Mehrheit im Saar-Landtag lehnt Vorstoß der AfD-Fraktion zur Industriekultur ab.

Streit um Saar-Industriekultur : Nur wenige interessierte Industriekultur

Die Fraktionen von CDU, SPD und Linken haben am Mittwoch einen AfD-Antrag zur Industriekultur im Saarland abgeschmettert.

Im Saar-Landtag kann es nachmittags bei den Plenarsitzungen recht einsam werden. Die Reihen der Landesregierung unterhalb des Präsidiums sind arg gelichtet, der Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) ist nach der Mittagspause nicht mehr zu sehen, ebenso Kabinettsmitglieder Peter Strobel (CDU/Finanzen/Europa) und Reinhold Jost (SPD/Umwelt/Verbraucherschutz). Auf den Besucherplätzen verlieren sich eine Hand voll interessierter Bürger. Die Medienränge sind fast verwaist.

Dabei ging es am Mittwochnachmittag um Essentielles wie die Industriekultur im Saarland. Die Fraktion, die im Saar-Parlament rechts außen mit drei Mitgliedern sitzt, die AfD, stellte eine Antrag, dass die CDU/SPD-Landesregierung ihre eigenen, 2018 aufgestellten Leitlinien zur Industriekultur umsetzen solle. „Da ist kein politischer Wille vorhanden. Museen und Industriekultur werden vernachlässigt“, kritisierte der 81-jährige AfD-Fraktionschef Josef Dörr aus Quierschied. In Reden herrsche Stillstand, keiner wisse, wie es nach 2022 dort weiter gehen solle. Profunde Kenner der Industriekultur-Materie wie den ehemaligen Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte Professor Meinrad Maria Grewenig und den Direktor des Instituts für Landeskunde habe man abserviert. Dabei sei die Industriekultur ein „Alleinstellungsmerkmal des Saarlandes“, befand der ehemalige Förderschulrektor.

Die Dörrsche Bewertung wies der CDU-Abgeordnete Sascha Zehner zurück. „Unsere Museen haben einen eigenen Ankauf-Etat. Das ist längst nicht in jedem Bundesland so“, betonte der 46-jährige Saarbrücker Inkasso-Unternehmer. Das industriekulturelle Erbe gehöre zur „DNA“, also zum Erbgut der Saarländer. „Das steckt überall drin“, sagte Zehner. Er verglich den Dörrschen Antrag mit dem Scheinriesen Herrn Turtur aus dem Buch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ von Michael Ende. Je näher man dem Riesen komme, desto kleiner wird er. So verhalte es sich auch mit dem AfD-Antrag, der nur drei eigene Zeilen zur Industriekultur beinhalte, sagte Zehner. Der Antrag Dörrs sei „schnodderig“. Zehner hob ganz besonders das Wirken Grewenigs hervor, der wisse, das Industriekultur von der Inszenierung lebe. Abends sei die Völklinger Hütte in einem guten Licht von der Autobahn zu sehen, so Zehner.

Sein Koalitionskollege von der SPD, Jürgen Renner, 53, betonte, dass die CDU/SPD-Landesregierung gewiss einen guten Grewenig-Nachfolger finden werde. Der Ex-Pressesprecher im Kultusministerium bat dabei um Geduld. Renner räumte ein, dass angesichts der Haushaltsnotlage des Landes auch in der Industriekultur die Handlungsspielräume eingeengt seien.

Die laufende Neubesetzung auf dem Posten des Generalsekretärs beim Weltkulturerbe biete die Chance für eine „Industriekultur aus einem Guss“, sagte die Linken-Abgeordnete Astrid Schramm, 63. Die Ex-Linken-Landesvorsitzende forderte, den Schutz der Bergehalden gesetzlich zu verankern. Zudem kritisierte sie, dass etwa am ehemaligen Grubenstandort Luisenthal nichts zur Rettung des Ensembles passiere. Es gehe auch bei der Industriekultur nur ums Geld, bemängelte Schramm. Dabei sei die Industriekultur für die nachfolgenden Generationen zu sichern. CDU, SPD und Linke stimmten dann gegen den AfD-Antrag.

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