Geschichtsrückblick zum Jubiläum von Nedschroef n Beckingen

Kostenpflichtiger Inhalt: 150. Geburtstag von Nedschroef : Ein Blick in die Geschichte des Unternehmens

Von der Gründung m Jahr 1869 bis zum Erwerb durch Nedschroef im Oktober 2015 ist beim Schraubenwerk in Beckingen so einiges passiert.

Die 680-seitige Firmen-Chronik des ehemaligen Werk-Angestellten Rainer Meier und die von der Nedschroef Beckingen GmbH herausgegebene Festschrift (Texte/Redaktion Birgit Winter und Jörg Huppert, medienAffairs, Saarbrücken) mit vielen interessanten Beiträgen gibt einen Einblick in die von Höhen und Tiefen geprägte Geschichte des Werkes, das seinen Ursprung in einer Beckinger Wassermühle hatte. Hier wurde im Jahre 1869, also vor 150 Jahren, durch Peter Hetzler und Ludwig Kolb eine Fabrik für geschmiedete Artikel und kleine Eisenwaren als offene Handelsgesellschaft gründet. Im Jahre 1872 trat der Kaufmann Friedrich Bernhard Karcher als Gesellschafter in die Firma ein, die sich nun Hetzler, Kolb und Karcher nannte.

Nachdem die beiden erstgenannten Mitgesellschafter in den 1880er Jahren das Unternehmen verließen, gründete Karcher 1985 mit seinen Freunden Carl Roth und Emil Schüler die Firma Karcher & Co, die sie 1901 zu einer GmbH änderten. Sie entwickelte sich gut, wurde 1912 zur Fr. Karcher, C. Roth und Cie. mbH. 1913 kam Karchers Sohn, Diplom-Ingenieur Bodo Karcher, als zweiter Geschäftsführer in die Firma, die ein Jahr später 900 Mitarbeiter beschäftigte. 1918 bestellte man Bodo Karcher zum alleinigen Geschäftsführer.

1924 wurde in Waiblingen (Baden-Württemberg) ein weiteres Werk gegründet. 1944 wurde das Unternehmen in Karcher Schraubenwerke GmbH umbenannt. 1945 war das Beckinger Werk durch Kriegseinwirkungen zerstört. Allmählich begann aber wieder die Produktion. 1948 hatte Bodo Karcher bereits seinen Neffen, den Naturwissenschaftler Dr. Fritz Henning Karcher, als Fachmann für die labormäßige Untersuchung der Materialien und Wärmebehandlung ins Werk geholt.

Bodo Karcher starb 1953 unerwartet. Sein Neffe Dr. Fritz Henning Karcher wurde in die Geschäftsführung berufen, ebenso Verkaufsleiter Josef Biber und der technische Direktor Hager sowie 1957 der Waiblinger Werksleiter Paul Büser. Mit diesem übernahm Dr. Karcher 1959 die Führungsspitze. Die Unternehmerfamilie Stumm, die bereits 40 Prozent der Unternehmeranteile besaß, erwarb weitere und hatte 1974 dann 50 Prozent. Eine Kaufoption aus dem Besitz der Stumm-AG, die 1974 endete, nahm Dr. Fritz Henning Karcher aus Alters- und Nachfolgegründen nicht an. Der luxemburgische Stahlkonzern ARBET erwarb 1975 die Mehrheit, und die Familie Karcher, die an diesen ihr Schraubenwerk übergab, besaß nur noch eine Minderheitsbeteiligung.

In der Eisen- und Stahlkrise kam es 1985 zur Fusion mit der ARBET-Tochter Karcher mit dem Schraubenhersteller Bauer & Schaurte aus Neuss zur Bauer & Schaurte, Karcher GmbH. Die Insolvenz der Saarstahl-AG traf auch deren Tochterunternehmen Bauer & Schaurte, Karcher, die 1994 durch die französische Valois-Gruppe übernommen wurde. Aber es war noch das Ende einer vorläufigen Talfahrt. Diese wurde 1996 die durch den amerikanischen Konzern Textron fortgesetzt, die wiederum an 2006 an einen Investor, der sich in Accument umbenannte, wechselte, dann 2011 an die indische Ruia Group, die bereits ein Jahr später den Insolvenzantrag stellte.

Aber damit war es nicht getan, denn der Nachfolger Whitesell aus den USA kam Ende 2012 und stürzte das Beckinger Werk wieder in eine große Krise, die erst am 1. Oktober 2015 mit den Erwerb durch das niederländische Unternehmen Nedschroef ihr Ende fand. Derzeit bietet das Unternehmen rund 180 Beschäftigten einen Arbeitsplatz.

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