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Ärger über schlechte Kommunikation
Abruptes Ende für die Vergissmeinnicht-Cafés

Das war einmal: Bei der Weihnachtsfeier besuchte der Nikolaus das Demenz-Café Düppenweiler.
Das war einmal: Bei der Weihnachtsfeier besuchte der Nikolaus das Demenz-Café Düppenweiler. FOTO: Norbert Becker
Beckingen. Über Jahre waren die Cafés Treffpunkt für demenzkranke Menschen. Jetzt hat sie der DRK-Landesverband im Grünen Kreis und in St. Wendel geschlossen. Von Lisa Kutteruf

„Zuerst haben wir eine Babbelrunde gemacht und über alles Mögliche geredet. Da wurde teilweise heftig diskutiert“, sagt Gerold Ohnmacht und lacht. „Später haben wir Lieder gesungen, Bingo gespielt und Gymnastik gemacht.“ Ohnmacht ist Leiter der Demenzgruppe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Düppenweiler. Bis vor kurzem trafen sich einige Demenzkranke jeden Dienstag im sogenannten Demenz-Café Vergissmeinnicht. „Aber das ist jetzt vorbei“, sagt Ohnmacht und klingt wehmütig: Der Landesverband des DRK hat das Café zum März geschlossen.


Das Café in Düppenweiler ist nicht das einzige, das zumachen musste. Betroffen sind alle Demenz-Cafés in den Landkreisen St. Wendel und Merzig-Wadern. In letzterem sind das neben Düppenweiler die Demenz-Cafés in Mettlach und Perl. Der ausschlaggebende Grund: „Das Angebot wurde in den meisten Cafés kaum genutzt“, sagt DRK-Landesgeschäftsführer Martin Rieger. „In Perl und Mettlach war gelegentlich eine Person da, in Düppenweiler fünf bis sechs Personen, zuletzt aber nur noch vier“ – laut Rieger zu wenig, um das Angebot aufrechtzuerhalten. Geplant seien die Cafés für 15 bis 20 Gäste gewesen.

26 000 bis 37 000 Euro kosteten die Einrichtungen pro Jahr. Auf der Gegenseite standen die Teilnahmegebühren der Teilnehmer, acht Euro pro Stunde. Dazu kamen Zuwendungen von 4000 bis 15 000 Euro, jeweils hälftig vom Bundesversicherungsamt und dem Landkreis Merzig-Wadern. Die finanzielle Lücke, die das DRK abdecken musste, war Rieger zufolge zu hoch.



Dazu seien weitere Faktoren gekommen, die zum Aus der Cafés geführt hätten. Seit vergangenem Jahr muss Fachkräften der Pflegemindestlohn gezahlt werden. Der liegt derzeit bei 10,55 Euro. Im kommenden Jahr werde er auf 11,05 Euro ansteigen, 2020 dann auf 11,35 Euro, erklärt Rieger. Auch sei die Zahl der Leute gesunken, die sich verlässlich im Ehrenamt engagieren. Düppenweiler sei in dieser Hinsicht eine Ausnahme gewesen.

Die Cafés waren als Angebot für Demenzkranke und Entlastung für deren Angehörige gedacht. Seit 2007 gab es das Angebot in Perl, die Cafés in Mettlach und Düppenweiler kamen 2013 hinzu. Die Café-Gänger wurden zuhause abgeholt. Zusammen mit den anderen Teilnehmern tranken sie Kaffee, aßen Kuchen, spielten Spiele, machten Gymnastik. Nach drei Stunden wurden die Senioren wieder heimgefahren. In Düppenweiler konnten die Teilnehmer zeitweise sogar an einer Hundetherapie teilnehmen. Ein paar Mal kamen Clowns. Und im Dezember gab es eine Weihnachtsfeier samt Nikolaus.

Die ehemaligen Teilnehmer und deren Angehörige in Düppenweiler seien enttäuscht, dass das Angebot eingestellt wurde, erzählt Gerold Ohnmacht. Für Ärger sorgte auch die mangelnde Kommunikation zwischen DRK-Landesverband und den Leitern der Cafés. Ohnmacht: „Wir wurden erst in der achten Kalenderwoche informiert, dass das Café zumacht. Ohne Vorwarnung, die Kommunikation: null Komma null.“

Landesgeschäftsführer Rieger bedauert das. Ende Februar sei der Förderungsbescheid für die Vergissmeinnicht-Cafés ausgelaufen, die Entscheidung unter zeitlichem Druck gefallen. „Leider konnten wir das erst sehr kurzfristig kommunizieren, ideal wäre letztes Jahr gewesen. Da muss ich um Entschuldigung bitten.“

Auch den Landkreis informierte der DRK-Landesverband erst kurz vor der Schließung. Rieger sagt dennoch: „Es gab ein ehrliches Bemühen, von Seiten des Landkreises und DRK, eine Möglichkeit zu finden, die Cafés fortzuführen, aber es ging leider nicht.“

Rieger fragt sich, warum die Demenz-Cafés so wenig genutzt wurden. Lag es am ländlichen Raum? Oder an fehlenden Zusatzangeboten? Erfahrungsgemäß liefen die Cafés, bei denen zusätzliche Betreuungsangebote angegliedert seien, besser. Zum Beispiel in Saarbrücken oder Saarlouis.

Der DRK-Ortsverein in Düppenweiler schließt nicht aus, als Ersatz selbst etwas auf die Beine zu stellen. „Aber im Moment ist der Frust zu groß“, sagt Ohnmacht.

Im Kreis St. Wendel, wo die Vergissmeinnicht-Cafés ebenfalls schließen mussten, gibt es Hoffnung. Landrat Udo Recktenwald (CDU), DRK-Kreisvorsitzender und Vizepräsident des Landesverbandes, setzt sich dafür ein, dass die Cafés wieder geöffnet werden: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, einen geeigneten Träger zu finden, um das wichtige Angebot weiterführen zu können“, so Recktenwald gegenüber der St. Wendeler SZ-Redaktion. Ein solches Engagement würde sich Ohnmacht auch für den Grünen Kreis wünschen. „Wir warten noch auf ein Signal von der Landrätin.“

Auf SZ-Anfrage heißt es von Seiten des Landkreises: „Wir bedauern diesen Schritt natürlich sehr, da die Cafés ein sehr gutes Angebot für die spezielle Zielgruppe der demenziell Erkrankten waren.“ In Wadern gebe es eine Betreuungsgruppe, die mit den Demenzcafés vergleichbar sei. Was die Fortführung der Cafés angeht, bleibt die Aussage vage. Der Landkreis werde sich „mit der Notwendigkeit weiterer Alternativen befassen.“

Gerold Ohnmacht vom Demenz-Café Düppenweiler.
Gerold Ohnmacht vom Demenz-Café Düppenweiler. FOTO: Norbert Becker