Besucherbergwerk zeigt den Kupferabbau

Kostenpflichtiger Inhalt: Kupferbergwerk Düppenweiler : In der Untertagewelt des Kupferbergbaus

In Düppenweiler können Besucher über den neuen Barbaraschacht einfahren. Spannende Führungen sind buchbar.

Der erste Eindruck: Die Welt unter Tage ist grau, dunkel und beengend. Die Augen gewöhnen sich nur langsam an die schwachen Lichtverhältnisse. Schutzhelme und -mäntel bewahren vor Schmutz, Nässe und gegebenenfalls vor Verletzungen. Denn mehr als einmal ist es notwendig, den Kopf in den schmalen, niedrigen Gängen einzuziehen. Die Luft ist bei knapp acht bis zwölf Grad jedoch erstaunlich angenehm klar und rein. Den Besuchern des Historischen Kupferbergwerks in Düppenweiler, speziell denen, die eine Untertageführung in dem öffentlich begehbaren Stollen gebucht haben, wird relativ schnell deutlich, wie hart die Arbeit der Bergmänner früher gewesen sein muss.

Umso interessanter ist die Geschichte des saarländischen Kupferbergwerks: Vor über 200 Jahren stieß ein Bauer bei der Feldarbeit auf kupferhaltiges Gestein, was dazu führte, dass man begann, das Kupfer bergmännisch zutage zu fördern. „Der erste Betreiber des Bergwerks war Remacle Renard Joseph de Hauzer“, erklärt Werner Kockler, der Vorsitzende des Historischen Kupferbergwerks Düppenweiler – Verein für Geschichte und Kultur e. V., dem Trägerverein des Bergwerks. Der wallonische Hüttenfachmann Hauzer warb dazu Bergleute aus dem Erzgebirge an.

Unter seiner Leitung erwies sich der Betrieb in den Jahren 1725 und 1735 als erfolgreich. Man sagte Hauzer sogar nach, er hätte nicht nur Kupfer, sondern auch eine Goldader gefunden. Ganz anders verliefen die Abbauversuche unter anderen Betreibern in den späteren Zeitabschnitten. Der Betrieb wurde nach einem letzten fehlgeschlagenen Versuch der Dillinger Hütte in den Jahren 1914 bis 1915 endgültig eingestellt.

Heute ist das Kupferbergwerk in dem Beckinger Ortsteil ein Besucherbergwerk. Der Besucherbetrieb wurde Ende 1995 aufgenommen. Rund 3000 zahlende Gäste aus der ganzen Welt kommen jährlich zu Führungen hier her. „Dazu kommen aber sicher drei- bis viermal so viele, die nicht angemeldet sind und einfach so das Gelände erkunden“, sagt Vereinsmitglied Karl-Rudi Wilhelm, der an den Wochenenden auch regelmäßig Führungen leitet.

Erste Überlegungen die alte Kupfergrube zu einem Besucherbergwerk auszubauen gab es bereits im Jahr 1986, wie Kockler, der seit den Anfängen mit dabei ist, erzählt. Bis das Vorhaben tatsächlich in die Gänge kam, dauerte es allerdings seine Zeit. Sechs Jahre später (1992) wurde hierzu der Förderverein Historisches Kupferbergwerk Düppenweiler e. V. gegründet, der sich heute, nach der Fusion mit dem Kultur- und Heimatverein, Historisches Kupferbergwerk Düppenweiler – Verein für Geschichte und Kultur e. V. nennt.

Ungefähr 600 Meter Stollen und vier Schächte mit Teufen von zehn bis 18 Meter wurden freigelegt und mit Schachtaufbauten versehen. „Die Barbarakapelle wurde ungefähr an der Stelle errichtet, an der Hauzer damals die erste Bergwerkskappelle gebaut hat“, sagt Kockler. Sein umfangreiches Wissen über den Bergbau und seine Geschichte hat er sich über Jahre selbst erarbeitet und angelesen.

Nach der Einfahrt durch den Barbaraschacht gelangt der Besucher in den sogenannten Dom, wo der Abbau der Erze mit Hilfe einer Bühnenbautechnik dargestellt wird. Im Maschinenschacht wird der Besucher über die Probleme, die das Wasser mit sich brachte, informiert, während ihn der „Unterirdische See“ auf eine Zeitreise in die Erdgeschichte mitnimmt und ihm dabei die Entstehung der Erze vor Augen führt. Mit der Ausfahrt aus dem Barbaraschacht endet die Besichtigungstour. „Zur Professionalisierung der Untertageführungen haben wir 2005 die Licht- und Toninstallation ‚Mystallica‘ eingebaut“, erklärt Kockler. Die Multimediashow mit Beleuchtung, Musik, Geräuschen und gesprochenen Texten präsentiert unter Tage in fünf Stationen die Herzstücke des Bergwerks.

Über Tage sind außerdem das Pochwerk, die Kupferschmelze (beide mit Wasserradantrieb) und eine fast 13 Meter hohe Bergwerkspyramide zu sehen. Die Einrichtungen unter Tage sind allerdings nur im Rahmen einer Führung über den neuen Barbaraschacht zu besichtigen.

Im Pochwerk wurden die geförderten Kupfererze durch schwere Pochstempel zertrümmert und auf Sandkorngröße zerkleinert. Das aufbereitete Kupfererz wurde schließlich in der Schmelzhütte, die heute auch regelmäßig vom Standesamt der Gemeinde Beckingen für Trauungen genutzt wird, verhüttet. Das für die Wasserräder benötigte Aufschlagwasser wird aus einem höher gelegenen Teich über hölzerne Zuleitungen an die Räder geleitet. Eine Besichtigung der Kupferhütte und des übrigen Übertagegeländes mit der Barbarakapelle, den Schachtaufbauten und den Ausgrabungsstätten ist auch ohne Führung jederzeit möglich. Infotafeln informieren die Besucher auf dem ganzen Gelände über die einzelnen Übertageeinrichtungen.

„Ein besonderer Höhepunkt für uns sind jedes Jahr an dem Wochenende nach Christi Himmelfahrt die Düppenweiler Schmelzertage“, sagt Kockler. Die komplette Hüttenanlage mit Pochwerk, Blasebälgen, allen drei Schmelzöfen mit Garofen wird dabei in Betrieb gesetzt. Der gesamte Hüttenprozess, angefangen vom Erzwaschen über das Erzpochen, Erzrösten, das Schmelzen im kleinen Hochofen und das Garmachen im Garofen wird nach Methoden des 18. Jahrhunderts präsentiert. Am dritten Adventswochenende gibt es außerdem einen bergmännischen Wintermarkt mit einer traditionellen Mettenschicht.

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Die Barbarakapelle wurde ungefähr an der Stelle errichtet, an der auch der wallonische Hüttenfachmann Remacle Renard Joseph de Hauzer die erste Bergwerkskapelle baute. Foto: Peter Franz
Werner Kockler, der Vorsitzende des Trägervereins. Foto: Peter Franz
Bei den Führungen unter Tage wandeln die Besucher des Kupferbergwerks in Düppenweiler auf den Spuren der Bergleute. Foto: Peter Franz

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