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Die Bewahrer der saarländischen Identität

Die Bewahrer der saarländischen Identität

Die SZ begleitet auch dieses Jahr die ARD/SR-Themenwoche mit Eigenbeiträgen. Dieses Mal lautet das Thema „Heimat“. Der zweite Teil widmet sich Menschen, die die Saar-Geschichte lebendig halten.

"Heimat ? Das ist für die meisten Menschen einfach etwas Selbstverständliches", sagt Werner Reinert, seit 1995 Vorsitzender des Heimatvereins Honzrath. 70 Mitglieder zählt der Verein, etwa die Hälfte davon bringt sich regelmäßig mit ein. "Unsere Aufgaben sehen wir natürlich in der Bewahrung der örtlichen Identität und der Mundart. Darum bringen wir auch das ‚Heimatblatt' mit Nachrichten der Region heraus", erklärt Reinert. Man engagiere sich für die berühmten Felsenkeller, habe einen Wanderweg eingerichtet und die Kalkbrennerhütte renoviert. Die Alterspyramide der Mitglieder steht aber auf dem Kopf. Nachwuchs ist Mangelware. "Wir versuchen mit Veranstaltungen, an die jüngeren Menschen heranzukommen", sagt Reinert, "das ist aber sehr schwierig." Ein Eindruck, den Annette Bost, Leiterin des Quierschieder Dorfmuseums, nur begrenzt teilen kann.

Das Museumspublikum sei gemischt, sagt Bost, der Schwerpunkt liege bei den "Mittelalten. Aber wir haben natürlich auch Schulklassen und zuletzt sogar einen Kindergeburtstag." Auf drei Etagen in einem ehemaligen Bergmannshaus werden Themen der Industrialisierung wie die Geschichte der Eisenschmelze, der lokalen Glashütte oder des Bergbaus ebenso präsentiert wie eine vielfältige Sammlung von Gegenständen des dörflichen Alltagslebens. "Bei vielen Besuchern steht derzeit der Einblick in die Industriekultur im Mittelpunkt", sagt Bost, die seit fast zwölf Jahren das Heimatmuseum leitet, "aber das sind immer Wellen. Auch das Interesse an Strick- und Häkel-Utensilien oder Gerätschaften zum Sauerkraut-Einlegen kommen wieder."

Sein Dorfmuseum schließen musste der Heimatverein Bachem vor einigen Jahren - die Grundschule brauchte die Räume. Fast 300 Mitglieder hat der Verein, der im jährlichen Wechsel das Kauzenfest oder ein Mundart-Theaterstück veranstaltet. Auch Tagestouren unter dem Motto "Kuck un schluck" gehören zum Angebot. "Wir pflegen darüber hinaus eine Partnerschaft zur Bürgergemeinschaft Bachem an der Ahr", erzählt der Vorsitzende Werner Denis von gegenseitigen Besuchen und von Heimatbüchern, die man herausgebracht hat. Als 1975 in der Nähe von Bachem römische Münzen gefunden wurden, war das die Geburtsstunde des Heimatvereins.

Auch in Bachem will man die Identität des Ortes und seiner Gemeinschaft bewahren. "Seit diesem Jahr haben wir einen Jugendbeauftragten", berichtet Denis, wie man in Bachem der Nachwuchsproblematik begegnet: "Er spricht auf Veranstaltungen gezielt junge Leute an. Die ersten Erfolge sind schon zu sehen. Wir haben einige jüngere Mitglieder gewinnen können."

Heimat , da sind sich Annette Bost, Werner Reinert und Werner Denis einig, ist mehr als das Stück Erde, auf dem man sich befindet. Es sei "ein Gefühl der Verbundenheit der Menschen untereinander mit ihrem Ort".

Zum Thema:

An diesem Dienstag geht das SR-Servicemagazin "bonus" ab 18.50 Uhr im Rahmen der Themenwoche dem neuen Trend zu regionalen Produkten nach und zeigt, dass diese regionalen Produkte auch für Exil-Saarländer in der Ferne ein Stück Heimat vermitteln. Das ganze Programm der ARD/SR-Themenwoche findet sich im Internet unter www.sr-online.de/themenwoche oder im Videotext des SR-Fernsehens. red