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Große Hoffnung in Beckingen

In Beckingen demonstrierten im Dezember Belegschaft und IG Metall gegen die drohende Schliessung der Schraubenfabrik. Foto: rup
In Beckingen demonstrierten im Dezember Belegschaft und IG Metall gegen die drohende Schliessung der Schraubenfabrik. Foto: rup FOTO: rup
Beckingen. Nachdem der Insolvenzverwalter dem ehemaligen US-Eigner Whitesell Betriebsimmobilien, Maschinen, Urkunden und Patente abgerungen hat, besteht jetzt die Chance, das Unternehmen zu retten. Interessenten gibt es. Margit Stark

Für die Mitarbeiter der Beckinger Schraubenfabrik ist es ein Genuss, wie Insolvenzverwalter Biner Bähr die harte Bergetappe genommen hat. In Verhandlungen hat er dem ehemaligen US-Eigner Whitesell Betriebsimmobilien, Maschinen, Urkunden und Patente abgerungen und "ihn vor die Tür gesetzt". "Whitesell ist weg", jubeln Betriebsrat Gerfried Lauer und Guido Lesch, zweiter Bevollmächtiger der IG Metall (die SZ berichtete).
Seriöser Investor gewünscht


"Jetzt besteht die große Chance, einen neuen, seriösen Investor zu finden und so das traditionsreiche Unternehmen zu retten", kommentiert Daniel Minas, stellvertretender Fraktionschef der CDU-Gemeinderatsfraktion die Nachricht von Biner Bähr. "Wertschätzung ist der zentrale Faktor zur Herstellung eines positiven Betriebsklimas. Ich hoffe, dass die Mitarbeiter endlich für ihren Einsatz, ihre Loyalität und ihren Durchhaltewillen mit einem sicheren Arbeitsplatz belohnt werden", lautet sein Wunsch.

Die Zeit des Bangens, der Unsicherheit und täglichen Angst um die Existenz muss laut Minas schnell beendet werden. "Die Mitarbeiter haben es verdient, dass der Wert ihrer Arbeit wieder von einem seriösen Investor geschätzt wird." Die Belegschaft nennt der Kommunalpolitiker das größte Kapital des Beckinger Werkes. Ein solches Team wie das in Beckingen kann sich nach seiner Auffassung jeder Investor nur wünschen, "denn sein Einsatzwillen und Durchhaltevermögen sind beeindruckend." Eine Übernahme der Firma sei ohne Gebäude, Patente und Maschinen bedauerlicherweise sehr unwahrscheinlich gewesen. Daher lasse die Rückführung der Firmenwerte die berechtigte Hoffnung auf eine baldige Lösung zu Gunsten der Belegschaft zu. Jetzt gelte es, mit möglichen Interessenten zu verhandeln.

"Unser Fraktionsvorsitzender und Landtagsabgeordneter Frank Finkler hat und wird weiter auf Landesebene die Entwicklung des Unternehmens im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützen", sagt Minas zu. Eines ist für ihn gewiss: "Mit dem richtigen Käufer werden sicherlich auch die Kunden zurück zu gewinnen sein, denn diese schätzen die Produkte aus Beckingen . Ein Unternehmen, welches qualifizierte und engagierte Mitarbeiter zu schätzen weiß, braucht das Schraubenwerk, brauchen die Mitarbeiter, braucht die Gemeinde."

Feiern die rund 180 Mitarbeiter diesen Erfolg, so haben viele ihrer ehemaligen Kollegen ebenfalls Grund zur Freude - über eine neue Stelle. "36 von 98 Leuten sind noch zu vermitteln", sagte Theo Bilsdorfer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Personalmanagement im Strukturwandel.

Im Frühjahr waren die ehemalige Mitarbeiter nach ihrer Kündigung in der Transfergesellschaft aufgefangen worden, die eigens für sie aus der Taufe gehoben worden war. Binnen einer Woche ist sie laut Bilsdorfer ins Leben gerufen worden - als einzige für die Whitesell-Gruppe in Deutschland. Schulungen standen laut Bilsdorfer für die Leute auf dem Stundenplan - ob die Vertiefung in die EDV in einem IT-Kompetenzkurs, die Auffrischung für den Gabelstaplerführerschein oder eine Ausbildung für dessen.
49 Leute haben neue Stelle

Auch hatten die Leute die Chance, bei Praktika in Unternehmen zu schnuppern. Das Ergebnis binnen gut zwei Monaten: 48 der Leute haben eine neue Stelle - ob bei Homanit, Saarstahl oder bei der Schweizer Firma Helvetia Packaging, die auf die Herstellung von Getränkeverpacken spezialisiert ist und sich auf dem Lisdorfer Berg angesiedelt hat. "14 können altersbedingt in Rente gehen, 36 sind noch zu vermitteln." Daher nennt er es notwendig, dass die Transfergesellschaft um weitere acht Monate verlängert wird.

Gewerkschafter Lesch ist sich sicher: Die Transfergesellschaft war zunächst auf drei Monate angelegt worden, mit der Option um eine Verlängerung um weitere acht Monate, wenn es weitergeht. Und es geht weiter", sagt der IG-Metaller. "Es gibt viele ernsthafte Interessenten. Die Chancen nicht schlecht."