1. Saarland

Mehr als Gitarren: 35 Jahre Musikfachgeschäft Six + Four in Sulzbach

35 Jahre Musikfachgeschäft „Six + Four“ in Sulzbach : Wenn Gitarren kreischen und Bässe wummern

Heiko Bellon und Johannes Bieg führen in Sulzbach den größten Musikfachhandel in Südwestdeutschland. Und das seit 35 Jahren. Wir haben sie besucht und über Corona, Trends und Klassiker gesprochen.

Gitarren kreischen und Bässe wummern. In der alten Garage in der Sulzbacher Salmstraße geht der Punk ab. So hat alles angefangen, 1987.  Mit einer Handvoll gebrauchter Instrumente. Der kleine Laden von Heiko Bellon wird in der Szene schnell bekannt, Gitarristen und Bassisten bringen ihre Instrumente – und der musikverrückte Heiko macht sie wieder flott. Zwei Jahre später kommt noch so ein Verrückter dazu: Johannes Bieg steigt in das junge Unternehmen ein. Mit Fachwissen, engagiertem Service und viel Herzblut geht es schnell voran, die Garage ist bald zu klein. Der Firmenname rührt natürlich von den Saiten von Gitarre und Bass her: Six & Four.

35 Jahre später. Gitarren kreischen und Bässe wummern. Keyboard- und Schlagzeugklänge strömen durch das Haus in Sulzbach, seit 1997, also auch schon 25 Jahre,  an anderer Stelle: Im Hessenland 14. Die Anzahl der Instrumente hat sich mehr als verhundertfacht. Der Name ist geblieben,  fast: Six + Four.   Bellon und  Bieg, die beiden Geschäftsführer, beschäftigen in dem prächtigen Gebäude auf 2000 Quadratmetern 15 Mitarbeiter, Bellons Sohn Dominik ist als dritter Gesellschafter mit dabei.

Six + Four ist das größte Musikfachgeschäft in Südwestdeutschland. Vergleichbare Läden gibt es nur in Karlsruhe, Frankfurt oder Köln. Bei unserem Besuch ist es sehr ruhig. Von Weihnachtsgeschäft keine Spur. „Corona war ein Schock“, sagt Heiko Bellon. Sie mussten Kurzarbeit einführen. Trotzdem sei es im ersten Coronajahr noch einigermaßen rundgelaufen, ergänzt Johannes Bieg, „geschäftlich war das nicht so gravierend.“ Die Nachfrage nach Musikinstrumenten war da. Doch dann, bei der dritten und vierten Welle, ging der Umsatz merklich zurück. „Alles wird teurer, das merkt man, die Leute sind zurückhaltender“, so Bellon. Seit Juni sind zwar alle Mitarbeiter wieder in Vollbeschäftigung, doch das Weihnachtsgeschäft sei schwach.

Hinzu kommt: Es gibt Lieferengpässe. „Auf manche Waren warten wir ein halbes oder sogar ein ganzes Jahr“, erklärt Bieg.  An den Wänden, an denen die Instrumente hängen, klaffen immer mehr Lücken. Das sei fatal, denn die Kunden hätten bestimmte Vorstellungen, wollten ein bestimmtes Holz, eine bestimmte Farbe, da müsse man liefern können. „Sonst gehen die woanders hin. Die Leute kaufen in ganz Europa.“

Deutlich verstärkt hat Six + Four in den letzten Jahren den Servicebereich. „Früher haben wir das nebenher mitgemacht, heute haben wir drei Leute fest in der Werkstatt“, berichtet Heiko Bellon. „Die Zeiten ändern sich“, ergänzt Johannes Bieg, „heute liefern wir immer stärker Konferenz-Technik oder festinstallierte Beschallungsanlagen.“ Diesen Markt werde man weiter ausbauen, da habe man sich einen guten Namen gemacht.

Wer als Musikbegeisterter bei Six + Four durch die Glastür tritt und die beiden lichtdurchfluteten Etagen vor sich sieht, der ist in der Regel ziemlich beeindruckt. Da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Im Erdgeschoss sind unter anderem diverse Schlagzeug-Utensilien, Keyboards, Bühnen-  und Digital-Pianos untergebracht, im ersten Stock warten komplette Drumsets (Schlagzeug-Anlagen und über 500 Gitarren und Bässe. Und da ist für jeden Interessenten was dabei. Das beginnt bei einer kleinen Ukulele für rund 50 Euro und reicht bis zu Raritäten wie eine 1961er Gibson SG Les Paul Custom für 6699 Euro. Was muss man heute für eine ordentliche E-Gitarre ausgeben? „Für 500 bis 1000 Euro bekommt man ein richtig gutes Instrument“, sagt Heiko Bellon.  Klassiker wie Fender, Gibson und Westerngitarren-Spezialist Martin seien immer gefragt, auch in anderen Bereichen ziehen nach wie vor große Namen wie Bose und Yamaha. „Trends kommen und gehen“, ergänzt Johannes Bieg. Zurzeit seien Digital-Pianos für das Spielen zu Hause gefragt. Ab zirka 850 Euro ist ein komplettes Set bei Six + Four zu haben.

Große Stärke des Musikfachhandels in Sulzbach ist die Beratung und das Komplettangebot. Hier können Interessierte in aller Ruhe und in speziellen Räumen Instrumente ausprobieren, hier gibt es vom Mikrofon und vom Kopfhörer über Lautsprecher, Mischpulte und Endstufen bis zur Lichttechnik alles unter einem Dach. Bellon und Bieg, das heißt auch nach 35 Jahren: Gitarren kreischen und Bässe wummern…

Six + Four, Im Hessenland 14, 66280 Sulzbach, Tel. (0 68 97) 9 24 94 13

www.sixandfour.de

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