| 19:12 Uhr

Alpenländische Tradition ins Saarland gebracht

Beeindruckend war die Kulisse der 80 Alphornbläser, die aus Südwestdeutschland, Frankreich und Belgien zum Treffen nach Oppen kamen. Fotos: Ruppenthal
Beeindruckend war die Kulisse der 80 Alphornbläser, die aus Südwestdeutschland, Frankreich und Belgien zum Treffen nach Oppen kamen. Fotos: Ruppenthal
Oppen. Ein wenig mutete es schon an wie im Hochgebirge : Dutzende Männer in Lederhosen und einige Frauen in Trachtenkleidern standen Schulter an Schulter auf der sattgrünen Rasenfläche, sie alle hielten vor sich ein majestätisches, über zwei Meter langes Musikinstrument, dem sie dann gemeinsam imposante, sonore Töne entlockten, wie man sie aus dem Alpenraum kennt. Und doch befanden sich die Beobachter dieser Szenerie nicht auf irgendeiner Gebirgsalm, sondern in der Lücknerarena des SSV Oppen, idyllisch am Ende des Haustadter Tals gelegen. Christian Beckinger

Alles andere als hochalpin



Unmittelbar hinter dem Sportgelände erhebt sich die Oppener Kuppe, der "Hausberg" des Ortes, mit knapp 400 Metern Höhe nun alles andere als hochalpin. Und dennoch war es am Wochenende der perfekte Schauplatz für ein Ereignis, das in unseren Breiten nur alle paar Jahre findet: Zum fünften Mal erst gab es im Saarland ein Alphornbläser-Treffen, und nachdem die letzte Veranstaltung 2011 in Dreisbach stattgefunden hatte, waren die Alphornspieler diesmal nach Oppen gekommen.

80 Alphörner im Einsatz

Ausrichter des Treffens am Wochenende waren die Jagd- und Alphornbläser St. Hubertus aus Reimsbach, die mit diesem Alphornfestival auch ihr 50-jähriges Bestehen feierten. Alphorngruppen und Einzelmusiker aus ganz Süddeutschland waren nach Oppen gekommen, auch eine Formation aus Frankreich sowie ein Trio aus Belgien war dabei. Dazu gesellten sich "Lokalmatadoren" aus dem Saarland, unter anderem aus dem Ostertal, aus Marpingen, Hasborn oder Harlingen. Insgesamt waren etwa 80 Alphörner in Oppen zu sehen und zu hören. Die Schirmherrschaft über das Treffen hatte die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger übernommen, sie ließ sich ebenso von dem besonderen Reiz der urwüchsigen Instrumente beeindrucken wie Beckingens Bürgermeister Erhard Seger und viele weitere Lokalpolitiker aus der Region.

Was das für ein besonderes Klangerlebnis ist, wurde insbesondere am Sonntagnachmittag deutlich: Zweimal fanden sich die anwesenden Alphornspieler zum Gemeinschaftschor zusammen und demonstrierten, was für eine Klangstärke in den traditionellen Instrumenten steckt. Einst als Signalmittel insbsondere von Viehhirten in Gebirgsregionen genutzt, ist es heute ein anerkanntes Musikinstrument.

Aufwendiger Fertigungsprozess

Viel zu erzählen über die Geschichte und die Besonderheiten des Alphornes hatte Alfons Neumann aus dem oberschwäbischen Eberhardzell: Seit 1983 baut er die mächtigen Instrumente, weitgehend in Handarbeit und in einem aufwendigen Fertigungsprozess. "Wir verwenden ausschließlich Holz aus dem Gebirge, und zwar jenes von der Haselfichte, das auch beim Geige- oder Cello-Bau zum Einsatz kommt", erläuterte der 68-Jährige. Sechs bis zehn Jahe lang muss das Holz trocken lagern, ehe es zu einem Alphorn verarbeitet werden kann. Viel Schleifen, Polieren und Lackieren ist notwendig, um dem Instrument später die richtigen Töne entlocken zu können. Die Grund-Tonart der meisten Alphörner sei F-Dur , erläuterte Neumann. "Indem man verschiedene Segmente der Tonsäule austauscht, kann man aber auf andere Tonarten wechseln", sagte der Alphornbauer.

60 Arbeitsstunden für ein Horn

Dadurch könne sich unter Umständen auch die Länge des Instrumentes ändern. Von großer Bedeutung sei zudem das Mundstück. Rund 60 Arbeitsstunden brauche es, bis ein Horn fertig sei - der übliche Preis dafür betrage etwa 2000 Euro, so Neumann. Ursprünglich hatte er in der Holzindustrie gearbeitet, nebenher noch eine Bildhauer-Ausbildung gemacht. Doch mittlerweile ist der Alphornbau sein Broterwerb, auch Frau und Sohn arbeiten in dem Familienbetrieb mit. Seine bildhauerischen Fertigkeiten lässt Neumann in die schmucken Miniaturalphörner einfließen, die es bei ihm ebenfalls zu erwerben gibt - ein beliebtes Souvenir, das sich auch in Oppen so mancher Alphornbläser an den Filzhut steckte. Mit einem Weckruf von verschiedenen Stellen in Oppen und Reimsbach hatten die Alphornmusiker den zweiten Tag des Treffens eröffnet, der gleich danach ein weiteres besonderes Erlebnis bot: Unter freiem Himmel zelebrierte der scheidende Pastor Christian Zonker seine letzte Messe in der Pfarrei, in der er in den letzten beiden Jahren als Seelsorger tätig gewesen war. Nach dem Gottesdienst entboten dann die Alphorngruppen ihre musikalischen Geburtstagsgrüße an den Gastgeber-Verein.

Und weil auch noch der Wettergott mitspielte und lediglich ein paar dekorative Wolken am Himmel vorbeiziehen ließ, die aber keinen Regen mit sich führten, war es für alle Beteiligten und Besucher ein rundum gelungenes Wochenende.

Zum Thema:

Auf einen Blick Mit großem Stolz blickten die Gastgeber von der Jagd- und Alphorngruppe St. Hubertus am Sonntagabend auf das Wochenende zurück: "Es hat allen Teilnehmern sehr gut gefallen", bilanzierte der Vorsitzende Hartmut Dillschneider. Auch die Bevölkerung nahm regen Anteil an dem Alphorn-Festival, beide Veranstaltungstage waren gut besucht. Für einen reibungslosen Ablauf des Treffens hatten dabei die örtlichen Vereine gesorgt, angefangen vom Sportverein Oppen, der seine Sportanlage gerne zur Verfügung stellte und zudem für das leibliche Wohl der Gäste sorgte. Auch die Oppener Feuerwehr, der Musikverein Reimsbach-Oppen sowie der Reimsbacher Schützenverein packten dabei fleißig mit an. cbe

Auch über die mächtigen Instrumente selbst gab es einiges zu erfahren.
Auch über die mächtigen Instrumente selbst gab es einiges zu erfahren.
Die hohe Kunst des Alphornblasens wurde in Oppen zelebriert.
Die hohe Kunst des Alphornblasens wurde in Oppen zelebriert.
80 Alphornbläser musizierten in Oppen gemeinsam.
80 Alphornbläser musizierten in Oppen gemeinsam.