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Marpingen will saubere Energie Marpingen will saubere Energie

Marpingen will saubere Energie Marpingen will saubere Energie

Marpingen. Die Mitglieder des Marpinger Gemeinderats haben auf der letzten Sitzung des Jahres einstimmig beschlossen, das Verfahren zum Ändern des Flächennutzungsplanes "zur Festlegung von Konzentrationszonen für die Windenergie" weiter voranzutreiben. Obwohl sich "einige zusätzliche Erkenntnisse ergeben haben", wie Bürgermeister Werner Laub einleitend erklärte

Marpingen. Die Mitglieder des Marpinger Gemeinderats haben auf der letzten Sitzung des Jahres einstimmig beschlossen, das Verfahren zum Ändern des Flächennutzungsplanes "zur Festlegung von Konzentrationszonen für die Windenergie" weiter voranzutreiben. Obwohl sich "einige zusätzliche Erkenntnisse ergeben haben", wie Bürgermeister Werner Laub einleitend erklärte. Dargelegt wurden diese von Geoinformatiker Achim Später, der für das beauftragte Planungsbüro Argus Concept die ins Auge gefassten Flächen auf ihre Tauglichkeit geprüft hat.Von ehemals fünf untersuchten Konzentrationsflächen - das Ausweisen solcher Flächen soll Wildwuchs von Windkraftanlagen verhindern - werden die beiden größeren Flächen "Nördlich Alsweiler" und "Seibertswald" (siehe Grafik) als geeignet betrachtet. Allerdings mit einem dicken Fragezeichen versehen. Denn ob dort irgendwann tatsächlich Windkraftanlagen sauberen Strom erzeugen werden, ist offen. Der Grund sind Vögel.

"Im Bereich Seiberswald wurde ein Rotmilan-Vorkommen festgestellt, von dem zu Beginn des Verfahrens nichts bekannt war", erklärte Später in der Ratssitzung. Rotmilane stellen aus Sicht des Artenschutzes ein sogenanntes "Ausschlusskriterium" dar. Im Klartext: In einem Radius von 1000 bis 1500 Meter um den Horst des geschützten Greifs dürfen keine Windkraftanlagen gebaut werden. Da der Rotmilan im Seiberswald sein Revier quasi mitten in der Konzentrationsfläche hat, würde beim Einhalten des Schutzbereichs nicht viel von ihr übrig bleiben - schlimmstenfalls entfiele sie ganz.

Ähnlich sieht es nördlich von Alsweiler aus. Auch dort nistet ein Rotmilan. Zwar knapp außerhalb der Konzentrationsfläche, aber eine Schutzzone würde auch hier die nutzbare Fläche für Windenergie erheblich reduzieren. Das Landesamt für Umwelt und Artenschutz (LUA) halte die vorgesehen Flächen jedenfalls für "konfliktbehaftet", stelle die Genehmigungsfähigkeit in der Umsetzung in Frage und fordere "eine Funktionsraumanalyse", wie Später dem Gemeinderat berichtete. Eine solche Analyse kostet jedoch Geld, und das ist in Marpingen knapp bemessen. Und so fasste der Gemeinderat den Beschluss, dass diese erst dann angefertigt wird, wenn ein Genehmigungsverfahren ansteht - also ein Interessent da ist, der auf den Flächen tatsächlich Windkraftanlagen bauen möchte. Dieser muss dann das vom LUA geforderte Fachgutachten, das nach Einschätzung von Bürgermeister Werner Laub einige zigtausend Euro kosten dürfte, selbst zahlen. Und damit gleichzeitig das Risiko eingehen, dass der Artenschutz der Realisierung einen Strich durch die Rechnung macht.

Dass es bereits Interessenten gibt, bestätigt Marpingens Bürgermeister auf Nachfrage der Saarbrücker Zeitung. "Zwei bis drei Unternehmen haben konkretes Interesse", sagt Laub. Mit im Boot wären demnach auch die Energie-Projekt-Gesellschaft St. Wendel sowie der kommunale Dienstleister KDM. "Es soll so sein, dass das regionale Träger machen. Wir wollen die Wertschöpfung der Anlagen im Land behalten", führt Laub aus und erklärt weiter: "Wenn es machbar ist, wollen wir ein Konstrukt mit einer Bürgergenossenschaft oder einer Bürgerbeteiligung schaffen." Zwischen vier und sechs Windräder, die jeweils etwa 2,5 Megawatt Strom produzieren würden, seien pro Konzentrationsfläche realisierbar.

Verhindert der Rotmilan den Bau von Windrädern in der Gemeinde Marpingen? Foto: dpa/Patrick Pleul

In der nächsten Planphase - der sogenannten Offenlage - zu Beginn des kommenden Jahres werden Behörden und Öffentlichkeit nun erneut die Möglichkeit haben, eventuell vorhandene Bedenken vorzubringen.