Entsetzen nach dem Sabotage-Akt

Haustadt/Reimsbach. Ursula Roos kämpft mit den Tränen. Seit mehr als drei Jahrzehnten tourt die Reimsbacherin mit ihrem Karussell durchs Saarland - Sicherheit und Unfallvermeidung haben bei ihr oberste Priorität. Seit dem Unfall am Sonntagnachmittag auf der Haustadter Kirmes bangt sie um ihr "Lebenswerk"

Haustadt/Reimsbach. Ursula Roos kämpft mit den Tränen. Seit mehr als drei Jahrzehnten tourt die Reimsbacherin mit ihrem Karussell durchs Saarland - Sicherheit und Unfallvermeidung haben bei ihr oberste Priorität. Seit dem Unfall am Sonntagnachmittag auf der Haustadter Kirmes bangt sie um ihr "Lebenswerk". Grund: Unbekannte hatten an einem "Flieger" manipuliert und einen Unfall ausgelöst, bei dem Kinder leicht verletzt wurden (siehe auch Bericht Seite B1) - eine unbegreifliche "Gewalttat", wie die 51-Jährige sagt. "Sie haben in unverantwortlicher Weise Menschleben aufs Spiel gesetzt." Während des Betriebes war am Sonntagmittag ein mit drei Kindern besetzter Flieger des Karussells plötzlich zu Boden gesackt. Zwei Vierjährige wurden leicht verletzt. Die Polizei spricht von Prellungen. Ein Dreijähriger blieb unverletzt.Bei einer Überprüfung des Karussells wurde festgestellt, dass ein Sicherungssplint in der Hebeeinrichtung für den Flieger entfernt worden war - eine Tat von Unbekannten, nach denen die Polizei seit gestern fahndet. "Ich will mir nicht ausmalen, was alles hätte passieren können. Mir haben die Kinder so leid getan", ergänzt Ursula Roos. Daher sei es für sie eine Selbstverständlichkeit gewesen, sich unmittelbar nach dem Unfall um die Kinder zu kümmern. Das hatten die Eltern gegenüber der Polizei bestätigt. "Seit 30 Jahren lassen wir unser Fahrgeschäft alle zwei Jahre sicherheitstechnisch überprüfen", meint Roos - ein Standard, der in Deutschland üblich sei. "Nirgendwo wird auf Sicherheit des Material und auf Prüfung der Fahrgeschäfte so viel Wert gelegt wie in Deutschland." Die Aussage der Schaustellerin kann Gerhard Mertes von Unteren Bauaufsicht beim Landratsamt nur bestätigen. "Wir stellen auf Grund von Tüv-Gutachten Ausführungsgenehmigungen aus." In Einzelfällen kontrolliere man auch vor Ort. Für Mertes steht fest: Die Schaustellerin habe alle Sicherheitsvorkehrungen eingehalten. Das sieht auch die Polizei so. Sie sucht mit Hochdruck nach den unbekannten Tätern, die den Sicherungssplint aus dem Hydraulikzylinder rausgezogen haben und damit den Unfall ausgelöst haben. "Wir Schausteller haben nicht das Geld, einen Sicherheitsdienst zu engagieren, der jede Kirmes rund um die Uhr bewacht. Dafür gehen die Geschäfte mittlerweile zu schlecht", klagt Ursula Roos.Auch der Haustadter Ortsvorsteher Jürgen Spuller (CDU) zeigt sich am Dienstag gegenüber der SZ betroffen über den Sabotage-Akt: "Ich habe erst am Dienstag durch die Mitteilung der Polizei von dem Vorfall erfahren. Aber dennoch hat es mir einen Schock versetzt. Wenn man sich überlegt, was da hätte alles passieren können." Gottlob sei nichts passiert, sagt Spuller, der Karussell-Betreiberin Ursula Roos große Sorgfalt und Umsicht bescheinigt: "Sie macht das schon sehr lange und hat immer darauf geachtet, dass mit den Geräten alles in Ordnung ist." Umso wichtiger wäre es nach Ansicht des Ortsvorstehers, wenn über den Fahndungsaufruf der Polizei in Erfahrung gebracht werden könnte, wer für die Manipulation an dem Karussell verantwortlich ist. "Ich will mir nicht ausmalen, was alles hätte passieren können."Ursula Roos