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"Man lebt und kämpft mit den Afghanen"

"Man lebt und kämpft mit den Afghanen"

Gonnesweiler. Für diejenigen, die den Kreisdelegiertentag der Jungen Union besucht haben, war es keine Neuigkeit. Anfang dieser Woche lief die Nachricht über die Ticker, dass Teile der Saarlandbrigade im kommenden Jahr im Norden Afghanistans Sicherheitskräfte ausbilden und Aufständische bekämpfen sollen

Gonnesweiler. Für diejenigen, die den Kreisdelegiertentag der Jungen Union besucht haben, war es keine Neuigkeit. Anfang dieser Woche lief die Nachricht über die Ticker, dass Teile der Saarlandbrigade im kommenden Jahr im Norden Afghanistans Sicherheitskräfte ausbilden und Aufständische bekämpfen sollen. Geplant ist unter anderem, Soldaten des Fallschirmjägerbataillons 261 in Mazar-i-Sharif zu stationieren. Heimat dieser Truppe ist die Graf-Haeseler-Kaserne in Lebach und ihr Kommandeur heißt Thomas Blank. Der Oberstleutnant sprach am Samstag auf dem JU-Kreisdelegiertentag im Gonnesweiler Dorfgemeinschaftshaus und nahm Stellung zur aktuellen Diskussion um die Bundeswehr."Die Fallschirmjäger sind nicht immer so populär", sagte Blank. Aber "immer, wenn es spannend wird, kommt man auf uns zurück." Seit 1993 nehme das Fallschirmjägerbataillon 261 an Auslandseinsätzen teil. Laut Blank gehört seine Truppe zu den "kampferfahrensten Verbänden des deutschen Heeres". In Afghanistan gebe es zwei Operationsstränge. Zum einen den Kampf gegen "Aufständische", zum anderen den Aufbau des Landes. Nach einem Strategiewechsel laufe nichts mehr ohne die Einheimischen: "Man lebt, kämpft und isst mit den Afghanen." Unter dem Strich würden "670 Soldaten" der Saarlandbrigade im kommenden Jahr in Afghanistan im Einsatz sein."Wie lang ist die durchschnittliche Einsatzdauer?", wollte Markus Uhl, der JU-Landesvorsitzende, in der Diskussion wissen. "Vier bis sechs Monate", antwortete Blank. Da die Einsätze immer mehr werden, würden sich die Zeiten verlängern. "In einer reinen Berufsarmee geht es in Richtung der Amerikaner." Diese seien im Durchschnitt zwölf Monate im Einsatz."Wie geht die Truppe mit Gefallenen um?", fragte ein Delegierter. "Auf so etwas kann man sich nicht richtig vorbereiten", sagte Kommandeur Blank. Vielleicht vergehe eines Tages der Schmerz über den Verlust der Kameraden, "aber der Stolz auf diese Leute vergeht nicht". Für diese Worte erntete Blank Applaus von den JU-Delegierten. Zudem werde nach Anschlägen über Strategien nachgedacht, wie so etwas in Zukunft nicht mehr passieren könne. Blank räumte aber ein: "Gegen Selbstmordattentäter haben Sie fast keine Chance." Der Oberstleutnant plädierte dafür, dass die Politik eine "gesamtgesellschaftliche Diskussion" über die Zukunft der Bundeswehr anstößt. "Ein THW mit Waffen sind wir nicht", sagte der Kommandeur. Die Politik müsse die Frage beantworten, "was für eine Bundeswehr wollen wir"? Statt über Obergrenzen zu diskutieren, sollte zunächst über die zukünftigen Fähigkeiten sowie die finanzielle Ausstattung der Bundeswehr debattiert werden. Sollte es zum Aussetzen der Wehrpflicht kommen, könnten "gewisse Kreise" die Bundeswehr ausgrenzen, befürchtetet Blank.In der Öffentlichkeit sollte aber über den "ehren- und wertvollen" Dienst in der Bundeswehr diskutiert werden. "Ein Soldat gilt immer noch als Bürger zweiter Klasse", fand Blank. Dabei sei das, was Soldaten beispielsweise in Afghanistan leisteten, oder wenn sie beschossen würden, "mit Geld nicht zu bezahlen".

Auf einen BlickDer JU-Kreisdelegierten-Tag bestätigte mit 93 Prozent Valentin Holzer als Vorsitzenden des Junge-Union-Kreisverbandes St. Wendel. Zu Holzers Stellvertretern wurden Kathrin Brandt aus St. Wendel und Dennis Meisberger aus Güdesweiler gewählt. Den Kreisvorstand komplettieren: Christian Gregorius (Schatzmeister), Alexander Zeyer (Geschäftsführer), Stefanie Dietz (Schriftführerin), Yannik Kugel (Organisationsleiter), Johannes Klotz (Pressereferent) sowie die Referenten Alexander Becker, Alexander Besch, Sebastian Finkler, Alain Franz Knorr, Peter Lauer, Sven Leist, Jonas Meyer, Eva Moutty, Sina Naumann, Roman Pfeiffer und Astrid Schirra. Zudem stimmten die JU-Delegierten für einen Antrag zur Abschaffung der Zweitwohnsitzsteuer für Studenten. mic