Mehr Wut wär' besser

Diese Woche begann mit einem medialen Doppelhammer – am Sonntagabend im Fernsehen. Erst ermittelte Schimanski gegen Menschenhändler im Rotlichtmilieu.

Wie immer warf er sich geräuschvoll für die Schwachen in die Bresche. Sauber.

Danach kam die Talkshow von Günther Jauch - mit Oberbürgermeisterin Charlotte Britz und Jürgen Rudloff, der in Burbach ein Großbordell baut. Das hat die Stadt 2010 genehmigt, weil ihr angeblich nichts anderes übrig blieb. Ebenfalls in der Show: die selbstständige Prostituierte Lena Morgenroth. Die verherrlichte ihren Job. Das brachte Britz auf die Palme, sichtlich sauer warf sie Morgenroth Zynismus vor. Das Publikum applaudierte spontan. Allerdings blieb das der einzige Szenenapplaus für Britz, denn danach sprach sie eher staatstragend. Szenenapplaus ging dann nur noch an die empörte Journalistin Rita Knobel-Ulrich, die aus ihrer Wut keinen Hehl machte und Rudloff wie auch dem Publikum immer wieder vorhielt, was sie alles im Milieu recherchiert hatte. Tja, und eigentlich hätte Charlotte Britz - getrost weiter sichtlich sauer - in dieselbe Kerbe hauen sollen. Sie hätte ruhig erzählen können, was hier schon los war. Welch menschenverachtende Clique von Freiern - auch aus Frankreich - hier jahrelang das Viertel ums Drogenhilfezentrum terrorisiert hat auf der Suche nach hilflosen drogenkranken Prostituierten. Wie oft seit Mitte der 90er Jahre hier schon Bordelle - vorübergehend - dichtgemacht wurden, weil die Polizei wegen Menschenhandel ermittelte. Wie ein Polizist vor Gericht kam, dem vorgeworfen wurde, er habe im Bordell illegale Frauen übersehen - und sei dafür mit "Liebesdiensten" entlohnt worden. Wie in dieser Stadt wegen des Verdachts auf Zuhälterei mit Kindern ermittelt wurde. Wie die Stadt verhindern musste, dass in Dudweiler ein Großbordell entsteht. Wie die Stadt jetzt gegen eine Firma prozessiert, die am Milchhof ein Bordell einrichten will. Wie viele Menschen sich in letzter Zeit über den neuen Straßenstrich im Deutschmühlental empört haben - und dass Saarbrückens Rechtsdezernent Jürgen Wohlfarth glaubt, dahinter stecke "ein Weisungs- und Zuhälterstrang, der von Rumänien bis zu uns reicht". Und, und, und - aber immer mit Wut! Das wäre ganz bestimmt auch im Sinne von Schimanski gewesen und hätte mehr Punkte gebracht - auch für Saarbrücken.

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