Anna-Kapelle in Hargarten in neuem Glanz - Maiandacht am 19. Mai

Hargarten : Anna-Kapelle in Hargarten erstrahlt in neuem Glanz

Mit einem Kapellenfest wird am Sonntag die gelungene Renovierung des Gebäudes gefeiert.

Die St.-Anna-Kapelle in Hargarten erstrahlt nach ihrer Renovierung im neuen Glanz. Das kleine Gotteshaus wurde um 1600 erbaut, ist also schon rund 400 Jahre alt. Wahrscheinlich wählten die damaligen Bewohner die Heilige Anna, die auch als Patronin der Flachsanbauer und der Weber gilt, zur Schutzpatronin, weil in Hargarten, der Bedeutung nach „Flachsgarten“, Flachs angebaut und zu Leinen verarbeitet wurde.

Im Dreißigjährigen Krieg, etwa um 1635, war die Kapelle nur noch als Ruine vorhanden, bevor sie wieder aufgebaut wurde. Urkundliche Erwähnungen zeugen in den Jahrhunderten danach immer wieder von Reparaturarbeiten an der Kapelle, die auch schon zeitweilig wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste. Im Jahre 1802, zur Zeit der Säkularisierung, wurde die Kapelle der Abtei Heilig Kreuz in Bouzonville weggenommen und fiel in die Obhut der Zivilgemeinde.

Heute ist die Pfarrgemeinde Eigentümerin der Kapelle, die sie von der Zivilgemeinde (zwischen 1802 und 1815) kaufte. In den 1980er Jahren wurde unter anderem das Fundament der Kapelle von Grund auf saniert, um die Standfestigkeit wieder herzustellen. Eine Erneuerung des Schieferdaches und der Dachrinne erfolgte 2009.

Bei dieser Gelegenheit nahm man auch die Anna-Glocke aus dem Jahre 1839 zwecks Reparatur vom Turm. Nach fünf Monaten Abwesenheit konnte die Rückkehr der Glocke gefeiert werden, um wieder ihren Dienst zu tun. Im Kriegsjahr 1944 war die Glocke unfreiwillig eingezogen und zum Einschmelzen weggebracht worden. Aber 1949 wurde sie unbeschadet im Osten Deutschlands gefunden, um anschließend nach Hargarten heimzukommen.

Im Herbst 2016 begann man unter Federführung des Heimat- und Kulturvereins (HKV) mit der Renovierung im Innenbereich der Kapelle. Die vorhandene Bemalung wurde durch Restaurator Frank Neumann aus St. Wendel in Stand gesetzt, ansonsten wurde der Innenbereich neu ausgemalt.

Nach fast zweijähriger Pause begann nach Genehmigung durch das Landesdenkmalamt die Renovierung der Außenfassade. Ausbesserungsmaßnahmen und ein neuer, heller Anstrich der Kapelle lassen das denkmalgeschützte Bauwerk nun wieder in neuem Glanz erscheinen. Die Arbeiten wurden durch die ehrenamtlichen Helfer Robert Kuhn aus Reimsbach, Hilmar Britz aus Rissenthal und dem Hargarter Werner Dietrich durchgeführt. Für Peter Lauer aus Harlingen war es selbstverständlich, Reparaturarbeiten am Kapellenfenster vorzunehmen. Die Malerarbeiten führte der Fachbetrieb Martin Boley aus Bietzen durch. Auch die von Christel Kammer unentgeltlich restaurierte St.-Anna-Statue steht wieder an ihrem angestammten Platz über dem Eingang.

Die Finanzierung der Innen- und Außenrenovierung erfolgte ausschließlich durch Spenden und Zuschüsse Hargarter Bürger, der Vereine, Vereinsveranstaltungen, der Gemeinde oder auch Banken. Die Beschaffung der Finanzmittel und die Organisation der Renovierungsarbeiten lag in Händen des zweiten HKV-Vorsitzenden Herbert Dewes. „Als letztes Werk versuchen wir nun, den vier Meter hohen, imposanten Spätbarock-Altar zu restaurieren und hoffen, dass Bistum und Landesdenkmalamt dieser Sache positiv gegenüber stehen“, sagt er. Der Altar ist etwa 300 Jahre alt.

Nachdem nun die Renovierungsarbeiten der Außenfassade der Kapelle abgeschlossen sind, ist die Bevölkerung für Sonntag, 19 Mai, 15.30 Uhr, zu einer von der Singgruppe der Landfrauen mitgestalteten Maiandacht in die Kapelle und anschließendem kleinen Kapellenfest auf der angrenzenden Grünfläche eingeladen, um das Ereignis gebührend zu feiern. In der Hargarter Dorf-/Schulchronik sowie im Heimatbuch „Geschichte des Kreises Merzig“ von 1925 von Schulrat Kell und dem Geschichtsbuch „150 Jahre Amt Beckingen“ von 1966 wird von einem gewaltigen Gewitter im Mai 1824 berichtet, das große Schäden an Häusern, Stallungen und dem Vieh anrichtete. Einzelne Ställe wurden in dem kleinen Dorf, das inmitten von drei Steilhängen liegt, mitsamt dem Vieh fortgerissen. Wie in den Chroniken berichtet ist, hätten die Dorfbewohner dann das Gelübde abgelegt, alljährlich jeden Abend im Mai eine Andacht zu Ehren der Muttergottes abzuhalten, um künftig von solchen Schicksalsschlägen verschont zu bleiben. „Dieses kirchliche Brauchtum, das in unserer Kapelle lange gepflegt wurde, wollen wir auch in diesem Jahr mit einer Maiandacht zum Ausdruck bringen“, erläutert Dewes. Bis vor einigen Jahrzehnten, verschiedentlich noch später, bauten die Kinder im Mai zuhause kleine Maialtäre. Auch zu der Andacht am Sonntag werden die Kinder einen Maialtar in der Kapelle aufstellen und schmücken. Hierzu können sie Blumen aus Feld, Wiesen und Gärten mitbringen.

Mehr von Saarbrücker Zeitung