"Ampelpläne wecken böse Erinnerungen"

"Ampelpläne wecken böse Erinnerungen"

Mit Entsetzen verfolge ich seit Wochen die haarsträubenden Vorschläge der so genannten Verkehrsexperten im Zusammenhang mit dem jedem Merziger bekannten Dauerchaos im Stadtverkehr

Mit Entsetzen verfolge ich seit Wochen die haarsträubenden Vorschläge der so genannten Verkehrsexperten im Zusammenhang mit dem jedem Merziger bekannten Dauerchaos im Stadtverkehr. Mit sieben sicherlich teuren Ampelanlagen sollen demnach alle Probleme des Verkehrsflusses gelöst werden, wo doch gerade das Wort "Ampelanlage" böse Erinnerungen an absolute Fehlplanungen in der Vergangenheit Merzigs weckt. Sei es die vor etlichen Jahren am Hotel Merl-Rieff angebrachte Anlage, die bereits am ersten Einsatztag zum totalen Verkehrskollaps führte, oder sei es die überflüssige "Lichtorgel" der "gewaltigen" Busspur an der Kreissparkasse: Jedes Mal lagen die "Experten" völlig neben der Realität, jedes Mal durften Merzigs Steuerzahler die Fehlplanung teuer berappen. Und während seit Jahren fast jede Stadt oder Gemeinde Ampelkreuzungen durch leichtläufigere Kreisverkehre entschärft, stemmen sich die jüngst herbeigerufenen "Spezialisten" mit brachialer Gewalt gegen den vernünftigen Trend und planen aprilscherz-verdächtige sieben neue Ampelanlagen in der Innenstadt. Dabei liegt alles doch so simpel auf der Hand: Durch Merzigs Straßen fahren erstens ganz einfach viel zu viele Autos, und zweitens ist der Verkehrsfluß an diversen Stellen unnötig behindert. Und genau diese beiden Ursachen müssen angegangen werden, wozu keine einzige Ampelanlage neu gebaut werden muss.Hierzu gleich einige meiner Vorschläge. Um den städtischen Gesamtverkehr zu reduzieren, schlage ich gleich zwei Maßnahmen vor: Zum einen sollte die lange angedachte und bis dato nicht ins Rollen kommende Umgehung für den Durchgangsverkehr in Richtung Brotdorf, Losheim und Trier endlich gebaut werden: Also die nahezu ungenutzte Bundeswehr-"Panzerstraße" zügigst zum Hochwald anschließen, wozu auch eine entsprechende Kennzeichnung an der Autobahnabfahrt Besseringen sowie von Losheim/Brotdorf kommend nötig ist. Besagter Durchgangsverkehr sollte also keineswegs mehr über die Hilbringer Brücke rollen, sondern erst via Ausfahrt Besseringen die Autobahn verlassen. Umgekehrt sollte auch kein Pendler aus Brotdorf oder Losheim weiterhin durch Merzig-Stadt fahren müssen, sondern gleichsam über die neu angeschlossene "Panzerstraße" bei Besseringen auf die Autobahn auffahren können. Zum anderen ist es sinnvoll, in den Saarwiesen und vielleicht auch an der Stadthalle eine möglichst kostenlose Park&Ride-Verbindung einzurichten, die sowohl den Parkverkehr (insbesondere Menschen, die in der City arbeiten) innerstädtisch entlastet als auch den Stadtverkehr drastisch senken wird. Nebeneffekt wäre zudem eine bessere Anbindung an die Brauerei und das Freizeitareal. Sollte dies nicht kostenlos realisierbar sein, so könnte die Kaufmannschaft mittels Bonusheften oder Fahrpreiserstattung (natürlich auch für die Angestellten!) die nötigen Anreize schaffen. Und auch die heiß diskutierte Fußgängerbrücke wäre nicht mehr erforderlich. Nun zu den Maßnahmen zur Egalisierung der "Brennpunkte" für den unvermeidbaren Stadtverkehr: Zunächst ist ein Kreisverkehr an der Kreuzung Losheimer Straße/Zum Gipsberg nötig, der bei gleichzeitigem Rechtsabbiege-Gebot am Fuße der Merchinger Straße auch gleich den dortigen Staupunkt entlastet und zudem den Eingangsverkehr nach Merzig angenehm abbremst. Statt übler Ampelstaus liefe der Verkehr flüssig. Der zweite Kreisverkehr ist die wohl heikelste Angelegenheit, denn er müsste um die Marienkapelle herum führen. Ein Verzicht auf einen etwaigen Zebrastreifen macht eine teure Unterführung nötig, die jedoch dafür Ampeln einspart und wiederum einen flüssigeren Verkehr gewährleistet. Außerdem bietet sich die Geometrie von Tor- zu Hochwaldstraße für einen Kreisverkehr regelrecht an. Weiter der Hochwaldstraße als Einbahnstraße entlang folgend, sollte unbedingt (!) der Verkehrsfluss nun vor (!) der Brauerstraße halblinks abknickend durch die Bahnhofstraße abgeleitet werden. Dazu müsste letztere die Fahrtrichtung als Einbahnstraße wieder einmal wechseln, um dann an die Kreuzung Landratsamt/Kasinostraße angeschlossen werden zu können. Damit wäre die ständige Rückstauung des Verkehrs durch die stark frequentierten Zebrastreifen zwischen Saarfürst-Turm und Neuem Rathaus sowie zwischen Hotel Merl-Rieff und dem Schuhhaus endlich verhindert. Ein eventueller Umbau der Ampelkreuzung Landratsamt/Kasinostraße zum dritten Kreisverkehr sollte zudem langfristig angedacht werden. Eine letzte Detailmaßnahme betrifft den Einmündungsbereich vom Viehmarkt in Fahrt-Richtung nach links zum Neuen Rathaus. Hier schlage ich vor, wie am Fuße der Merchinger Straße ein Rechtsabbiegegebot einzurichten, wozu der Tunnelhöhe wegen auch eine Sperrung der Triererstraße für den Lkw-Verkehr ab der Bahnbrücke an der Brückenschenke oder ab Woolworth erforderlich sein wird. Ob jedoch die Realisierung des abstrusen Plans der "heilversprechenden Ampellobby" tatsächlich noch zu verhindern ist, wage ich aus Erfahrungen in der Vergangenheit leider ernsthaft zu bezweifeln. "Jedes Mal lagen die Experten' völlig neben der Realität, jedes Mal durften Merzigs Steuerzahler die Fehlplanung teuer berappen.""Durch Merzigs Straßen fahren erstens ganz einfach viel zu viele Autos, und zweitens ist der Verkehrsfluß an diversen Stellen unnötig behindert."

Mehr von Saarbrücker Zeitung