet! Die Regierung leistet! Aber was leistet Whitesell?" Das fragen sich der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Krutten und seine Fraktionskollegin Petra Berg aus Dillingen. Beide Sozialdemokraten sind nach ihren Worten froh darüber, dass für die Belegschaft des insolventen Beckinger Schraubenwerks jetzt eine Transfergesellschaft geschaffen worden ist.

Wie gestern bekannt wurde, wechseln rund 100 Mitarbeiter in die Transfergesellschaft für die Beckinger Schraubenfabrik und werden damit nicht arbeitslos. Weitere 183 Mitarbeiter dürfen bleiben. "Wir haben vor Wochen versichert, dass unsere Landesregierung unter Federführung des Wirtschaftsministeriums diese Menschen ganz sicher nicht allein im Regen stehen lassen wird", beschreiben Krutten und Berg das Engagment für die Mitarbeiter, nachdem der US-Mutterkonzern Whitesell Ende Januar für seine vier deutschen Werke Insolvenz angemeldet hatte.

"Wir danken daher der Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger und dem Staatssekretär Jürgen Barke für ihren persönlichen Einsatz. Die Transfergesellschaft war ein hartes Stück Arbeit, aber sie wurde geleistet." Leider tragen laut der beiden Landtagsabgeordneten jedoch nur zwei Seiten ihren Beitrag zur Lösung der Krise bei: die Belegschaft und die Politik. "Was macht aber eigentlich Whitesell?", fragen die beiden SPD-Parlamentarier und antworten: "Offenbar nix. Im Gegenteil. Die Gewerkschaft berichtet von weiteren Verzögerungen durch das alte Management, welches diese Krise erst verursacht hat." Damit soll jetzt Schluss sein, fordern beide. "Die Frauen und Männer im Beckinger Traditionswerk müssen nach etlichen Monaten des Bangens endlich eine echte Perspektive erhalten. Dass es Chancen zur Weiterführung gibt, wird allenthalben bestätigt." Whitesell, so glauben sie, scheint noch immer in der Blockade-Haltung zu verharren, um für sich noch einen Vorteil herauszuschlagen. "Das darf nicht sein." Der US-Konzern hat ihrer Meinung nach kein Recht dazu, die beruflichen Existenzen von Menschen und die industrielle Tradition in Beckingen weiter zu gefährden. "Wir fordern das Unternehmen auf, sich endlich zurückzuziehen und andere Interessenten ans Ruder zu lassen. Das Schraubenwerk muss jetzt wieder in ruhiges Fahrwasser kommen."

Die CDU-Landtagsabgeordneten Frank Finkler und Stefan Palm sind nach ihren Worten erleichtert über die Einrichtung einer Transfergesellschaft. "In enger Gesamtsteuerung durch Ministerpräsidentin und Regierungschefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Landesregierung ihr Möglichstes getan, um zu helfen", sagen Finkler aus Beckingen und Palm aus Losheim. Ein gemeinsamer Kabinettsbeschluss habe den Weg für die Errichtung der Transfergesellschaft geebnet. Finanzminister Stephan Toscani hat dabei in enger Abstimmung mit dem Wirtschaftsministerium die Finanzierung auf die Beine gestellt. "Dies alles zeigt, dass die CDU den Prozess stets positiv begleitet hat", sagen die beiden Christdemokraten. Das Verhalten von Whitesell finden beide skandalös. Ohne Rücksicht und Not blockiere und zögere der US-Mutterkonzern den Verkaufsprozess hinaus, gefährde dadurch Arbeitsplätze und schüre Zukunftsängste. "Die Errichtung der Transfergesellschaft ist ein wichtiger Schritt. Auch wenn die Transfergesellschaft zunächst auf drei Monate mit der Option einer Verlängerung um acht Monate bei Übernahme angelegt wird, ist ihre Einrichtung eine gute Nachricht für die Mitarbeiter."

Finkler und Palm sind nach ihren Worten froh, dass eine Lösung zum Wohle der Beschäftigten gefunden wurde. "Die Mitarbeiter haben trotz schwerer Zeiten in der Vergangenheit und immenser Existenzängste angesichts der bedrohlichen Lage stets ihren Beitrag zum Erhalt des Werkes geleistet."