"Es soll den Betrachter berühren"

"Es soll den Betrachter berühren"

Beckingen. Guy Charliers Skulpturen tragen Titel wie "Wächter der Bäume", "Wächter der Würde" oder "Wächter der Ruhe". Und in der Tat strahlen sie etwas Ruhig-Erhabenes aus, so wie es die Titel vermuten lassen. Meist sind es relativ schmale Köpfe aus hellem Kalkstein, die auf Stelen aus unterschiedlichen Materialien ruhen

Beckingen. Guy Charliers Skulpturen tragen Titel wie "Wächter der Bäume", "Wächter der Würde" oder "Wächter der Ruhe". Und in der Tat strahlen sie etwas Ruhig-Erhabenes aus, so wie es die Titel vermuten lassen. Meist sind es relativ schmale Köpfe aus hellem Kalkstein, die auf Stelen aus unterschiedlichen Materialien ruhen. Das kann dunkles Gestein sein, Holz oder Stahl. Ein schöner Material-Kontrast ist es allemal, an dem Charlier seit der Studienzeit schon seine Freude hat. Bereits seine Diplomarbeit, eine Skulptur in 3,5 auf 2,5 Metern, war aus Stein und Holz gestaltet. Gerne erinnert er sich an jene Jahre, in denen sie an der Kunstschule in Clermont-Ferrand zwar über wenig Mittel verfügten, dafür aber ein gutes Miteinander pflegten. Nur damals habe er noch wechselweise figurativ und abstrakt gearbeitet. "Vor etwa 15 Jahren habe ich dann begonnen, figürliche und abstrakte Elemente zu kombinieren", erzählt er und zeigt auf sein Modell für das Beckinger Künstlersymposion: Zwei Stelen aus dunklem Basalt mit Köpfen aus Kalkstein und einer zerschnitten Platte aus dem gleichen Material. "Der Kalkstein wird in Frankreich "la pierre du soleil" (der Stein der Sonne) genannt, weil er das Sonnenlicht reflektiert", freut sich der gebürtige Franzose, der vor mehr als 30 Jahren der Liebe wegen nach Deutschland kam. Erst nach Münster, wo seine Frau Marianne ihr Studium als Kunsterzieherin beendete. Dann nach Trier, wo er mit seiner Familie im beschaulichen Stadtteil Olewig wohnt und arbeitet. Dort entstehen diese schlichten und doch so ausdrucksstarken Skulpturen. "So einfach wie möglich sollen sie sein und den Betrachter berühren." Das wünscht er sich und lässt uns seinen Weg zur Reduktion nachvollziehen. "Gerade bei der Arbeit mit mehreren Materialien ist es wichtig, das Wesentliche herauszuarbeiten". Und das sind für ihn nun mal die Emotionen. In dieser Hinsicht sind auch die Köpfe seiner schlanken Skulpturen ganz bewusst nicht als Porträts gestaltet, sondern als "Menschen" ohne markante Gesichtszüge. Ein wenig erinnern sie an archaische Statuen, die weder Menschen, noch Götter darstellen, sondern überindividuell und übertragbar sind. Diese Reduktion der Formsprache auf einfache, aber ausdrucksstarke Elemente findet sich auch in seinen Zeichnungen: In den mit Tusche auf Lederhaut gezeichneten lebensgroßen Menschenbildern ebenso wie in den abstrakten Grafiken und den Glasbildern. Mit Energie und Schnelligkeit lässt er etwa den Zeichenstift über das Papier gleiten und schafft dynamisch sich verdichtende Liniengestalten - abstrakt und doch frei interpretierbar. Guy Charlier erweist sich als ein vielseitiger Bildhauer, der seine individuelle Ausdrucksweise längst gefunden hat und sie in den unterschiedlichsten künstlerischen Medien zum Ausdruck bringt. red

Der Künstler Guy Charlier.

Zur personGuy Charlier wurde 1954 in Burgund/Frankreich geboren. Er studierte an der École des Beaux-Arts in Clermont-Ferrand und erwarb 1978 das Diplom mit Auszeichnung. Seit 1981 lebt er in Trier. red