Die Kraniche ziehen wieder

Seit vergangener Woche lassen sich die Zugvögel auch überm Grünen Kreis beobachten.

Nachdem der Winter sich nun etwas milder gezeigt hat, kommt es zum Massenaufbruch der Kraniche aus ihren Quartieren im Süden. Zehntausende warten abflugbereit in der Champagne, einige Tausend sind bereits losgeflogen. Seit vergangener Woche lassen sich die so genannten Glücksvögel auf den Zugrouten auch bei uns beobachten. Wer die zahlreichen Rückkehrer nicht auf den ersten Blick entdeckt, wird spätestens bei den trompetenartigen Rufen der Zugvögel den Blick gen Himmel richten.

"Derzeit nutzen die Kraniche alle Zugkorridore aus", weiß Karl Rudi Reiter aus Beckingen, der stellvertretende Landesvorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Saarland. "Die Hauptstränge liefen bisher von Frankreich via Belgien und Luxemburg beiderseits der Mosel über Eifel und Hunsrück, dann weiter in der mehr nördlichen Teilroute. Dazu kam in derzeit noch geringerer Stärke eine Route aus dem Saarland über das Pfälzer Bergland." In Westeuropa überwinterten dieses Jahr laut Reiter über 400 000 Kraniche. Nach Angaben des gemeinsamen Kranichschutzzentrums von Nabu und WWF entfiel der größte Teil auf Spanien, wo im Januar 255 000 Kraniche gezählt wurden. Weitere 10 000 überwinterten "gleich nebenan" in Portugal. Der Winterbestand in Frankreich addierte sich auf 133 000, während gut 5000 in Deutschland verblieben waren.

Kraniche sind flexibel, weiß Reiter: "Als große Vögel frieren sie nicht so leicht, und kommen Frost und Schnee ganz heftig, können sie leicht innerhalb von ein bis zwei Tagen in mildere Gegenden ausweichen." Solche Ausweichbewegungen in die eine oder in die andere Richtung lassen sich daher im Winter öfter beobachten.

"Der Massenaufbruch aus den Winterquartieren hat noch nicht stattgefunden. In der spanischen Extremadura wurden vor Kurzem noch 130 000 Kraniche gezählt - und damit genauso viele wie an Weihnachten. Weitere 100 000 Kraniche überwintern in verschiedenen Regionen Frankreichs. Immerhin sind die Rastbestände am Lac du Der-Chantecoq in der Champagne binnen Wochenfrist bereits von 20 000 auf 34 000 Vögel gestiegen. Von dort ist es nicht mehr weit bis Deutschland und von dort sind sicher auch die jetzt bei uns zu beobachtenden Kraniche gestartet", erläutert der Nabu-Mann.

Auf ihrer Reise in die Brutreviere Deutschland überfliegen die Tiere nach Reiters Angaben einen rund 150 Kilometer breiten Korridor, in dem sich auch das Saarland befindet. "Nur ein kleiner Teil der Kraniche brütet auch in Deutschland. Die meisten ziehen weiter nach Skandinavien." Seinen Höhepunkt erreiche der Frühjahrszug der Kraniche bei normaler Wetterlage in der zweiten Märzhälfte. Im Vergleich zum Herbstzug sei der Frühjahrszug jedoch schwierig vorherzusehen und verläuft viel stärker verstreut. Denn: "Beim Frühlingszug gibt es keine großen, einheitlichen Rastgebiete", sagt Reiter. Große Ansammlungen an den deutschen Rastplätzen seien eher die Ausnahme. Die skandinavischen Vögel zögen rasch weiter, die hiesigen Brutvögel begännen direkt mit der Balz und flögen ihre Reviere an.