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Filmdreh
Freizeitsoldaten werden Fernsehstars

 Dreharbeiten fürs Fernsehen: Die „Dreißiger“  zu Gast bei ihren Freunden vom Schützenverein Beckingen.
Dreharbeiten fürs Fernsehen: Die „Dreißiger“  zu Gast bei ihren Freunden vom Schützenverein Beckingen. FOTO: Ruppenthal
Beckingen/Wadgassen. Traditionskorps vom 30. Preußischen Infanterie-Regiment wurde in Beckingen für einen Beitrag im SR-Fernsehen „im Einsatz“ gefilmt.

Kanonendonner, Gewehrschüsse, mit Hurra-Gebrüll stürmende Blauröcke mit Pickelhauben – und mittendrin ein Fernsehteam. Für einen Tag wurde das Freigelände des Schützenvereins Beckingen zum Freiluft-Fernsehstudio. Zeitreise in die Preußenzeit: Die „Dreißiger“ machen es möglich. Der Saarländische Rundfunk hat ein Porträt des Traditionsvereins des 30. Preußischen Infanterieregimentes Saarlouis aufgezeichnet, das am Freitag (10. November) abends in „WimS – Saar nur“ (18.15 Uhr) zu sehen sein wird. Das Aufnahmeteam um Regina Schwalb hatte schon beim Dreh einen Riesenspaß. Die „Dreißiger“ sind nämlich alles anderes als „Kommissköpp“. Die Freizeit-Soldaten um den Wadgasser Allgemein-Mediziner Dr. Frank Morgenthal mit Praxis in Völklingen – er ist zudem Feuerwehrarzt in der Hüttenstadt – nehmen ihre Reenactement-Aufgabe aber durchaus ernst. Sie wollen mit ihren Auftritten historisches Interesse für die Region wecken, gleichzeitig die Bedeutung der Preußen beim Aufbau der heimischen Verwaltung aufzeigen - und nicht zuletzt vor den Gefahren des Militarismus und Krieg warnen. „Als wir uns 2009 als ordentlicher Verein zusammentaten, wollten wir die Tradition der ‚Dreißiger’ wiederbeleben, in der Öffentlichkeit sympathisch präsent sein – und natürlich Spaß daran haben. Das ist uns vielfach gelungen,“ betont Morgenthal.


2012 hat man mit großem Einsatz das 200. Jubiläum des Regimentes gefeiert, das lange Zeit in Saarlouis beheimatet war. Der Name ihres Kommandeurs, Graf Werder, und die Kaserne VI, heute Sitz des Museums und der Polizei, erinnern noch heute an diese Ära. Seit 2012 widmet man sich mit großem Engagement zusammen mit dem Orchesterverein Wadgassen dem Aufbau eines kompletten preußischen Musikkorps. Dirigent Björn Jakobs hat zwischenzeitlich über die Geschichte der Militärmusik in unserer Region promoviert und bei mehreren Zapfenstreichen konnten sich Orchesterverein Wadgassen und „Dreißiger“ blendend in Szene zu setzen.

„Mit unseren Aktivitäten erfahren wir große Zustimmung und wachsendes Interesse“, freuen sich Morgenthal und seine Mitstreiter, die aus dem gesamten Saarland und den unterschiedlichsten Berufen kommen. „Neben klassischen Gefechtsdarstellungen der Zeit um 1870 widmen wir uns vor allem der langen Friedenszeit der Belle Epoque, wobei unsere Uniformen im Straßenbild von 1895 nicht weiter auffallen würden,“ führt er weiter aus. „Ein wenig Show ist natürlich immer dabei, wenn wir auftreten;“ erzählt der Vorsitzende der Dreißiger weiter, „denn obwohl wir das, was wir tun, natürlich ernst nehmen, nehmen wir uns selbst nicht bierernst und scheuen auch spektakuläre Auftritte in kaiserzeitlicher ‚Bademode’ nicht.“



So geschehen auch beim Drehtermin in Beckingen. Zum dortigen Schützenverein pflegt man seit langen Jahren eine intensive Freundschaft. So fand vor wenigen Monaten das traditionelle Sommer-Biwak der „Dreißiger“ hier statt. Und der Orchesterverein Wadgassen wartete bei dieser Gelegenheit mit einem „Platzkonzert“ als preußischen Musikkorps auf. Schon bald  müssen die „Dreißiger“ erneut ihre schauspielerischen Fähigkeiten dokumentieren. Ende des Monats drehen sie mit Rüdiger Mörsdorf einen Film in Spichern. Hier geht es dann um den bekannten Maler Anton von Werner. Zudem haben sich die „Dreißiger“ erstmals für den Schützenzug beim Oktoberfest in München im nächsten Jahr beworben.