Tierisch gut: Am Anfang war das Ei

Tierisch gut : Am Anfang war das Ei

Erik Selzer aus Reimsbach hat in seinem Garten einen richtigen Tierpark. Angefangen hat er damit aber ganz ganz ganz ganz klein.

Die Geschäftsräume von Erik Selzers Schreinerei und Bestattungsunternehmen in Reimsbach wirken zunächst ganz gewöhnlich. Doch vom Besprechungsraum hat man einen ungewöhnlichen Ausblick. Denn im Garten hinterm Haus tummeln sich in einer weitläufigen Anlage Kängurus, Maras und viele weitere Tiere. Was  wie ein privater Zoo wirkt, hat ganz klein angefangen: mit einem einzelnen Ei. Gefunden hat Selzer das Ei beim Besuch eines Tierparks. „Wir wussten gar nicht, was das ist“, erinnert er sich. Da niemand in seiner Familie das gute Stück essen wollte, hatte er die Idee, es auszubrüten. „Ich hatte noch eine Brutmaschine aus meiner Jugend“, erzählt der frühere Geflügelzüchter. Im Tierpark hatte er nachgeschaut, was er da eigentlich entdeckt hatte: ein Nandu-Ei. Mithilfe von Informationen aus dem Internet begann dann das Brütvorhaben. Mit dessen Erfolg hatte Selzer gar nicht gerechnet – doch dann wurde er eines Nachts um 4 Uhr wach. Und als er in den Abstellraum ging, wo die Brutmaschine aufgebaut war, war er dort nicht allein: Der kleine Nandu war geschlüpft.

Jetzt musste alles schnell gehen: Zunächst wohnte der Vogel in einem Karton, dann in Selzers Schreinerwerkstatt. Doch so schnell, wie er wuchs, war für Selzer bald klar: „Wenn wir das Tier großziehen, müssen wir einen Stall bauen.“ Für den Schreiner kein Problem. Aber als der Stall wenig später fertiggestellt war, war auch das erst der Anfang, denn für ein Leben nur im Stall ist ein Nandu nicht geeignet. Deshalb beschloss Selzer: „Jetzt müssen wir auch ein Außengehege bauen.“

Über Foren im Internet hat er sich über die Haltung von Nandus informiert und die Anlage in seinem Garten immer weiter ausgebaut. Weitere Exemplare kamen dazu. Irgendwann hatte Selzer dann die Überlegung, welche Tiere er zu den Nandus setzen könne. „Dann habe ich in Merzig im Tierpark die Maras gesehen“, erinnert er sich. „Maras nennt man im Volksmund auch Pampashasen, aber die haben mit Hasen nichts zu tun, sondern gehören zu den Meerschweinchen“, erklärt er. Züchter seien jedoch schwer zu finden. Eins seiner Tiere hat Selzer aus dem Merziger Tierpark übernommen, weitere hat er über einen Kontakt mit der Stuttgarter Wilhelma erhalten. Später kaufte er zusätzlich Bennett-Kängurus von Züchtern. Tiere wie Kängurus und Co. kann natürlich nicht jeder einfach so halten. „Nandus sind genehmigungs- und meldepflichtig“, erklärt Selzer, „man braucht ein Gehege und vorher eine Gehege-Genehmigung.“ Hierzu ist neben jeder Menge Papierkram ein Sachkunde-Nachweis notwendig. Für diesen hat Selzer einen Lehrgang gemacht.

Doch Arbeit machen nicht nur der Papierkram und die Erfüllung der Auflagen: Die Tiere wollen auch gepflegt werden. Um die 2000 Quadratmeter Fläche in seinem Gehege  kümmert Selzer sich alleine. Mindestens eine Stunde pro Tag ist er mit Füttern beschäftigt, wenn weitere Arbeiten anstehen, entsprechend mehr. „Es ist ein guter Ausgleich zum Beruf“, findet Selzer. In seiner Schreinerei kümmert er sich um  Bestattungen und führt Trauergespräche. Die Tiere geben ihm viel, sagt er: „Man kann sich da stundenlang hinsetzen und sie einfach beobachten.“

Erik Selzer mit einem Seidenhuhn. Foto: Barbara Scherer
Mit einem einzelnen Nandu hat alles angefangen. Foto: Erik Selzer
Nachwuchs bei den Bennett-Kängurus. Foto: Erik Selzer
Maras kommen eigentlich aus Südamerika. Foto: Erik Selzer
Eins der Kängurus in Erik Selzers Gehege ist ein seltenes Albino-Exemplar. Foto: Barbara Scherer

Bei den Kunden kommt sein außergewöhnliches Hobby gut an, erzählt er. Besucher dürfen allerdings laut Auflagen des Umweltamtes nicht in die Anlage. Aus diesem Grund hat Selzer eine Kette angebracht, damit niemand einfach so seinen Garten betreten kann. Nicht vollständig geschützt ist er aber vor ungebetenen tierischen Gästen, wie zum Beispiel dem Fuchs. Dem sind kurz vor Silvester mehrere Hühner und ein Känguru zum Opfer gefallen, bedauert er. Und auch die Nandus wohnen mittlerweile nicht mehr bei Selzer. Im vergangenen Jahr hatte er Schafe ins Gehege eingesetzt, vor denen sich die Nandus erschrocken haben. Den panischen Sprung in den Zaun hat der Nandu, mit dem alles anfing, leider nicht überlebt. Doch für Selzer ist das trotz allem nicht das Ende. Er denkt bereits darüber nach, sich neue Nandus zuzulegen – „wahrscheinlich wieder junge“. Ob die dann genauso treu neben ihm herlaufen wie sein Erstgeschlüpfter, wird sich dann zeigen.