1. Saarland

Medaille überrascht Delegation"Natur statt Beton unter die Füße der Kinder""Grün macht Schule" ist Thema

Medaille überrascht Delegation"Natur statt Beton unter die Füße der Kinder""Grün macht Schule" ist Thema

Mainz/Mettlach. Tabak-Frauen, Mönche aus dem hessischen Lorch, jede Menge Blümchen aus Erfurt, Weimar und Halberstadt - fast verloren wirkt die kleine Delegation aus Mettlach unter den rund 900 Gästen im ZDF-Fernsehgarten in Mainz

Mainz/Mettlach. Tabak-Frauen, Mönche aus dem hessischen Lorch, jede Menge Blümchen aus Erfurt, Weimar und Halberstadt - fast verloren wirkt die kleine Delegation aus Mettlach unter den rund 900 Gästen im ZDF-Fernsehgarten in Mainz. Dass sie aus dem Stand heraus eine Medaille bei dem Blumenwettbewerb "Entente Florale" abstauben würden, will bis zur offiziellen Bekanntgabe von den einzigen Saarländern niemand so recht glauben. Um so größer die Freude, als Babette Einstmann, die die Preisverleihung moderiert, Bürgermeisterin Thieser und ihre Leute auf die Bühne ruft: "Bronze für Mettlach." "Ich bin glücklich", strahlt Bürgermeisterin Judith Thieser mit der Sonne um die Wette, die just zu diesem Zeitpunkt das Grau vertrieben hat und von einem wolkenlosen Himmel scheint. Mit einer Medaille habe sie nie gerechnet - bestenfalls mit einer lobenden Anerkennung. "Es ist der Verdienst der Vereine, Schulen, Ortsräte und all der Bürger, die sich engagiert haben." Derweil freuen sich Touristiker Matthias Hießerich und Bernhard Schneider, CDU-Fraktionschef im Mettlacher Gemeinderat, und Hauptamtsleiter Wolfgang Kohn: "Ein toller Erfolg." Stolz quittiert auch Mettlachs Ortsvorsteher Heiner Thul den dritten Platz. Zu Gast bei Schwester Gudrun und Schwager Manfred in Mainz, war Thul mit Ehefrau Anne und Mutter Hedwig zur Preisverleihung in den Fernsehgarten gekommen. Für Mutter Hedwig, die an diesem Tag 81 Jahre alt wird, ist es ein Geburtstag der ganz besonderen Art und Prosit wert.Derweil beweist Bierkönigin Bianca ihr Vielseitigkeit - ob auf der Bühne, beim Treffen mit Blumenfee Fayette, beim Erinnerungsfoto mit den Juroren oder beim Bier-Zapfen am Mettlacher Stand: Die hübsche Brünette macht ihre Sache perfekt. Ob "Konkurrenten" aus den anderen Kommunen, Gäste oder Jury-Mitglieder: Das Bier mundet. Jury-Vorsitzender Rüdiger Kirsten schmunzelt: "Ich komme gerne wieder nach Mettlach. Außer dieser Hopfenblüte braucht's keine anderen Blumen."Sind sie froh über Bronze?Judith Thieser: Mehr als das. Ich bin überglücklich.Wir haben gar nicht mit einer Medaille gerechnet. Dass wir doch mit Bronze ausgezeichnet wurden, ist vor allem ein Verdienst der vielen Initiativen von Vereinen, Kindergärten, Schulen, Ortsräten und Privatleuten.Was macht Sie so stolz?Judith Thieser: Im Vergleich zu Weimar, Stuttgart oder Erfurt können wir nur ein Bruchteil an Geld aufwenden. Auch haben wir im Vergleich zu diesen Großstädten viel weniger Personal zur Verfügung. Da ist Privatinitiative, wie die die Gruppen und Privatleute, bewiesen haben, um so wichtiger.Welche Aufgabe haben Sie sich für die Zukunft gesetzt?Judith Thieser: Im kommenden Jahr wollen wir das Thema "Grün macht Schule" angehen.Die weiteren Ziele?Judith Thieser: Wir wollen aus den Erfahrungen des Wettbewerbs die Nachhaltigkeit der Grüngestaltung weiterentwickeln und die Gemeinde für Bürger und Gäste noch attraktiver machen, um die Lebensqualität zu steigern. In Zeiten des Klimawandels muss Grün in Dörfern und in Neubaugebieten einen höheren Stellenwert erhalten.Mainz/Mettlach. Aus ihrem Faible für Mettlach macht Jury-Mitglied Antje Solmsdorf keinen Hehl. Wie alte Freunde begrüßt sie vor der Preisverleihung im Mainzer Fernsehgarten Bürgermeisterin Judith Thieser und ihre Delegation und immer wieder deren Nähe. Die Frau, die mitgeholfen hat, Potsdam bei dem europäischen Blumenwettbewerb 2005 zu Gold zu führen, gerät über die traumhafte Lage von Mettlach ins Schwärmen. "Die Gemeinde hat eine Menge Potenziale, und sie ist auf dem richtigen Weg", kommentiert Solmsdorf, die Anfang Juli mit ihren Kommissions-Kollegen zu einer Rundreise durch Mettlach gestartet war. Der Beweis sei die Bronze-Medaille, die die Mettlacher aus dem Stand errungen hätten. Neben Gold-, Silber- und Bronzemedaille kenne die Jury auch noch eine "Lobende Anerkennung". Habe man im vergangenen Jahr diese Anerkennung drei Mal ausgesprochen, so habe man in diesem Jahr drauf verzichtet. "Alle zwölf Kommunen hatten eine Medaille verdient." Dass Mettlach die Hand nach Silber oder gar Gold ausstrecken könne, ist für die studierte Garten- und Landschaftsgestalterin sehr wohl möglich. "Es muss den Mettlachern nur gelingen, die wunderschöne Natur in den Ort zu holen." Ein wunderschönes Umfeld alleine reiche nicht aus. Mehr Grün forderte sie beispielsweise für Schulen und Kindergärten. "Die Kinder sollen nicht nur die Natur aus der Ferne sehen, sie sollen auch nicht mit ihren Füßen auf Beton, sondern auf Natur treten." Um- und Naturerziehung nennt sie als einen weiteren Schwerpunkt. Auch eine intensivere Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und V&B in Sachen Blumen, Bäume, Sträucher und Park könnte Früchte tragen. "Kapazitäten sind auf jeden Fall vorhanden, jetzt muss der eingeschlagene Weg konsequent und nachhaltig fortgesetzt werden." mst

 Viele Gäste im Fernsehgarten.
Viele Gäste im Fernsehgarten.
 Bierkönigin Bianca und Blumenfee Fayette. Fotos: SZ/Fixemer
Bierkönigin Bianca und Blumenfee Fayette. Fotos: SZ/Fixemer

Auf einen BlickAn der Entente Florale, 1977 als britisch-französische Initiative gegründet, nehmen mittlerweile Staaten aus ganz Europa teil, unter anderem Deutschland, Irland, Kroatien, Niederlande, Österreich, Slowenien, Tschechische Republik und Ungarn. Der Wettbewerb will die Bürger in den Kommunen dazu anhalten, die Wohn- und Lebensqualität zu erhöhen. Mettlach war in diesem Jahr die einzige saarländische Kommune, die ihren Hut in den Ring warf. Alle Teilnehmer erhielten dieses Mal eine Medaille. Gold gab es für Erfurt, Stuttgart, Weimar, Silber für Halberstadt, Heidenheim, Lorsch, Regensburg, Bronze für Mettlach, Meerane, Witzenhausen, Eberswalde und Preetz. mst