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Beckingen
Beckingen wird Modellregion

Beckingen. Das Projekt „Fit für die Regelstruktur“, das auf intensive Betreuung am Nachmittag setzt, wird an den drei Grundschulen in der Kommune eingeführt.

Die Gemeinde Beckingen soll möglichst schon ab dem neuen Schuljahr Pilotregion zur Umsetzung des Projektes „Fit für die Regelstruktur“ werden. Dazu soll an den drei Grundschulstandorten der Gemeinde (Beckingen, Düppenweiler, Reimsbach) je eine sozialpädagogische Fachkraft durch den Landkreis zur Verfügung gestellt werden. Diese Fachkraft soll am Nachmittag in den Räumen der Grundschule mit einer Kleinstgruppe intensiv arbeiten. Dies beschloss der Kreistag in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause einstimmig.


Den Hintergrund für die Erprobung des Konzeptes „Fit für die Regelstruktur“ stellte die Kreisverwaltung in den Sitzungsunterlagen für den Kreistag dar: Die familiären Lebensbedingungen haben demnach einen wichtigen Einfluss auf das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen. Verschiedene Familienkonstellationen, die sozioökonomische Lage sowie der Migrationsstatus stehen hier in einem besonderen Fokus: Die jeweiligen familiären Bedingungen wie das Aufwachsen in Alleinerziehenden-Haushalten, materielle Belastungen und der Migrationshintergrund fördern nicht nur die Lebenslagen junger Menschen, sondern können auch Risikolagen erzeugen.

„Vor allem Kinder und Jugendliche, die in Alleinerziehenden-Haushalten aufwachsen, sind überproportional häufig von finanziellen, sozialen und bildungsbezogenen Risikolagen betroffen“, erklärt die Kreisverwaltung. Das heiße auch, dass sie ein höheres Risiko haben, Hilfen zur Erziehung in Anspruch nehmen zu müssen.  Hier gelte es für den Landkreis, möglichst früh passgenaue Hilfen anzubieten, „um zu vermeiden, dass mehr Kinder in den Bezug der Hilfen zur Erziehung kommen“.



Insbesondere die Nachmittagsbetreuung könne aufgrund ihrer inhaltlichen Ausrichtung und den zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht ausreichend auf die unterschiedlichen Anforderungen von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Bedarfen reagieren. „Die öffentliche Jugendhilfe muss feststellen, dass es einen Personenkreis gibt, der in dieser Regelstruktur nicht betreut werden kann und in Konsequenz in das Hilfesystem der Jugendhilfe einzutreten droht“, heißt es von der Kreisverwaltung

Das Projekt „Fit für die Regelstruktur“ solle indes Kinder auffangen, bevor das Leistungsspektrum der Hilfen zur Erziehung greift. Ebenfalls solle mit diesem Projekt die Fallzahl bei den Hilfen zur Erziehung langfristig stabilisiert werden.

Das Projekt soll als Pilotvorhaben zunächst für zwei Jahre an den drei Grundschulen in Beckingen durchgeführt und getestet werden. „Die Gemeinde als Sozialraum mit überdurchschnittlich hohen Zuwächsen von Kindern und Jugendlichen in der Jugendhilfe bietet sich für die Durchführung des Pilotprojektes an“, urteilt die Kreisverwaltung.

Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich warb in der Kreistagssitzung intensiv um die Zustimmung des Gremiums, dieses von der Kreisverwaltung im Rahmen des Bildungsmonitorings und -managements entwickelten Projektes umzusetzen. Sie sieht darin nach eigener Aussage „große Chancen, den Kindern und Familien früher und besser zu helfen und mittelfristig sogar Geld in der Jugendhilfe sparen zu können“. Der Kreistag sah das ähnlich und stimmte einstimmig der Umsetzung des Projektes „Fit für die Regelstruktur“ mit Personal des Landkreises zu.