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Volleyball
Baggern um die besten Talente

Wollen in der Talentförderung am Ball bleiben (von links): André Koch (TV Wiesbach), Axel Klein (DJK Saarbrücken-Rastpfuhl), Brigitte Schumacher (SSC Freisen), Norbert Spurk, der Vizepräsident des Saarländischen Volleyball-Verbandes, sowie Franziskus Diwo (TV Düppenweiler).
Wollen in der Talentförderung am Ball bleiben (von links): André Koch (TV Wiesbach), Axel Klein (DJK Saarbrücken-Rastpfuhl), Brigitte Schumacher (SSC Freisen), Norbert Spurk, der Vizepräsident des Saarländischen Volleyball-Verbandes, sowie Franziskus Diwo (TV Düppenweiler). FOTO: Heiko Lehmann
Saarbrücken. Um den Nachwuchs im saarländischen Volleyball ist es nicht gut bestellt. Deshalb möchte der Verband Talentstütz- punkte einrichten. Von Heiko Lehmann

Der Saarländische Volleyball-Verband (SVV) macht Ernst, was die Förderung seiner Talente und vielleicht die Rettung der Sportart im Saarland angeht. Bei der männlichen U20 gibt es im ganzen Land nur noch eine Liga – und die besteht aus lediglich sechs Mannschaften. Eine eigenständige männliche U16 gibt es nicht mehr. In dieser Altersklasse gehen in der Liga gemischte Mannschaften aus Jungen und Mädchen an den Start. „Bei den Jungs ist die Situation noch schwieriger als bei den Mädchen. Aber es geht uns um das große Ganze. Wir vollen Volleyball insgesamt wieder nach vorne bringen und attraktiver machen“, sagt Norbert Spurk, Vizepräsident des SVV. Der Verband stellte vor Kurzem an der Hermann-Neuberger-Sportschule ein neues Konzept vor, in dem der SVV die Kooperation mit seinen Vereinen im Hinblick auf die Jugendarbeit verstärken möchte. Vier Clubs aus dem Saarland, die sich in der Vergangenheit besonders um die Volleyball-Nachwuchs verdient gemacht haben, wurden zu Stützpunktvereinen ernannt. Dabei ist der SSC Freisen. Dessen Vorsitzende Brigitte Schumacher erklärt: „Wir haben uns im September 2016 zum ersten Mal zusammengesetzt. Solange laufen die Vorbereitungen für das Projekt bereits. Wir wollen die herausragenden Vereine in puncto Jugendarbeit stärken und so auch die Talente fördern. Auch alle anderen Vereine sollen von der Maßnahme profitieren.“


Franziskus Diwo ist vom TV Düppenweiler, dem zweiten Stützpunktverein. „Bei uns im Merziger Kreis gibt es kaum noch Vereine, die Nachwuchsarbeit betreiben. Wir wollen das wieder ankurbeln und wollen auch neue Sponsoren finden“, sagt Diwo. Im TV Wiesbach hat die Volleyball-Abteilung in den vergangenen zehn Jahren 16 Saarlandmeister-Titel hervorgebracht. Der TVW ist der dritte Stützpunktverein. „Wir haben sehr junge Spieler und auch sehr junge und engagierte Trainer. Wir wollen anderen Vereinen bei ihrer Arbeit im Jugendbereich helfen. Nur gemeinsam können wir unsere Sportart wieder voranbringen“, sagt André Koch vom TV Wiesbach, der auch Lehrwart beim SVV ist.

Der vierte Stützpunktverein ist die DJK Saarbrücken-Rastpfuhl. Sie ist von Saarbrücken bis an die Obere Saar die Adresse im Volleyball und hat bereits grünes Licht für ein Beachvolleyball-Projekt bekommen. „Wir werden in Zusammenarbeit mit der Grundschule auf dem Rastpfuhl ein Beachvolleyball-Feld anlegen. Der Stadtrat hat es bereits beschlossen und uns 30 000 Euro Zuschuss zugesichert. Wann Baubeginn ist, ist aber noch offen“, erklärt Axel Klein von der DJK.



Für zwei Jahre wurden die vier Vereine vom SVV als Stützpunktvereine zertifiziert. In der Zeit soll viel passieren, damit danach noch weitere Vereine im Saarland zu dieser Auszeichnung kommen. Auffällig ist jedoch: In der Liste der Kooperationspartner fehlen mit dem TV Bliesen, dem TV Holz und dem TV Lebach die drei besten saarländischen Vereine. „Bliesen und Holz sollen so genannte Leistungsstützpunkte werden, von denen wir insgesamt zwei – je einen für die Damen und einen für die Männer – im Land planen“, erklärt Spurk. Der Vizepräsident des Verbandes hofft, „dass wir in diesem Punkt in ein, zwei Monaten Vollzug vermelden können“.

Bleibt noch der TV Lebach, der vor allem im weiblichen Nachwuchsbereich eines der Aushängeschilder des Verbandes ist. Gerade erst wurde die U18 Saarlandmeister – zum 14. Mal in Folge. „Wir können im weiblichen Bereich nur einen Leistungsstützpunkt machen – und da haben wir uns für den TV Holz entschieden, der beispielsweise hauptamtliche Trainer hat“, erklärt Spurk die Absage an Lebach. Beim Drittligisten sorgte die Entscheidung nicht gerade für Begeisterungsstürme. „Aufgrund der Erfolge in der Jugend und der Klassenzugehörigkeit bei den Frauen sehen wir uns mit Holz durchaus auf einer Stufe“, sagt Lebachs Abteilungsleiter Thomas Schwinn: „Wir hätten auch alle Kriterien erfüllt und deshalb wäre es vom Verband vielleicht cleverer und fairer gewesen, zunächst zwei Leistungszentren einzurichten.“ Um einen Talentstützpunkt hat sich Lebach nach der abgeblockten Leistungsstützpunkt-Bewerbung erst gar nicht beworben. „Weil diese Auszeichnung vom SVV für uns keine Auszeichnung ist“, sagt Schwinn.