Dirigent im Fußballtrikot

Reimsbach. "Ich hatte schon immer zwei Herzen in meiner Brust", sagt Walfried Kläser, "ein sportliches und ein musikalisches". Mit acht Jahren bekam der Reimsbacher seine erste Trompete und ist bis heute dabei geblieben. "Nach dem Krieg waren die Vereine fast ganz weg", erinnert sich der heute 72-Jährige zurück

Reimsbach. "Ich hatte schon immer zwei Herzen in meiner Brust", sagt Walfried Kläser, "ein sportliches und ein musikalisches". Mit acht Jahren bekam der Reimsbacher seine erste Trompete und ist bis heute dabei geblieben. "Nach dem Krieg waren die Vereine fast ganz weg", erinnert sich der heute 72-Jährige zurück. Und so baute er als Jugendlicher 1952 den Musikverein Reimsbach-Oppen wieder neu auf. In den kommenden Jahren pendelte Walfried Kläser stets zwischen dem Musikverein und seiner Leidenschaft zum Fußball hin und her. Konzert-Probe am Sonntagvormittag und ein Fußball-Spiel um 14 Uhr? Kein Problem, Kläser schaffte es. Und er erinnert sich noch gut an jenen Tag, als der neue Sportplatz eingeweiht wurde und er die Kapelle bei den Feierlichkeiten dirigierte - wohlgemerkt im Fußballtrikot, denn nach dem Konzert ging es für ihn direkt auf den Platz. Und die Musik hat ihm auch die Liebe gebracht: Während seiner Zeit in der Tanz-Kapelle Edelweiß lernte er auf einem Fest seine jetzige Frau kennen.1959 machte Walfried Kläser seine erste Dirigenten-Prüfung. Ab 1975 war er über 20 Jahre Dirigent des Vereins, auch von der Jugendkapelle. Eigentlich hatte er sich 1997 zurückziehen wollen, war beruflich durch seine Arbeit bei der Knappschaft in Cottbus, aber 2002 konnte er nicht "Nein" sagen, als in Düppenweiler ein Dirigent gesucht wurde. Zahlreiche Auszeichnungen und Urkunden in seinem Haus zeugen vom Engagement des jetzigen Rentners. Seine musikalischen Tätigkeiten haben ihn auch schon nach Amerika und Kanada gebracht.Sehr ernst genommen hat Kläser stets die Arbeit mit den jungen Leuten im Verein. Und das nicht nur bei der Ausbildung, sondern auch auf der Bühne. "Es ist oft schwer, jung und alt zusammenzuführen, weil die Vorstellungen sehr unterschiedlich sind", sagt er. Aber er macht es gern: "Die Arbeit mit den Jugendlichen hält mich jung." Doch über das Dirigieren und Unterrichten hat Kläser seine eigene musikalische Tätigkeit nie vernachlässigt. Noch heute übt er mehrmals pro Woche an der Trompete, spielte in Cottbus in einer Jägerblashorngruppe, für die er eigens ein Waschbär-Signal komponierte. Seit zehn Jahren spielt er zudem in der böhmischen Blaskapelle Die Oldies. Doch die ehrenamtliche musikalische Tätigkeit reicht Walfried Kläser nicht aus. Seit 1987 ist er Schiedsmann im Bereich Reimsbach-Oppen und hat bisher in fast 100 Fällen versucht zu vermitteln. "Schlichten heißt nicht richten" ist dabei sein Motto, "ich versuche nur, die Parteien zusammen zu führen. Und wenn ich schlichten konnte, bin ich immer sehr zufrieden". In etwa 60 Prozent der Fälle konnten sich bisher die Beteiligten dank Kläser den Gang zum Anwalt sparen. www.ich-lebe-gern-in.de "Die Arbeit mit den Jugendlichen hält mich jung."Walfried Kläser