Fahnenprojekt geht in die nächste Runde

Fahnenprojekt geht in die nächste Runde

Viel ist diskutiert worden über das Projekt „Fahnen für Beckingen“. Ob positiv oder negativ – auf jeden Fall hat es die Menschen bewegt. Nun geht die Kunstaktion im öffentlichen Raum mit neuen Fahnen weiter.

Nun wehen 30 neue Künstlerfahnen in den neun Gemeindebezirken. Sie ersetzen, wie im Zeitrahmen festgelegt, die bisherigen und bilden die nächste Phase der Aktion "Fahnen für Beckingen - ein Projekt für den öffentlichen Raum". Ins Leben gerufen wurde dies von der Stiftung Kulturbesitz der Gemeinde Beckingen in Zusammenarbeit mit dem Laboratorium - Institut für aktuelle Kunst im Saarland" mit Sitz in Saarlouis ins Leben.

Los ging es im Mai 2013 mit weißen Fahnen, die mit Textzitaten bedruckt waren. Im August wurden die Entwürfe der eigentlichen Kunstfahnen im Alten Bahnhof ausgestellt. Anfang April dieses Jahres fand die Vorstellung der ersten 30 Künstlerfahnen, die das letzte halbe Jahr über das Bild in der Gemeinde Beckingen geprägt haben, statt. Nun waren die nächsten 30 Entwürfe und Künstlerfahnen an der Reihe. Sie wurden offiziell im Alten Bahnhof bei einer Feier, die von der Sängerin Angela Biesel aus Düppenweiler umrahmt wurde, vorgestellt. Stiftungsvorsitzender Axel Jungmann begrüßte die Mitglieder, Künstler und Gäste, darunter auch Institutsleiter Professor Jo Enzweiler. "Eine ganze Weile schon wehen Kunstfahnen in allen Ortsteilen unserer Gemeinde, und es gibt, wie nicht anders zu erwarten, nicht nur positive, sondern auch negative Kritik. Häufig wird die Frage gestellt: Ist das Kunst? Aber was ist überhaupt Kunst? Wenn wir nun Kunst so definieren, dass Objekte, Geschehnisse oder Gestaltungen, die unser Werterleben erregen, Kunst sind, und dabei berücksichtigen, dass dies positiv, negativ oder neutral sein kann, dann muss es unendlich viele Werturteile geben. Die Frage stellt sich dann: Gibt es überhaupt objektive Kunstkriterien?", sagte Jungmann und meinte: "Meine Antwort ist ein klares Jein. Eine allgemein akzeptable Regel könnte vielleicht lauten: Wenn eine Schöpfung anregt, berührt, bewegt, dann hat sie einen wichtigen Zweck erfüllt. Und dies haben im Positiven, Negativen und Neutralen unsere Fahnen allemal getan. Deshalb macht unser Projekt Sinn und ich wünsche mir und uns weitere Reaktionen und damit weiteren Erfolg."

Bürgermeister Erhard Seger sagte: "Nun wurden wieder freundliche und farbenfrohe Fahnen aufgehängt. Sie sind erneut ein Lichtblick in der Gemeinde. Kritik gibt es immer wieder. Ich bin kein Fachmann, beurteile aber die Kunst, ob sie gut ist und mir gefällt. Sie hat eine ganz wichtige Funktion, denn sie ist ein friedensstiftendes Element. Ohne Kunst und Kultur wäre vieles tot."

Leiterin Dr. Petra Wilhelmy erläuterte das Projekt: "Ab heute löst die zweite Runde mit Fahnen acht weiterer Künstler die flatternden Bilder ab, die seit sechs Monaten das Aussehen der Gemeinde Beckingen geprägt haben. Vielleicht konnten Sie bei der Fahrt durch die Ortschaften schon feststellen, dass sich etwas verändert hat, dass neue Bilder, neue Farben und neue Ideen an die Stelle der mittlerweile bekannten gerückt sind. Eigenartig ist, wie schnell man sich an optische Gegebenheiten gewöhnt hat und sie bereits nach kurzer Zeit ausblendet. Sobald sich etwas im alltäglichen Blickfeld wandelt, reagieren wir überrascht, weil wir manchmal nicht sofort wissen, was genau uns irritiert."

Die aktuellen Künstlerfahnen werden nach den Worten der Projektleiterin jetzt sechs Monate zu sehen sein. Danach folgen Beiträge von Kindern aus der Gemeinde, die in Zusammenarbeit mit den Schulen umgesetzt werden. "Es gibt also noch eine ganze Weile was zu sehen in Beckingen ", erklärte sie.

Über das, was mit den bisherigen Fahnen geschieht, wird die Stiftung beraten. Eventuell werden sie an Liebhaber versteigert und der Erlös kommt einer Therapie für einen schwerkranken Beckinger Jungen zugute, was auch die Fahnenkritiker sicherlich nicht beanstanden. Zu den beteiligten Künstlern sagt die Projektleiterin bei der Vorstellung der neuen Fahnen: "Wie in der vorangegangenen Phase des Projektes stehen auch sie in persönlicher Verbindung zum Saarland. Der Beckinger Eberhardt Killguss, die Nachbarn aus Merzig, Saarlouis und Überherrn, Professor Paul Schneider, Gabriele Eickhoff und Francis Berrar sowie Vertreter der Hochschule der bildenden Künste Saar beziehungsweise ihrer Vorgängerinstitution Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken: Professor Wolfgang Nestler, Professor Gabriele Langenddorf, Professor Horst Linn und Kathrin Thomas. Alle haben ein Kunststudium absolviert. Wir können also davon ausgehen, dass sie sich die Gestaltungsformen, derer sie sich bedienen, gut überlegt haben. Nichts ist einfach so "dahingemalt", auch wenn es sehr minimalistisch angelegt wurde. Es gab keine Vorgaben an die Künstler hinsichtlich der Gestaltung. Auch diesmal sind die Ergebnisse vielfältig."