Verbraucher hintergangen?: Massive Kritik an Lebensmittel-Rückrufen

Verbraucher hintergangen? : Massive Kritik an Lebensmittel-Rückrufen

Nach dem Eier-Skandal hat Saar-Minister Jost Kritik an Discountern geübt. Jetzt rügt Foodwatch das ganze Rückruf-System für Lebensmittel.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat das System der Lebensmittelwarnungen in Deutschland als „mangelhaft“ gerügt. Warnungen vor möglicherweise gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln erreichten die Menschen in Deutschland oftmals zu spät oder gar nicht, sagte Geschäftsführer Martin Rücker gestern bei der Vorstellung eines auf Foodwatch-Recherchen basierenden Reports. „Zu oft kommt es nicht zum Rückruf, obwohl dieser geboten wäre“, sagte Rücker. Auch werde die Öffentlichkeit nicht immer über Rückrufe informiert, teils mit Wissen der Behörden. In den vergangenen Jahren wurden im Schnitt rund 100 Lebensmittel pro Jahr zurückgerufen, Tendenz steigend.

Foodwatch erklärte, die „verfehlte Informationspolitik“ im Skandal um mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier sei kein Einzelfall. Zu viel Entscheidungsmacht liege noch bei den Herstellern. Diese bestimmten, ob ein fehlerhaftes Produkt für Verbraucher ein Gesundheitsrisiko darstellt und zurückgerufen wird. Selbst überschrittene Grenzwerte seien nicht zwingend ein Grund. Behörden fehle oft die Rechtssicherheit, einzugreifen – falls sie überhaupt davon erfahren. Selbst wenn gewarnt und zurückgerufen wird, passiert das dem Report zufolge häufig zu spät. Auf dem staatlichen Portal lebensmittelwarnung.de erscheine fast jede zweite Warnung verzögert.

Saar-Verbraucherschutzminister Reinhold Jost (SPD) hatte im Skandal um mit Fipronil-belasteten Eiern bereits Kritik am Verhalten mancher Discounter geäußert. So hätten einige Märkte belastete Chargen zwar aus dem Verkauf entfernt, aber nicht die Kunden darüber informiert. Jost hatte aber auch das Meldesystem der EU und den Austausch zwischen den deutschen Bundesländern beanstandet.

Bundes-Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) bestätigte: „Beim Thema Verbraucherinformation können wir noch besser und vor allem schneller werden.“ Der Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft (BLL) betonte, Warnungen lägen im Interesse der Hersteller.

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