1. Saarland

Mathematik ist doch einfach überall Was ist Omas Sparbuch heute wert?

Mathematik ist doch einfach überall Was ist Omas Sparbuch heute wert?

Herr Roos, die Menschheit lässt sich in zwei Gruppen einteilen, Mathefans und Mathehasser. Stimmt das?Rainer Roos: Da ist schon etwas dran. Ich persönlich führe dies auf Frustration in der Schule zurück. Ich habe immer versucht, meine eigene Lust an der Mathematik zu vermitteln

Herr Roos, die Menschheit lässt sich in zwei Gruppen einteilen, Mathefans und Mathehasser. Stimmt das?Rainer Roos: Da ist schon etwas dran. Ich persönlich führe dies auf Frustration in der Schule zurück. Ich habe immer versucht, meine eigene Lust an der Mathematik zu vermitteln. Aber bestimmte mathematische Grundlagen muss man doch einfach lernen?Roos: Das ist eine Frage der Motivation. Ich muss als Mathelehrender für die Motivation meiner Studenten sorgen. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie ich das tun kann. Man kann Mathe mit Emotionen aufladen, mit Personen verknüpfen. Über die großen Mathematiker gibt es viel zu erzählen. So einfach geht das?Roos: Lernen hat mit Gefühlen zu tun. Sie können das aber auch über Herausforderungen machen. Die Studies müssen denken, das ist schwer, da gehen wir aber durch. Bei allem versuche ich, meine eigene Lust an der Lehre weiterzugeben. Mit Begabung hat Mathe also nichts zu tun?Roos: Natürlich spielt Begabung eine Rolle. Das steht außer Frage. Aber mit der Mathematik ist es nicht anders als im Sport. Sie können dort doch auch mit Lust und Liebe 100 Meter in 15 Sekunden laufen und werden keinen Rekord aufstellen. Was macht eigentlich gute Lehre aus?Roos: Ich muss selbst Spaß an meinem Stoff haben. Ich muss Spaß an der Vermittlung haben. Und Respekt vor meiner Zielgruppe. Warum engagieren Sie sich ehrenamtlich für das Thema Mathe, so zum Beispiel bei den Vorträgen in Tholey?Roos: Zunächst einmal, weil es mir Spaß macht. Ich mache gerne Mathe. Ich habe es auch gern, wenn es andere machen. Ich bin aber kein Missionar und will niemanden zwingen, sich mit Mathematik zu beschäftigen. Kennen Sie denn die wichtigsten Mathe-Formeln?Roos: Nein. Das ist auch gar nicht möglich. Die meisten Menschen haben keine Vorstellung davon, wie viel Mathematik es gibt. Jedes Jahr werden etwa 500 000 neue mathematische Sätze entdeckt. Die Menge an Mathematik ist immens. Haben Sie eine Lieblingsformel?Roos: Nein. Mathematiker definieren sich ja dadurch, dass sie etwas Neues machen. Formeln kann man auch nachschlagen. Wie viel Mathe brauche ich denn eigentlich als Otto Normalverbraucher?Roos: Mathematik ist überall. Wegen technischer Hilfsmittel wie Taschenrechner und Computer brauche ich trotzdem immer weniger Mathematikwissen. Was ist aber das Entscheidende an der Mathematik?Roos: Das ist nicht das Erlernen von Formeln. Man braucht Phantasie, um etwas Neues zu finden. Gute Mathematiker sind sehr kreativ. Sie beschäftigen sich auch mit Kryptologie. Was hat dies mit Mathe zu tun?Roos: Sehr viel. Kryptologen entwickeln und entziffern Geheimschriften. Viele Geheimschriften haben mathematische Grundlagen. So basiert ein Standardverfahren auf bestimmten Primzahlen-Eigenschaften. Die Kryptologie ist eine mathematische Wissenschaft. Das Knacken von Codes gehört dazu. Kryptologen rufen zum Knacken der Codes auf. Nur so kann man erfahren, wie sicher Verschlüsselungen sind. Das macht Spaß. Haben Sie eigentlich eine Lieblingszahl?Roos: Die Zahl 42. Dazu muss ich eine Geschichte erzählen. Es gibt den Roman "Per Anhalter durch die Galaxis". Am Ende spuckt der Computer die Antwort auf die Frage aller Fragen heraus: 42. Allerdings hatte man bis dahin die Frage vergessen. Diese Zahl 42 war unter meinen Studenten Kult. Ich habe in fast allen meinen Klausuren in irgendeiner Aufgabe die Zahl 42 eingebaut. Ist einer der großen Mathematiker für Sie ein Vorbild?Roos: Georg Cantor. Wer ist denn das?Roos: Ein deutscher Mathematiker im 19. Jahrhundert, der die Mengenlehre entwickelt hat. Und warum?Roos: Er beschäftigte sich mit unendlichen Mengen, betrat damit Neuland.Mit zunehmendem Alter suchen viele ihre Wurzeln, mir geht es ebenso. Man betreibt Ahnenforschung. Ich habe vor einiger Zeit die Hinterlassenschaft meiner Eltern durchforstet, ein dickes staubiges Paket gefunden, das viele Umzüge in einem festen Karton überlebt hat. Etwa 40 Jahre unberührt. Ich fand darin ein Sparbuch meiner Großeltern mütterlicherseits, von Anfang 1899. Der Opa stammt aus Ruschberg bei Birkenfeld, die Oma aus Karlsruhe. Mein Opa arbeitete auf der Grube, als Hennesje, die Oma war Dienstmädchen, später Köchin im Hause Vopelius in Sulzbach. Die beiden fanden sich, es muss eine große lebenslange Liebe gewesen sein, meine Mutter, mein Onkel, alle anderen Verwandten haben dies nämlich immer wieder betont. Die beiden wollten ein Nest, ein Haus, deswegen das Sparbuch. Sie haben es geschafft. Das Haus wurde etwa 1903 in Sulzbach errichtet, Schlachthofstraße 3. Mit sehr viel Eigenarbeit.Ich frage mich, 2009, welchen Wert besäße dieses Sparbuch heute, jenseits aller Inflationen, Depressionen, Weltkriege, Finanzkatastrophen. Nach 110 Jahren. Der letzte Eintrag betrug 2897,53 Goldmark, das ist viel. Der Schichtlohn eines Bergmanns lag damals unter 2 Mark. Vielleicht gab es ein Erbe, vielleicht haben die vielen Geschwister mitgespart. Die damalige Goldmark wird heute mit 17,62 Euro bewertet. Es waren mit der Bank jährliche Zinseszinsen mit 4,1 Prozent verabredet. Ihre Aufgabe, meine Frage: Was wäre dieses Sparbuch heute wert, unter den beschriebenen Bedingungen?Wer die Frage beantworten kann, eine Lösung hat, der sollte diese an die St. Wendeler Lokalredaktion der Saarbrücker Zeitung schicken. Zum Grübeln, Nachdenken und Lösen haben Sie einige Tage Zeit. Die Antwort muss bis Freitag, 20. März, in der Redaktion eingegangen sind. Aus den Antworten verlosen wir zehn Gutscheine zu jeweils zehn Euro für das Schaumbergbad in Tholey. Die Gutscheine stellen die Gemeinde Tholey und das Erlebnisbad zur Verfügung. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Lösung erfahren die Leser dann in der SZ-Ausgabe vom Samstag, 21. März.Die Lösung schicken Sie bitte unter dem Stichwort "Sparbuch" nur an die Redaktion St. Wendel und zwar an die folgende Adresse: per Brief oder Karte: Mia-Münster-Straße 8, 66606 St. Wendel, per Fax: (0 68 51) 9 39 69 59, per E-Mail: redwnd@sz-sb.de.

 Ob in den alten Sparbüchern auch Vermögen schlummern? Foto: gms
Ob in den alten Sparbüchern auch Vermögen schlummern? Foto: gms

Zur personRainer Roos wurde 1941 in Dudweiler geboren. Er studierte an der Universität in Saarbrücken Mathe, Physik und Philosophie. Nach seiner Promotion arbeitete er an der Universität Karlsruhe. 1983 übernahm er an der Fachhochschule Karlsruhe, heute Hochschule für Technik und Wirtschaft, eine Mathematikprofessur mit den Schwerpunkten Diskrete Mathematik und Logik. Seit zwei Jahren ist Roos in Pension. Er ist allerdings immer noch in Baden-Württemberg zuständig für hochschuldidaktische Einführungskurse für neu berufene Professoren. Seit 1998 lebt er mit seiner Familie in Wiesbach. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Kontakte mit Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt, der Hauptamtsleiter der Gemeinde Eppelborn war und die ersten Mathe-Vorträge mit Rainer Roos in Eppelborn initiierte. Seit 2003 hält Roos Mathe-Vorträge in Tholey. vf