1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Beckingen

Der aus Haustadt stammende Moraltheologe Johannes Reiter ist verstorben

Moraltheologe aus Haustadt verstorben : Eine Stimme mit Gewicht auf dem Gebiet Bioethik ist verstummt

Der aus Haustadt stammende Moraltheologe und Mainzer Hochschul-Professor Johannes Reiter ist vor wenigen Tagen im Alter von 76 Jahren verstorben.

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist der aus Haustadt stammende Mainzer Moraltheologe und Bioethiker Professor Johannes Reiter am 28. Dezember 2020 im Alter von 76 Jahren verstorben. Er erblickte in dem Beckinger Ortsteil am 22. April 1944 das Licht der Welt und ist, obwohl er durch Studium und Beruf schon lange aus der Tal-Gemeinde weggezogen war, auch heute noch vielen älteren Mitchristen der Pfarrei Haustadt-Honzrath als langjähriger Obermessdiener in der auf der Anhöhe gegenüber seinem Elternhaus stehenden großen Pfarrkirche „St. Mauritius“ bestens bekannt.

Dort diente er in den 1950/60er Jahren den beiden Pfarrern Martin Neurohr und Rudolf Müller als eifriger Ministrant und Lektor, ehe er Ingenieurswissenschaften in Trier studierte. Nach seinem Abschluss begann er an der dortigen Theologischen Fakultät sein Studium der Katholischen Theologie und beendete dieses nach einem Studienaufenthalt an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit einem Diplom. Dann folgten die Promotion zum Doktor der Theologie im Jahre 1977 in Trier und im Jahre 1983 die Habilitation im Fach Moraltheologie in Mainz.

Im Jahre 1984 erhielt er den Ruf auf einen Lehrstuhl für die Universitätsprofessur für Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der dortigen Johannes-Gutenberg-Universität, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2009 lehrte und forschte. Professor Reiter hat sich als international anerkannter Experte vor allem im Bereich der Bioethik einen Namen erworben. So war er Mitglied in bedeutenden Gremien, wie mehrfach in Enquetekommissionen des Deutschen Bundestages zu Gentechnik und Medizinethik, der Bioethikkommission des Landes Rheinland-Pfalz, der zentralen Ethikkommission der Bundesärztekammer, der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz, der päpstlichen Akademie für das Leben, der Internationalen Theologenkommission, der Akademie für Ethik in der Medizin und der Arbeitsgemeinschaft für Gen-Diagnostik. Er hat mehr als 500 Aufsätze und wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht.

Zu seinen wichtigsten Werken gehören Schriften wie „Menschliche Würde und christliche Verantwortung“, „Der Schein des Anstoßes, Schwangerschaftskonfliktberatung nach dem Papstbrief“, „Die genetische Gesellschaft, Handlungsspielräume und Grenzen“, und „Orientierung finden: Ethik der Lebensbereiche und „Christliches Ethos und Lebenskultur“.

Für sein ehrenamtliches Engagement in zahlreichen gesellschaftspolitischen Gremien wurde er mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (Verdienstkreuz am Bande) ausgezeichnet. Seine Wurzeln in der Pfarrei Haustadt-Honzrath werden unvergessen bleiben.