Markt in Brotdorf bleibt Zankapfel Ortsvorsteher: Der Markt ist dringend notwendig

Markt in Brotdorf bleibt Zankapfel Ortsvorsteher: Der Markt ist dringend notwendig

Brotdorf. Eine große Mehrheit von über 90 Prozent der Brotdorfer Bevölkerung - so hieß es zumindest seitens der Marktunterstützer - halte die Ansiedlung für zwingend erforderlich

Brotdorf. Eine große Mehrheit von über 90 Prozent der Brotdorfer Bevölkerung - so hieß es zumindest seitens der Marktunterstützer - halte die Ansiedlung für zwingend erforderlich. "Eine Ort mit etwa 3800 Einwohnern braucht diesen Markt, damit vor Ort die Einkaufsmöglichkeiten gewährleistet sind und wir nicht für jedes Schulheft und jeden frischen Salat nach Losheim oder Merzig fahren müssen", forderten am Samstag vehement Mütter schulpflichtiger Kinder, darunter Susanne Naumann und Eva Kraus. Besonders für ältere Menschen sei ein Markt eng verknüpft mit der Steigerung von Lebensqualität, meinte ein Anwohner der Pützwiesenstraße. Alle wären heilfroh, wenn es die Möglichkeit gäbe, zu Fuß einen Markt vor Ort zu erreichen.

"Schwer nachzuvollziehen"

"Die bisher in den Medien nachzulesenden Einwände von zwei Brotdorfer Bürgern sind nur schwer nachzuvollziehen", ereiferte sich Klaus Massem, der vielen Brotdorfern als Naturfreund bekannt ist. "Was sollen die Argumente eines zu schützenden Feuchtgebietes", fragte der Vorsitzende des Gartenbauvereins. Das Baugelände sei ein außer Betrieb gesetzter Sportplatz, die spärliche Wiese gründe auf dem alten Schottergrund. Noch vor geraumer Zeit habe das Gelände als Pferdekoppel gedient und sei völlig niedergetrampelt gewesen, so Massem. Mit diesen Aussagen wollte er die Argumente von Wolfgang Lehnen, dem Bundesvorsitzenden des INNU, einer neuen Naturschutzorganisation, entkräften. Dieser hatte angekündigt, aus Naturschutzgründen gegen die Nutzung des Areals zu klagen. "Wir sind offiziell aber noch nicht anerkannt", beteuerte der in Saarlouis wohnhafte Lehnen. Seine Einwände an die Adresse von OB Lauer habe dieser zunächst zurückgewiesen. Man werde die Sache aber nicht auf sich beruhen lassen, unterstrich der INNU-Vorsitzende. Die Frage, ob er die Marktangelegenheit lediglich zur Schärfung des noch jungen Vereins-Profils nutze und ansonsten keine Interessen verfolge, müsse er zurückweisen, sagte Lehnen.

"Argumente überdenken"

Heftige Attacken ob der Einwände gegen den Markt (wir berichteten) musste sich Alfred Enzweiler, Inhaber des gleichnamigen Autohauses, gefallen lassen. Er selbst habe bei der Erweiterung seines Betriebsgebäudes auf eben derselben Feuchtwiese keine Rücksicht auf Molche und anderes Getier genommen, wurde ihm vorgeworfen. Seine teils aus der Luft gegriffenen Argumente solle er überdenken, forderten die Marktbefürworter. Auf die Frage, warum er sich so energisch gegen die Marktansiedlung verwehre, ruderte der Brotdorfer Unternehmer zurück. "Niemals habe ich mich in der mir heute vorgeworfenen Form gegen den Bau eines Lebensmittelmarktes geäußert", betonte Enzweiler. Im Bericht der SZ sei er demnach auch nicht ganz korrekt wiedergegeben worden. "Was am Donnerstag teilweise in der Zeitung stand, habe ich so nie gesagt", beteuerte er. Vielmehr sei auch er für eine Brotdorfer Einkaufsmöglichkeit, jedoch nicht in der geplanten Größenordnung. Enzweiler: "Ein kleiner Markt wie Aldi täte es auch, es müsste ja nicht gleich ein solch riesiger Molloch sein." > Weiterer Bericht: Seite C 2Brotdorf. Gegenüber der SZ hat sich am Samstag der Brotdorfer Ortsvorsteher Torsten Rehlinger (SPD) klar zum Bau des geplanten Marktes bekannt. Anlass war eine Diskussionsrunde, die sich am vorgesehenen Marktareal eingefunden hatte.

Eine Ansiedlung in dieser Form werde bereits seit Jahrzehnten im Dorf verfolgt, so der Ortsvorsteher. "Der Vollsortimenter-Markt ist aufgrund unserer Ortsgröße wichtig." Nun habe man endlich einen Investor gefunden, der mit einem Vertrag über 15 Jahre aufwartete. Das garantiere auch Älteren für lange Zeit eine fußläufig erreichbare Einkaufsmöglichkeit. "Weil andere Märkte im Dorf nicht mehr vorhanden sind , ist die Dringlichkeit für den Rewe-Markt gegeben", sagte der Ortsvorsteher. Jetzt habe man die wohl letzte Chance, einen Einkaufsmarkt nach Brotdorf zu bekommen. "Wenn wir diese Chance verpassen, wäre das für unseren Ort in punkto Nahversorgung eine Katastrophe", unterstrich Rehlinger.

Dem stimmte das Brotdorfer Stadtratsmitglied Dieter Ernst (SPD) zu: "Der Bedarf für einen Markt ist eindeutig festgestellt worden. Alle Bedenken wurden mittels Gutachten zurückgewiesen, und nach dem heutigen Stand der Technik ist mit den befürchteten Gebäudeschäden nicht zu rechnen", sagte Ernst. Auch das Brotdorfer Stadtratsmitglied Manfred Kost (CDU) plädierte für den Markt: "Weil er die ortsnahe Versorgung der Familien sicherstellt und das Dorf aufwertetet. owa

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