Düppenweiler: Ministerpräsident Hans stellte sich den Fragen der Bürger

Düppenweiler : Dicke Luft und erhitzte Gemüter beim Dialog mit Tobias Hans

Er betritt die Halle wie ein Boxer, selbstsicher, mit Applaus und erst nach einer Ansage: Tobias Hans. Da passt es nur zu gut, dass die Ränge in der Sporthalle Düppenweiler um ein blaues Quadrat arrangiert sind, das durchaus wie ein Ring wirkt.

Eine passende Manege für den Kampf, dem Hans sich hier stellt: dem verbalen Schlagabtausch mit den Bürgern der Gemeinde. Die sommerlichen Temperaturen hatten die Sporthalle über den Tag hinweg ordentlich aufgeheizt, sodass es gleich in zweierlei Hinsicht zu einer hitzigen Debatte kam. Doch der Ministerpräsident bewahrte einen kühlen Kopf, ließ sich auch dann nicht aus der Ruhe bringen, wenn er unterbrochen wurde oder wenn einer der Besucher gleich drei Fragen stellte, sodass kaum mehr Zeit für eine Antwort blieb.

Hans hatte an diesem Abend zum Saarland-Dialog eingeladen, einer Veranstaltungsreihe, in der die Bürger die Gelegenheit haben sollen, mit dem Ministerpräsidenten ins Gespräch zu kommen. Düppenweiler war die letzte Station der Veranstaltungsreihe (siehe im Interview links). Rund 80 Menschen waren der Einladung in die Sport- und Kulturhalle gefolgt.

Die Künstlerin Sandra Schulze aus Heidelberg malte während der gesamten Diskussion mit und hielt somit den Verlauf der Debatte in Düppenweiler fest. „Graphic Recording“ nennt sich dieser Stil, bei dem der Künstler quasi ein bildliches Protokoll erstellt. Foto: Martin Trappen

Die erste Frage aus dem Publikum widmete sich dem Thema 5G und der damit einhergehenden Strahlenbelastung. Hans selbst habe gefordert, dass alle Funklöcher im Saarland geschlossen werden. Ob ihm klar sei, was er damit all den Menschen zumute, die unter den Mobilfunkstrahlen leiden? Hans räumte ein, dass alle Strahlung schädlich sei, und dass es Menschen gebe, denen diese Strahlung zu schaffen mache. „Aber die Mehrheit der Bürger will eine bessere Netzanbindung und daher stehe ich nach wie vor dafür ein, dass alle Funklöcher geschlossen werden“, betonte der Ministerpräsident. Eine bessere Internetverbindung könne auch der Umwelt zugutekommen, wenn ein Arbeitnehmer beispielsweise von zuhause aus arbeiten kann.

Die Umwelt stand bei der zweiten Frage im Vordergrund. Es ging um die Fridays-for-Future-Bewegung, bei der Schüler die Schule schwänzen und auf die Straße gehen, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren. Was halte er von der Bewegung und wie wolle er die Schüler unterstützen? Er respektiere, dass die Schüler friedlich protestieren, sagte Hans. Es sei ein gutes Zeichen, dass sich junge Menschen um ihre Zukunft sorgen. „Ich werde alles daran setzen, dass wir unsere Klimaziele erreichen, auch wenn uns das vor große Herausforderungen stellt“, erklärte der Ministerpräsident. Doch er wies auch darauf hin, dass diese Ziele niemals erreicht werden können, wenn man versuche, es allen recht zu machen. „Das entscheidende Problem ist, dass es viel zu teuer ist, umweltfreundlich zu sein. Ein Flug von München nach Berlin ist beispielsweise viel günstiger als eine Zugfahrt zwischen den beiden Städten. Wie soll man den Menschen da ein klimaneutrales Verhalten näherbringen?“ Es müsse erreicht werden, dass es günstiger ist, klimaneutral zu handeln als klimaschädlich. „Und das muss für alle gelten: Der junge Mann in der Großstadt muss sich ein klimaneutrales Leben ebenso leisten können wie die alte Frau auf dem Land. Wenn das nicht gegeben ist, dann haben wir versagt“, konstatierte Hans.

Welche Konsequenzen lassen sich aus dem schlechten Ergebnis seiner Partei bei der Europawahl ziehen? Das wollte ein weiterer Bürger wissen. Er sei an diesem Abend nicht als CDU-Politiker hier, betonte Hans, gestand aber dennoch ein, dass die klassischen Volksparteien trotz einer hohen Wahlbeteiligung daran gescheitert seien, vor allem die jungen Wähler mitzunehmen. „Wir haben nicht richtig mit den jungen Menschen kommuniziert. Die einen stellen ihre Fragen an die Politiker lieber an einem Abend wie diesem hier, die anderen stellen sie lieber auf Facebook. Beide haben ein gleiches Recht auf eine Antwort. Wir müssen alle mitnehmen, on- wie offline“, so Hans.

Was sagt er dazu, dass dem Saarland die Fachkräfte davon laufen, wollte ein anderer Diskussionsteilnehmer wissen. Der Ministerpräsident warf ein, dass das Land nach wie vor eine hohe Dichte an Fachärzten und Apotheken aufweisen könne, räumte aber auch ein, dass tatsächlich Fachkräfte verlorengehen. „Auch hier kommt die Digitalisierung ins Spiel. Diese müssen wir noch stärker voranbringen. Ich will, dass vor allem Tech-Firmen im Saarland investieren, schließlich sind wir doch das Land der KI“, erklärte Hans. Ob er in Sachen Künstlicher Intelligenz keine moralischen Bedenken habe, wollte ein anderer Bürger wissen. An die Maschine müssten genau dieselben Bedingungen gestellt werden wie an den Menschen, bekräftigte Hans. Ein anderer warf kritisch ein, dass Deutschland in Sachen Internetanbindung und Netzabdeckung dem Rest Europas hinterherhinke. „Wie wollen wir denn 5G voranbringen, wenn wir nicht einmal 4G richtig umsetzen können? Das ist ein Trauerspiel“, monierte er. Der Ministerpräsident räumte ein, dass die 4G-Netze nicht so ausgebaut seien, wie sie sein sollten. „Das kabelgebundene Netz ist dank Glasfaser im Saarland aber so stark ausgebaut wie sonst nirgends.“

Kritisch hinterfragte auch ein junger Diskussionsteilnehmer, was der Ministerpräsident tun wolle, um den Industriestandort Saarland in Zukunft zu erhalten. Dabei betonte Hans, dass er alles dafür tun werde, auch die Stahlindustrie im Land zu erhalten. Denn auch wenn diese von Umweltschützern immer wieder kritisiert werden, werde selbst die Schwerindustrie in Deutschland immer grüner. „Es soll auf keinen Fall so kommen, dass Deutschland de-industrialisiert wird und dass die Menschen dann in andere Länder abwandern, um dort Arbeit zu finden“, betonte der Ministerpräsident. In der letzten Frage wurde der Lehrermangel an saarländischen Schulen angesprochen. Er setze alles daran, diesen zu bekämpfen, bekräftigte Hans.

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