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Einmal durchatmen mit den LiebstenGratz kann sich nur in Honzrath vor Seger setzenEin weitgehend ruhiger Tag für die WahlhelferUm 18.24 Uhr waren alle Stimmen ausgezählt

Einmal durchatmen mit den LiebstenGratz kann sich nur in Honzrath vor Seger setzenEin weitgehend ruhiger Tag für die WahlhelferUm 18.24 Uhr waren alle Stimmen ausgezählt

Kurz vor dem Mittagessen werden es nun doch etwas mehr Wähler, die zur Stimmabgabe in eines der drei Wahllokale in der Düppenweiler Grundschule kommen. Erhard Seger hat einige Hände zu schütteln, wird vielfach gegrüßt, als er gemeinsam mit seiner Frau Brunhilde dort seine Stimme abgibt

Kurz vor dem Mittagessen werden es nun doch etwas mehr Wähler, die zur Stimmabgabe in eines der drei Wahllokale in der Düppenweiler Grundschule kommen. Erhard Seger hat einige Hände zu schütteln, wird vielfach gegrüßt, als er gemeinsam mit seiner Frau Brunhilde dort seine Stimme abgibt. Der Amtsinhaber gibt sich gelassen, räumt aber ein: "Man ist immer angespannt vor einer Wahl" - da helfen auch fast 40 Jahre Erfahrung in der Kommunalpolitik nichts. Allerdings, so empfindet es der amtierende Bürgermeister, der auch der zukünftige bleiben möchte, liege weniger Wechselstimmung in der Luft als bei der letzten Wahl 2003. Trotzdem habe er sich in den zurückliegenden Wochen nichts geschenkt, mit einem Team von über 100 Helfern noch einmal einen intensiven Wahlkampf betrieben. "Man darf sich keinesfalls zurücklehnen und denken, das wird schon reichen. Wenn die Leute das Gefühl bekommen: Dem ist alles egal - das kann fatal enden", sagt Seger.Diese Wahl sei nach gut 40 Jahren in der Kommunalpolitik für ihn persönlich die letzte, an der er aktiv beteiligt ist, und die wolle er mit Erfolg abschließen, bekräftigt der CDU-Amtsinhaber. Schon weit über zwei Monate vor dem Wahlkampf haben seine Helfer in allen Ortsteilen Plakate mit Segers Konterfei aufgehängt, es gab neben den Ortsbesuchen eine mehrseitige Wahlkampf-Broschüre und zuletzt, am Tag vor der Wahl, noch einen persönlichen Wahlbrief von ihm, der allen Haushalten zugestellt wurde. "Dazu kamen zahlreiche persönliche Gespräche mit Bürgern bei allen möglichen Anlässen", listet der Amtsinhaber auf. Den Rest des Wahltages werde er eher zurückgezogen im Kreis der Familie verbringen, um noch etwas zu entspannen, bekennt der Amtsinhaber. "Heute Morgen waren wir mit der ganzen Familie noch auf der Kindergartenfeier in Hargarten, am Nachmittag werde ich noch kurz auf dem Weihnachtsmarkt in Beckingen vor dem Rathaus vorbeischauen." Wenn die Wahl mit einem Erfolg für den Amtsinhaber endet, dann werde es noch am gleichen Abend eine Feier für alle Helfer in der Düppenweiler Mehrzweckhalle geben, verrät Seger. "Aber das wird spontan und kurzfristig erst dann organisiert, wenn wirklich alles klar ist."

Die Stimme zur Wahl abgeben, das ist für Joachim Gratz an diesem Sonntag eine Familien-Angelegenheit: Der SPD-Kandidat hat nicht nur Ehefrau Wilma, sondern auch seine beiden Töchter Annick und Nadine mit ins Wahllokal nach Honzrath gebracht. Kämpferisch wie gewohnt gibt sich der SPD-Herausforderer: "Ich habe in der Nacht vor der Wahl sehr gut geschlafen, ich habe nichts zu verlieren, kann vielmehr nur gewinnen", findet Gratz. Dass er einen "Wahlkampf light" ohne Hausbesuche und Stippvisiten in allen Ortsteilen geführt habe, sei die einzig richtige Entscheidung gewesen, findet der SPD-Kandidat: "Die Zeit, die uns zwischen dem Beschluss des Wahltermins und dem Wahltag selbst gelassen wurde, war viel zu kurz, um einen Häuserwahlkampf zu führen", sagt Gratz.

Dennoch ist der SPD-Herausforderer überzeugt, das Beste aus seiner Kandidatur gemacht zu haben. "Die Partei hat wie ein Mann hinter mit gestanden." Auch bei Gratz waren über 100 Helfer im Einsatz, um seine Plakate in den Ortschaften der Gemeinde aufzuhängen und seine beiden Infobroschüren an die Haushalte zu verteilen. Positiv überrascht habe ihn, wie der SPD-Kandidat erzählt, der starke Zulauf beim SPD-Infostand in Düppenweiler, wo er am Tag vor der Wahl noch einmal für seine Person und seine Ziele warb. "Das ist immerhin der Heimatort des Amtsinhabers", sagt Gratz. Dass der Wahlkampf sich auch im Privatleben niedergeschlagen habe, bestätigt Ehefrau Wilma: "Natürlich spricht man darüber. Aber ich muss zugeben, er ist eigentlich weniger nervös als ich gewesen - anders, als es sonst eigentlich ist." Der Rest dieses Sonntags bis zur Stimmauszählung ist der Familie vorbehalten, erklärt der SPD-Kandidat. "Wir gehen jetzt erst mal gut essen und werden dann den Nachmittag zusammen verbringen." Gegen 17.30 Uhr will er sich im Wahllokal seines Heimatortes einfinden, um dort die Auszählung verfolgen - "das interessiert mich doch, wie 'meine' Honzrather abgestimmt haben", sagt Gratz. Danach geht's ins Beckinger Rathaus. Und wenn am Abend alle Stimmen ausgezählt sind, werde er mit seinen Helfer, Unterstützer, Freunde und Sponsoren im Honzrather Kathreinenkeller eine Wahlparty feiern, sagt Joachim Gratz - unabhängig von Ausgang der Wahl. Beckingen. Er läuft eher zäh an, dieser in ein weißes Winterkleid gehüllte Wahlsonntag in Beckingen. Ob es am Winterwetter liegt oder an einer verbreiteten Wahl-Unlust - der Strom der Wähler zu den Urnen ähnelt den ganzen Tag lang mehr einem Rinnsal. "Wir waren die ersten zwei Stunden nach Öffnung der Wahllokale weitgehend unter uns", sagt der Ortsvorsteher von Oppen, Ralf Selzer, im Wahllokal im Saal Grotenburg. Am späten Vormittag kommen dann zwar etwas mehr Bürger zur Stimmabgabe, dennoch dauert es lange, bis dort die Wahlbeteiligung die 20-Prozent-Marke erreicht. Ein ähnliches Bild wenige Kilometer weiter, im Nachbarort Reimsbach: "Wir haben gerade die 20 Prozent übersprungen", bilanziert Wahlhelfer Peter Ehl gegen 12 Uhr. Sein Mitstreiter Heinz Gratz gibt sich pessimistisch, erwartet nicht, dass der Ansturm auf die Urnen im weiteren Verlauf des Tages noch zunimmt.

Erster Wähler kam um 8

"Ich glaube nicht, dass wir heute über 50 Prozent kommen", meint Gratz. Immerhin, sagt Ortsvorsteher Axel Kläser, dürfte der Ort einen der frühesten Wähler dieses Tages verzeichnet haben: "Unser Pastor war heute Morgen um acht schon da." In Erbringen hat zur Mittagszeit etwa jeder Vierte der 780 Wahlberechtigten seine Stimme abgegeben. "Früher hatten wir nach der Messe um halb neun stets 20 bis 30 Leute, die zur Wahl gekommen sind, heute waren es nur zehn. Das macht schon was aus", erläutert Hubert Schwinn, früherer Ortsvorsteher und an diesem Sonntag als Ortsratsmitglied im zehnköpfigen Wahlhelferteam dabei. Eher ruhig geht es auch in den Wahllokalen in Honzrath und Düppenweiler, den Heimatorten der beiden Kandidaten zu.

Viele bleiben zu Hause

"Wir sind, über den Tag verteilt, mit knapp 30 Wahlhelfern im Einsatz", erläutert der Düppenweiler Ortsvorsteher Thomas Ackermann. Sein Ort, der zweitgrößte in der Gemeinde, ist in drei Wahlbezirke eingeteilt, für die aber allesamt das Wahllokal in der Grundschule eingerichtet ist. Ob an diesem Tag wieder die hohe Wahlbeteiligung von über 70 Prozent von der letzten Bürgermeisterwahl erreicht werden kann, sieht Ackermann eher skeptisch - "wobei hier traditionell viele Leute zur Wahl gehen".

Auch in Hargarten, dem kleinsten Ort der Gemeinde mit rund 480 Wahlberechtigten, verleben die Helfer einen ruhigen Tag. "Wir liegen bei knapp 40 Prozent Beteiligung", zieht Herbert Dewes, Wahlbeauftragter der Gemeinde, in der Weidentalhalle rund drei Stunden vor Schließung des Wahllokals Bilanz. "Da müssten noch eine Menge Leute kommen, damit wir bei 60 Prozent landen." cbe

Beckingen. Bei der Bürgermeisterwahl in Beckingen hatte Amtsinhaber Erhard Seger in fast allen Ortsteilen die Nase vorn. Dies zeigt ein Blick auf die genauen Resultate aus den einzelnen Orten. Lediglich in Honzrath, wo SPD-Kontrahent Joachim Gratz auch Ortsvorsteher ist, lag der SPD-Kandidat mit 462 Stimmen (60,9 Prozent) gegenüber 297 für Seger (39,1 Prozent) vor dem CDU-Amtsinhaber. Relativ knapp war es auch in Hargarten, wo der Vorsprung Segers lediglich zehn Stimmen betrug.

Einen überdeutlichen Sieg fuhr Erhard Seger dafür in seinem Wohnort Düppenweiler ein: Mehr als 78 Prozent der Wähler stimmten dort für Seger, sein Vorsprung gegenüber dem SPD-Kandidaten lag absolut bei mehr als 700 Stimmen. (Seger 1083, Gratz 300). Deutliches Ergebnis in Beckingen: Zwei Drittel der Wähler (1102 Stimmen) entschieden sich hier für den Amtsinhaber, Gratz erreichte 558 Stimmen. Eine klare Sache war die Wahl in Erbringen, wo Erhard Seger geboren wurde: 75,8 Prozent der Wähler stimmten hier für ihn, in absoluten Zahlen: 317 zu 101 Stimmen.

Ähnlich klar fiel das Resultat in Saarfels aus: Auch hier konnte der amtierende Bürgermeister drei Viertel aller Stimmen auf sich vereinen. Das Wahlergebnis in Oppen kam dem Gesamtresultat am nächsten: 64,8 Prozent votierten hier für Erhard Seger (295 Stimmen), Joachim Gratz kam auf 35,2 Prozent (160 Stimmen).

Nicht ganz so deutlich wurde es für den Amtsinhaber im drittgrößten Ortsteil Reimsbach: Hier vereinte Erhard Seger 531 Stimmen auf sich, Joachim Gratz kam auf 376 Stimmen - in Prozenten ausgedrückt hatte der Amtsinhaber mit 58,5 Prozent die Nase vorn. cbe

18.01 Uhr: Als einer der ersten betritt der Mettlacher CDU-Fraktionsvorsitzende Bernhard Schneider das Foyer des Beckinger Rathauses, wo die später eingehenden Ergebnisse auf eine Leinwand übertragen werden.

18.04 Uhr: Die SPD-Kreisvorsitzende Anke Rehlinger und SPD-Gemeindeverbandschef Stefan Krutten schlendern über den Weihnachtsmarkt, der vor dem Rathaus aufgebaut ist und betreten das Foyer kurz darauf.

18.08 Uhr: Die stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende Helma Kuhn-Theis betritt das Rathaus.

18.11 Uhr: Das erste Ergebnis kommt herein: Hargarten hat am schnellsten ausgezählt. Hier hat Erhard Seger mit 128 zu 118 Stimmen die Nase vorn.

18.13 Uhr: Als zweites ist einer der beiden Wahlbezirke von Haustadt fertig ausgezählt. Hier bestätigt sich der positive Trend für Seger: 184 Stimmen für ihn, 117 für Joachim Gratz.

18.14 Uhr: Saarfels meldet das dritte Einzelergebnis für diesen Abend. Und es ist überdeutlich: Erhard Seger liegt mit 264 Stimmen klar vor Gratz (82 Stimmen).

18.18 Uhr: In rascher Folge sind weitere Einzelergebnisse aus Düppenweiler und Reimsbach eingegangen. Nachdem rund ein Drittel der Wahlbezirke ausgezählt ist, hat sich die Wahlbeteiligung bei etwas über 50 Prozent eingependelt, Erhard Seger hat zu diesem Zeitpunkt fast doppelt so viele Stimmen wie sein Herausforderer.

18.21 Uhr: Das Honzrather Ergebnis liegt vor - ein Trost für Joachim Gratz: Wenigstens in seinem Heimatort hat er die Nase vorn, kommt auf 462 Stimmen gegenüber 297 für Seger.

18.23 Uhr: Kurz hintereinander sind die Ergebnisse aus Oppen sowie aus weiteren Wahlbezirken in Beckingen und Düppenweiler eingegangen. Nur Erbringen hat noch kein Ergebnis gemeldet.

18.24 Uhr: Jetzt kommt auch das Erbringer Ergebnis herein, und es macht Segers Triumph perfekt: Er kommt auf 4437 Stimmen (64,7 Prozent), gegenüber 2418 (35,3 Prozent) für den SPD-Kandidaten Joachim Gratz.

18.40 Uhr: Wahlleiter Gustav Brandstätter gibt das vorläufige amtliche Endergebnis bekannt und gratuliert dem alten und neuen Bürgermeister zum Sieg. "Man ist immer angespannt vor einer Wahl."

Erhard Seger

"Ich habe nichts zu verlieren, kann nur gewinnen."

In Düppenweiler: Erhard Seger (Mitte) und Ehefrau Brunhilde.
In Honzrath: Joachim, Nadine, Annick und Wilma Gratz (von rechts).

Joachim Gratz