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Die Geschichte der historischen Grenze zwischen Oppen und Reimsbach

Erläuterungen bei der Grenzsteinfeier : Als der Schmuggel zwischen zwei Dörfern florierte

So manche Geschichten ranken sich um die historische Grenze zwischen Oppen und Reimsbach, die gewachsene Struktur zerschnitt.

Nähere Erläuterungen zur historischen Grenze gab der Fachmann Franz Müller vom Kreisheimatverein. Nach seinen Ausführungen, die er aus Zeitzeugenberichten, der Oppener Heimatchronik und dem Band „Beckingen im Wandel der Zeit“ gewonnenen hat, war die von 1920 bis 1935 zwischen den beiden Dörfern und Staaten verlaufende Grenze ein Ergebnis des Versailler Vertrages von 1920. Reimsbach gehörte danach zum Saargebiet, einem völlig neuen Gebilde. Das Saarbecken (Bassin de la Sarre) wurde von Deutschland abgetrennt und unter die Verwaltung des Völkerbundes mit einer neutralen Regierungskommission (ReKo), bestehend aus fünf internationalen Kommissaren, davon ein französischer für wirtschaftliche Angelegenheiten, gestellt. Oppen blieb beim deutschen Reich (Preußen).

Die Grenze zerschnitt gewachsene Strukturen. So mussten sie die vielen Oppener Bergleute und Hüttenarbeiter (sogenannte Saargänger) auf dem Weg von und zur Arbeit passieren. Da Oppen zur Pfarrgemeinde Reimsbach gehört, führte auch jeder normale Kirchgang, jeder Gang zu einer Hochzeit, Taufe oder Beerdigung, über den Grenzübergang. Die traditionelle Fronleichnamsprozession bewegte sich weiterhin von Reimsbach nach Oppen und zurück.

Von 1920 bis 1925 herrschte im Saargebiet Zollfreiheit. Da der Franken eine stabile Währung war, kamen viele zum günstigen Einkauf in das Deutsche Reich. Nach fünf Jahren Zollfreiheit schlossen sich 1925 die Schranken zwischen dem Saargebiet und dem Reich, aber die Grenze zwischen Frankreich und dem Saargebiet wurde geöffnet. Damit war dieses wirtschaftlich an Frankreich angeschlossen und die Grenze zwischen Oppen und Reimsbach wurde zollrechtlich auch eine zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich.

Die Anzahl der Zöllner wurde auf beiden Seiten erhöht und sie waren verpflichtet, die Einhaltung der Regeln strikt zu kontrollieren.  Aus dem Reich wurden Fleisch-, Wurstwaren, Butter, Reis und Haushaltswaren aus Metall, Schneiderutensilien, Stoffe, Metallwerkzeuge, Ferkel und lebendes Geflügel von den französischen Zollbeamten mit einem Einfuhrzoll belegt, verbaten die deutschen Kollegen die Einfuhr von Süßigkeiten, Rotwein und Zigaretten.

Es blühte der Schmuggel, der für viele Arbeitslose eine wichtige Einnahmequelle bildete. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Oppener Kinder gingen sonntags in neuen Kleidern zum Hochamt nach Reimsbach und in alten Sachen zurück. Lebensmittel wurden in Frauenkleidern eingenäht. Es wurde auch professionell geschmuggelt, wobei man die Kontrollgänge der Zöllner ausspionierte. Das Schmuggeln war nicht ungefährlich, denn die Zöllner besaßen Waffen, die eingesetzt werden durften.

Im Januar 1935 sprach sich die Bevölkerung des Saargebietes mit großer Mehrheit zum Beitritt in das Deutsche Reich aus, womit  die lästige Grenze zwischen Oppen und Reimsbach wegfiel.  Zeugen der Zeit sind noch erhalten: der Grenzstein 520 A auf dem kleinen Potsdamer Platz im Lückner, die Zollhäuser in Oppen (das spätere Wohnhaus Petry) als Wohn- und Bürogebäude sowie in Reimsbach als Unterkünfte der Zollbeamten, das spätere Wohnhaus von Schneidermeister Johann Müller in der Nähe der beim Haus Feith verlaufenden Grenze und das heute noch im Volksmund als Zollhaus bezeichnete Wohngebäude in der Schützenstraße. Ein Überbleibsel aus der Grenzzeit ist auch die Verlagerung der Pfingstkirmes, die eigentlich Oppener Kirmes war, nach Reimsbach.